Wer in der modernen Street-Photography oder beim Erstellen von schnellem Video-Content für Social Media im DACH-Raum unterwegs ist, kennt das Dilemma: Die beste Smartphone-Kamera nützt nichts, wenn die Stabilisierung bei dynamischen Bewegungen versagt. Bisher griffen Fotografen und Videografen in Deutschland und Österreich zu externen Lösungen wie den Smartphone-Gimbals von DJI und Insta360 oder zu dedizierten Systemen wie der DJI Osmo Pocket-Serie. Honor geht mit dem neuen Robot Phone nun einen völlig neuen Weg und integriert einen echten, motorisierten mechanischen Gimbal direkt in das rückseitige Kameramodul des Smartphones. Was auf den ersten Blick wie eine technische Spielerei wirken mag, erweist sich im praktischen Hands-On-Test als eine handfeste technische Innovation mit enormem Potenzial für die mobile Bild- und Videoerstellung.
Unter der Haube verbirgt sich ein Kamerasystem, das sich vor aktuellen Flaggschiffen nicht verstecken muss. Die Hauptkamera setzt auf einen hochauflösenden 200-Megapixel-Sensor im Format 1/1.28 Zoll mit einer lichtstarken Blende von f/1.6 und optischer Bildstabilisierung (OIS). Das mechanische Gimbal-System ist direkt an dieses Hauptmodul gekoppelt. Flankiert wird die Hauptkamera von einem ebenfalls mit 200 Megapixeln auflösenden Teleobjektiv (62mm Äquivalent, f/2.6, OIS) mit einem großen 1/1.4-Zoll-Sensor sowie einer 50-Megapixel-Ultrawitwinkel-Kamera (122° Sichtfeld, f/2.0), die gleichzeitig als Makro-Objektiv mit einer Naheinstellgrenze von nur 2,5 Zentimetern dient. In der Praxis zeigt sich, dass diese Sensor-Kombination eine enorme Detailtiefe liefert, die vor allem bei der Nachbearbeitung im professionellen Workflow viel Spielraum lässt.
Der mechanische Gimbal des Robot Phones deckt zwar keine vollen 360 Grad ab, bietet aber mit einem Rotationswinkel von rund 270 Grad ausreichend Spielraum für die meisten Aufnahmesituationen. In Kombination mit der neu gestalteten Kamera-App lassen sich kreative Effekte realisieren, wie etwa automatische 180-Grad-Schwenks oder dynamische Zoom-Effekte bei langsamer Vorwärtsbewegung. Hierbei zeigt sich jedoch eine spürbare Lernkurve: Die Mechanik reagiert äußerst sensibel auf die Bewegungsgeschwindigkeit der Hand. Wer das Smartphone zu hastig bewegt, riskiert, dass der Gimbal die Ausrichtung verliert und die Aufnahme unruhig wird. Für optimale Ergebnisse empfiehlt sich nach wie vor der Einsatz eines Stativs oder eine sehr ruhige Kameraführung.
Ein echtes Highlight für anspruchsvolle Videografen ist die Kooperation von Honor mit dem Münchner Traditionshersteller Arri. Die Zusammenarbeit bringt den neuen 'Arri Cinema'-Modus auf das Smartphone, der Log-Aufnahmen, Arri-spezifische Farbprofile (LUTs) und umfassende manuelle Kontrollmöglichkeiten bietet. Dies wertet das Gerät für semiprofessionelle Produktionen massiv auf, da sich das Material farblich hervorragend in bestehende Arri-Workflows integrieren lässt. Die Kombination aus der physikalischen Stabilisierung des Gimbals und der professionellen Farbmetrik liefert Ergebnisse, die sich deutlich vom typischen 'Smartphone-Look' abheben.
Allerdings bringt die komplexe Mechanik auch handfeste Kompromisse im Alltag mit sich. Mit einem Gewicht von 248 Gramm ist das Gerät für seine kompakte Displaygröße von 6,3 Zoll spürbar schwer und kopflastig. Auch das Fotografieren und Filmen im klassischen Querformat erfordert Umgewöhnung: Da sich der Gimbal konstruktionsbedingt nicht physisch mitdreht, wenn das Telefon gekippt wird, muss der Wechsel des Bildformats rein softwareseitig über die App gesteuert werden. Zudem schränkt die offene Mechanik die Robustheit ein. Das Honor Robot Phone verfügt lediglich über eine IP54-Zertifizierung, ist also nur spritzwassergeschützt. Feiner Staub oder Sand, wie man ihn bei Shootings am Strand oder in der Natur häufig antrifft, stellt ein ernsthaftes Risiko für die Langlebigkeit der Motoren dar. Zum Schutz verbaut Honor eine magnetische Schiebeabdeckung über dem Kameramodul, die sich bei Beschädigung zwar leicht austauschen lässt, im Alltag jedoch ein potenzieller Schmutzfänger ist.
Für wen ist dieses innovative Kamerasystem also gedacht? Es richtet sich primär an mobile Content Creator, Vlogger und experimentierfreudige Videografen in Deutschland und Österreich, die ein extrem kompaktes All-in-One-Werkzeug für flüssige Bewegtbilder suchen und das zusätzliche Mitschleppen eines externen Gimbals vermeiden wollen. Wer jedoch primär klassische Landschafts- oder Porträtfotografie betreibt, findet in herkömmlichen Flaggschiff-Smartphones robustere und ergonomischere Alternativen.
📋 Technische Spezifikationen
✅ Vorteile (Pros)
- ✓Echter integrierter mechanischer Gimbal ermöglicht flüssige Schwenks und Stabilisierung ohne externes Zubehör
- ✓Herausragender Arri Cinema Modus mit echtem Log-Filmen und professioneller Farbwissenschaft (LUTs)
- ✓Sehr großer 1/1.28-Zoll-Sensor der 200-MP-Hauptkamera sorgt für exzellente Dynamik und Detailzeichnung
- ✓Automatisches Motiv-Tracking hält Personen oder Objekte auch bei Bewegung präzise im Fokus
- ✓Innovative automatische Panorama-Funktion nutzt die Gimbal-Drehung für perfekt gestitchte Aufnahmen
- ✓Lichtstarkes 200-MP-Teleobjektiv mit großem 1/1.4-Zoll-Sensor liefert hervorragende Porträtaufnahmen
- ✓Leicht austauschbare magnetische Schiebeabdeckung schützt die empfindliche Gimbal-Mechanik im Alltag
❌ Nachteile (Cons)
- ✗Eingeschränkter Outdoor-Schutz (nur IP54) macht die empfindliche Mechanik anfällig für Staub, Sand und Regen
- ✗Spürbare Kopflastigkeit und hohes Gewicht von 248 Gramm beeinträchtigen die Ergonomie bei längeren Aufnahmen
- ✗Keine physische Taste zur Gimbal-Aktivierung vorhanden (Steuerung erfolgt ausschließlich über den Touchscreen)
- ✗Umgewöhnung bei Querformat-Aufnahmen nötig, da der physische Gimbal sich beim Drehen des Handys nicht mitneigt
- ✗Feine Mikroruckler und Vibrationen bleiben beim schnellen Laufen auf hartem Untergrund im Videomaterial sichtbar
- ✗Motiv-Tracking verliert in dichten Menschenmengen oder bei schlechtem Licht gelegentlich das Ziel
- ✗Schiebeabdeckung zieht Fingerabdrücke an, was die Bildqualität ohne vorheriges Reinigen negativ beeinflussen kann
Titelbild: Foto von Salah Regouane auf Unsplash

