Fujinon GF 19-35mm 32-90mm T35 im Test Die Rettung für das Eterna-System

Fujinon GF 19-35mm & 32-90mm T3.5 im Test: Die Rettung für das Eterna-System?

Die Ankündigung der Fujifilm Eterna 55 schlug in der Cine-Welt hohe Wellen. Ein extrem großer, nativer 44x33mm-Sensor verspricht einen unverwechselbaren, plastischen Look mit phänomenalem Dynamikumfang. Doch jede Kamera ist nur so gut wie das Glas, das vor ihr sitzt. Genau hier lag bisher die Krux: Wer den riesigen Sensor voll ausreizen wollte, stand vor einer mageren Auswahl. Klassische Vollformat-Kinoobjektive vignettieren oft im Open-Gate-Modus, und das Adaptieren von Foto-Objektiven der GFX-Reihe scheiterte in der Praxis meist an der unzureichenden manuellen Fokussierung und dem unberechenbaren Focus-by-Wire-Verhalten. Mit dem Fujinon GF 19-35mm T3.5 PZ OIS WR und dem GF 32-90mm T3.5 PZ OIS WR bringt Fujifilm nun zwei dedizierte Cine-Zooms auf den Markt, die genau diese Lücke schließen sollen. Zu einem Stückpreis von jeweils rund 6.000 Euro im deutschsprachigen Fachhandel richten sich diese Optiken an professionelle Produktionshäuser und anspruchsvolle GFX-Filmer in Deutschland und Österreich.

Beim ersten physischen Kontakt mit den beiden Objektiven wird sofort klar, dass Fujinon hier keine halben Sachen gemacht hat. Beide Linsen sind mechanisch nahezu identisch aufgebaut und wiegen fast auf das Gramm genau gleich viel – rund 2.100 Gramm für das Weitwinkel-Zoom und 2.115 Gramm für das Standard-Zoom. Für Kameraleute, die mit komplexen Gimbal-Systemen wie dem DJI Ronin 2 oder aufwendigen Rig-Konfigurationen arbeiten, ist dies ein unschätzbarer Vorteil. Ein Objektivwechsel gelingt in Sekundenschnelle, ohne dass das System neu ausbalanciert oder die Motoren des Follow-Focus-Systems neu positioniert werden müssen. Die Verarbeitung ist auf absolutem High-End-Niveau: Die Zahnkränze für Fokus, Zoom und Blende weisen die standardmäßige 0,8-Modul-Teilung auf und laufen perfekt gedämpft. Ein cleveres Detail ist der abnehmbare Zoomhebel, der manuelle Brennweitenänderungen butterweich gestaltet.

Ein wesentlicher Aspekt dieser Objektive ist die Verschmelzung von klassischer Kinomechanik mit modernster Foto-Technologie. Neben dem rein manuellen Betrieb bieten die Linsen einen schnellen Autofokus, eine effektive optische Bildstabilisierung (OIS) und einen vollständigen Wetterschutz. Da das Gehäuse der Eterna 55 auf eine interne Sensor-Stabilisierung (IBIS) verzichtet, ist der im Objektiv integrierte Stabilisator bei Freihand-Aufnahmen ein absoluter Lebensretter. Die Bedienung erfolgt über diverse Schalter am Tubus. Hier lässt sich unter anderem zwischen manuellem Betrieb und dem integrierten Servo-Motor für den Zoom wechseln. Letzterer ermöglicht gleichmäßige, motorisierte Zoomfahrten direkt über eine Wippe am Objektiv oder über die Kamerafernsteuerung. Ein kleiner Wermutstropfen im harten Set-Alltag ist jedoch die Logik der Schalter: Sobald ein Schalter auf 'S' (Servo) steht, ignoriert das System die physische Stellung der Ringe am Objektiv, was anfangs zu Verwirrung bei der Bedienung führen kann.

In der optischen Praxis zeigt sich die wahre Stärke der Fujinon-Ingenieure. Um die optische Leistungsfähigkeit an die Grenze zu treiben, wurden die Objektive nicht nur im 4K-Modus der Eterna getestet, sondern auch an der GFX100 II mit satten 102 Megapixeln im Fotomodus. Das Ergebnis ist beeindruckend: Bereits bei Offenblende T3.5 liefern beide Zooms im Bildzentrum eine hervorragende Schärfe und einen knackigen Kontrast. Wer in Zukunft auf 8K-Aufnahmen setzt, profitiert von einem leichten Abblenden auf T5.6 oder T8, wodurch das Bild bis in die äußersten Ecken des riesigen 4:3-Sensors knackscharf wird. Im klassischen 16:9-Ausschnitt ist die Randschärfe selbst bei Offenblende absolut kinoreif. Besonders hervorzuheben ist das Verhalten bei Gegenlicht. Die Linsen bewahren einen angenehmen Kontrast und neigen nur zu minimalen, sehr organisch wirkenden Lens Flares, die dem Bild einen charmanten Charakter verleihen, ohne abzulenken.

