Die analoge Fotografie erlebt in Deutschland, Österreich und der Schweiz seit Jahren eine bemerkenswerte Renaissance. Doch mit der steigenden Nachfrage sind auch die Preise für Filmmaterial drastisch gestiegen. Wer heute im Fotofachgeschäft oder in den verbliebenen Drogeriemärkten nach einem vielseitigen Farbnegativfilm sucht, stößt unweigerlich auf den Kodak Ultramax 400. Oftmals als reiner 'Consumer-Film' abgetan und in einer unscheinbaren blau-gelben Verpackung präsentiert, fristet er im Schatten der legendären Portra-Familie ein unverdientes Schattendasein. Dabei verbirgt sich hinter dem Namen Ultramax ein hochentwickeltes Produkt mit einer jahrzehntelangen Evolution, das eng mit dem beliebten Kodak Gold verwandt ist.
Um den Kodak Ultramax 400 richtig zu verstehen, hilft ein Blick in die Historie. Eingeführt in den späten 1980er-Jahren als 'Kodacolor Gold 400', durchlief die Emulsion unter Bezeichnungen wie 'Gold Max' oder 'Max Versatility' zahlreiche Optimierungen. Die heutige interne Bezeichnung 'GC' verrät Kennern sofort die Zugehörigkeit zur Gold-Linie, wobei das 'C' für die Empfindlichkeit von ISO 400 steht. Im Jahr 2007 erfolgte schließlich die Umbenennung in Ultramax 400. Durch diese namentliche Abgrenzung verlor der Film jedoch in den Köpfen vieler Fotografen die direkte Verbindung zum klassischen Kodak Gold 200, was angesichts der hervorragenden Abbildungsleistungen bedauerlich ist. Wer heute eine Packung Ultramax kauft, erwirbt keineswegs ein veraltetes Billigprodukt, sondern eine über Jahrzehnte hinweg verfeinerte Emulsion, die sogar moderne T-Grain-Technologien nutzt.
In der fotografischen Praxis in den Straßen von Wien, Berlin oder den herbstlichen Landschaften der Alpen zeigt der Ultramax 400 schnell seine wahren Stärken. Besonders auffällig ist die lebendige, fast schon poppige Farbwiedergabe. Während professionelle Porträtfilme wie der Kodak Portra 400 auf extrem feine, zurückhaltende Pastelltöne und absolut neutrale Hauttöne optimiert sind, liefert der Ultramax kontrastreiche, kräftige Farben. Blaue Himmel wirken tief und satt, rote Details stechen förmlich ins Auge, und Grüntöne werden saftig und lebendig abgebildet. Diese Charakteristik prädestiniert den Film für die Street- und Reisefotografie. Selbst an bewölkten Tagen in mitteleuropäischen Breitgraden gelingt es dem Film, den Aufnahmen eine warme, einladende Grundstimmung zu verleihen.
Ein kritischer Punkt bei jedem ISO 400 Film ist das Korn. Im direkten Vergleich zum Portra 400, der mit einem extrem feinen Korn glänzt, zeigt sich der Ultramax 400 spürbar körniger. Kodak gibt für den Ultramax einen 'Print Grain Index' von 44 an, während der Portra 400 bei 37 liegt. Damit bewegt sich der Ultramax bezüglich der Körnigkeit fast auf dem Niveau des Portra 800 (Index 46). In der Praxis bedeutet dies, dass in homogenen Flächen wie dem Himmel oder in feinen Strukturen ein deutliches, organisches Korn sichtbar ist. Viele Analog-Enthusiasten schätzen genau diesen klassischen Film-Look, doch wer absolut cleane, fast digitale Schärfe sucht, könnte hier enttäuscht werden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Digitalisierung: Moderne Scansysteme wie der Fuji Frontier neigen dazu, das Korn des Ultramax sehr gefällig und scharf abzubilden, während ältere Flachbettscanner das Korn oft matschig wirken lassen.