Das Bokeh der beiden Linsen ist ein Traum für jeden Bildgestalter. Unschärfebereiche im Vorder- und Hintergrund zerfließen äußerst harmonisch. Lichtpunkte werden kreisrund und ohne störende Zwiebelring-Strukturen abgebildet. Beim Schärfeziehen zeigt sich zudem eine hervorragende Korrektur des sogenannten Focus Breathing: Während das 19-35mm bei extremen Schärfeverlagerungen eine minimale Bildausschnittsänderung zeigt, ist das Atmen beim 32-90mm praktisch unsichtbar. Ein kleiner Dämpfer betrifft jedoch die parfokalen Eigenschaften. Obwohl Fujifilm versucht, den Fokus beim Zoomen elektronisch auszugleichen, arbeitet diese Korrektur im Praxistest zu träge. Für schnelle Zoomfahrten während der Aufnahme sind die Objektive daher nur bedingt geeignet; sie dienen eher dazu, den Bildausschnitt zwischen den Takes schnell anzupassen, ohne den Fokus neu einmessen zu müssen.

Für Produktionsfirmen im DACH-Raum stellt sich letztlich die Frage der Investition. Mit rund 6.000 Euro pro Objektiv sind die Fujinon-Zooms im Vergleich zu klassischen PL-Mount-Großformat-Zooms, die nicht selten im fünfstelligen Bereich liegen, fast schon als Schnäppchen zu bezeichnen. Sie machen das Eterna-System überhaupt erst zu einer runden, praxistauglichen Lösung und beweisen, dass Fujifilm es mit dem Einstieg in den High-End-Kinosektor absolut ernst meint.

📷 Objektiv

📋 Technische Spezifikationen

📸 Hauptkamera
Nicht zutreffend (Cine-Objektive)
🌄 Ultraweitwinkel
Fujinon GF 19-35mm T3.5 PZ OIS WR (Äquivalent zu ca. 15-28mm f/2.8 an Vollformat)
🔭 Teleobjektiv
Fujinon GF 32-90mm T3.5 PZ OIS WR (Äquivalent zu ca. 24-70mm f/2.8 an Vollformat)
🤳 Frontkamera
Nicht zutreffend
🎥 Video
Unterstützt Open-Gate-Aufnahmen bis zu 8K+ auf 44x33mm-Sensoren
⚙️ Weitere Details
Gewicht: 2.100g (19-35mm) / 2.115g (32-90mm); Frontdurchmesser: 111mm; Zahnkränze: 0.8 MOD für Fokus, Zoom und Blende; Optischer Bildstabilisator (OIS); Staub- und Spritzwasserschutz

✅ Vorteile (Pros)

  • Herausragende Schärfe im Bildzentrum bereits bei Offenblende T3.5 – perfekt für hochauflösende Produktionen
  • Nahezu kein Focus Breathing beim 32-90mm, was professionelle Schärfeverlagerungen ohne Bildfeldschwankungen ermöglicht
  • Sehr feinfühliges, mechanisch wirkendes Fokus-by-Wire-Gefühl für präzises manuelles Scharfstellen
  • Identisches Gewicht und identische Abmessungen beider Objektive erleichtern den schnellen Wechsel auf Gimbals und Rigs enorm
  • Integrierte optische Bildstabilisierung (OIS) gleicht den fehlenden IBIS der Eterna 55 Kamera hervorragend aus
  • Wunderschönes, cremiges Bokeh ohne störende Zwiebelringe für einen plastischen Großformat-Look
  • Sehr faires Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich zu etablierten Großformat-Kino-Zooms der Konkurrenz
  • Volle Abdeckung des großen 44x33mm-Sensors selbst im ungekroppten Open-Gate-Modus

❌ Nachteile (Cons)

  • Elektronische Parfokal-Korrektur reagiert zu langsam, wodurch das Bild beim aktiven Zoomen kurzzeitig unscharf wird
  • Ausschließlich mit dem Fujifilm GF-Mount kompatibel, was eine Nutzung an anderen Kamerasystemen ausschließt
  • Mit über 2,1 kg pro Objektiv sehr schwer und unhandlich für spontane Run-and-Gun-Einsätze ohne Rig
  • Riesiger Frontdurchmesser von 111mm erfordert spezielle, teure Matte-Boxes und große Filter
  • Sichtbarer Schärfeabfall in den extremen Bildecken bei Offenblende im vollen 4:3 Open-Gate-Modus
  • Teils verwirrende Schalterlogik am Objektivtubus, bei der elektronische Modi die physische Ringstellung überschreiben

Titelbild: Foto von Claudio Schwarz auf Unsplash