Ein enormer Pluspunkt des Kodak Ultramax 400 ist seine extreme Belichtungsflexibilität. Der Film verzeiht Belichtungsfehler erstaunlich gut. Eine Überbelichtung von bis zu zwei oder gar drei Blendenstufen steckt die Emulsion problemlos weg, ohne dass die Lichter komplett ausfressen. Lediglich bei den Hauttönen sollte man vorsichtig sein: Werden diese zu stark überbelichtet, tendieren sie im finalen Abzug oder Scan zu einem leicht unnatürlichen Gelbstich. Bei korrekter Belichtung hingegen liefert der Film sehr ansehnliche, warme Hauttöne. Auf der anderen Seite sollte eine Unterbelichtung vermieden werden. Bereits bei einer Unterbelichtung von mehr als einer Blendenstufe bricht die Zeichnung in den Schatten merklich ein, und es macht sich ein unschöner Grünstich im groben Korn der dunklen Bildbereiche bemerkbar.
Für experimentierfreudige Fotografen bietet der Ultramax zudem hervorragende Push-Eigenschaften. Wer den Film in der Kamera auf ISO 800 oder gar ISO 1600 belichtet und im Labor entsprechend länger entwickeln lässt (C-41 Push-Entwicklung), erhält kontrastreiche, extrem charakterstarke Bilder mit tiefem Schwarz und markantem Korn. Dies erweitert den Einsatzbereich des Films enorm und macht ihn zu einem echten Allrounder vom hellen Sonnenschein bis in die späten Abendstunden.
Im DACH-Markt hat sich die Preissituation in den letzten Jahren sichtlich angespannt. Kostete eine Dreierpackung Ultramax 400 im Drogeriemarkt vor einigen Jahren noch unter 15 Euro, muss man heute selbst bei Großverteilern deutlich tiefer in die Tasche greifen. Dennoch bleibt der Film im Vergleich zu den Profi-Linien wie Portra oder Ektar eine hochgradig wirtschaftliche Alternative. Für das ungezwungene Fotografieren im Urlaub, den Einsatz in kompakten Point-and-Shoot-Kameras oder für Einsteiger, die das Medium erst kennenlernen, bietet der Kodak Ultramax 400 die perfekte Balance aus Zuverlässigkeit, klassischem Analog-Look und bezahlbarem Preis.
📋 Technische Spezifikationen
✅ Vorteile (Pros)
- ✓Hervorragende, lebendige Farbwiedergabe mit warmen, kräftigen Tönen und satten Primärfarben
- ✓Sehr großer Belichtungsspielraum, der Überbelichtungen von bis zu 3 Blendenstufen problemlos verzeiht
- ✓Deutlich günstiger als professionelle Alternativen wie Kodak Portra 400 oder Ektar 100
- ✓Äußerst vielseitige Empfindlichkeit von ISO 400, ideal für wechselnde Lichtverhältnisse im DACH-Raum
- ✓Sehr gute Push-Eigenschaften bei Belichtung auf ISO 800 oder 1600 mit exzellentem Kontrastverhalten
- ✓Nutzt moderne T-Grain-Technologie für eine trotz des Korns beachtliche Detailauflösung
- ✓Hervorragend geeignet für Street-, Reise- und Alltagsfotografie dank des klassischen Analog-Looks
❌ Nachteile (Cons)
- ✗Sichtbar gröberes Korn im Vergleich zu Profi-Farbnegativfilmen derselben Empfindlichkeitsklasse
- ✗Unterbelichtung führt schnell zu störendem Grünstich und Detailverlust in den Schattenpartien
- ✗Hauttöne neigen bei starker Überbelichtung zu einem unnatürlichen, gelblichen Farbstich
- ✗Deutlich gestiegene Preise und schwankende Verfügbarkeit im deutschen und österreichischen Handel
- ✗Für formelle Anlässe wie Hochzeiten aufgrund des hohen Kontrasts und Korns nur bedingt zu empfehlen
- ✗Einfache Consumer-Verpackung täuscht optisch über die tatsächliche optische Qualität des Films hinweg
Titelbild: Foto von Annie Spratt auf Unsplash

