Optik OptiColour 200 im Test Das Comeback des Wolfen-Films Vielfalt statt Mainstream
Foto von Annie Spratt auf Unsplash

Optik OptiColour 200 im Test: Das Comeback des Wolfen-Films – Vielfalt statt Mainstream

Die analoge Fotografie erlebt derzeit eine Renaissance, und mit ihr kehren auch bekannte Namen zurück auf den Markt – allerdings oft unter neuen Identitäten. Der Optik OptiColour 200, auch bekannt als Wolfen NC200 oder unter diversen anderen Handelsnamen wie KONO Color 200, ist ein faszinierendes Beispiel für diese Entwicklung. Dabei handelt es sich um einen Farbnegativfilm, der von InovisCoat GmbH unter der legendären ORWO-Marke vertrieben wird – jener Marke, die einst aus dem sächsischen Wolfen stammte und seit der Schließung 1994 nur noch in der Nostalgie nachlebt.

Was besonders auffällt: Der Film ist erst 2025 auf den Markt gekommen und reiht sich damit in eine beeindruckende Reihe neuer Farbfilme ein. Nach den Vorgängern NC500 (2022) und NC400 (2023) bringt OptiColour 200 Verbesserungen und eine interessante Weiterentwicklung der bewährten Formel mit sich. Gleichzeitig konkurriert er mit anderen interessanten Neuheiten wie Harman Phoenix II und dem chinesischen Lucky Color C200 – es ist tatsächlich eine großartig vielfältige Zeit für Liebhaber von Farbfilm.

Die Identitätskrise des Films ist dabei nicht unwichtig: OptiColour Oldschool (Hersteller aus Deutschland), ORWO Wolfen NC200 (verkauft durch ein tschechisches Unternehmen), KONO Color 200 und möglicherweise auch Lomochrome Classicolor 200 – es handelt sich womöglich um die gleiche oder sehr ähnliche Emulsion, die unter verschiedenen Marken vermarktet wird. Eine pragmatische Lösung für einen Markt, der kompliziert geworden ist, aber auch ein Grund, warum Fotografen genau hinschauen sollten, was sie kaufen.

Der OptiColour 200 positioniert sich bewusst im mittleren Segment zwischen vollständig normalen, alltäglichen Farbfilmen wie Kodak Gold 200 oder Kodak Colorplus und experimentelleren Emulsionen. Das bedeutet: Man kann ihn wie einen Standard-Farbfilm nutzen, ohne dass irgendwas schiefgeht – aber er hat durchaus eigene, subtile Charaktereigenschaften, die ihn abheben. In der Praxis zeigt sich jedoch schnell, dass der Film nicht ganz einfach zu handhaben ist. Die Ergebnisse hängen stark davon ab, wie belichtet, entwickelt und gescannt wird. Das ist wichtig zu verstehen, bevor man sich mehrere Rollen kauft.

Für Fotografen im deutschsprachigen Raum stellt sich die praktische Frage: Ist das Ganze relevant? Durchaus. Im DACH-Raum gibt es eine wachsende Community von Analogfotografen, die gezielt nach neuen Emulsionen sucht. Labore wie die in Deutschland ansässigen Optik-Oldschool-Partner bieten entwicklung und Scanning an, was die praktische Verwendung erleichtert. Preislich liegt der OptiColour 200 im normalen Bereich für neue Farbfilme – etwa 6-8 Euro pro 35mm-Rolle, was nicht günstiger, aber auch nicht teurer ist als Kodak Gold 200. Interessant wird es beim 120er Format, das ausschließlich über Optik Oldschool erhältlich ist und dort durchaus höhere Preise rechtfertigt.

Wer sollte sich damit beschäftigen? Porträtfotografen werden die natürlichen Hauttöne schätzen, die dieser Film liefert – das ist in Tests konsistent beeindruckend gewesen. Fotografen, die gerne mit Film experimentieren und nicht jeden Tag mit Kodak Gold arbeiten möchten, finden hier interessante Alternativen. Street-Photography-Fans könnten mit der körnigen 35mm-Version ihre Freude haben, während Mittelformat-Fotografen von der ausgeglicheneren Körnung und den sättigeren Farben profitieren. Allerdings: Perfektionisten, die glattes, kontrastreiches Bildmaterial bevorzugen, sollten lieber bei bewährten Klassikern bleiben.

📷 Kamera – Analogfilm

📋 Technische Spezifikationen

✅ Vorteile (Pros)

  • Hervorragende Hauttöne, besonders bei Porträts – natürlich und schmeichelhaft, ohne künstliches Aussehen, praktisch unabhängig vom Filmformat
  • In 120er Format überraschend lebendig – kräftige, satte Farben und brillante Highlights machen die Arbeit mit Mittelformat-Kameras besonders befriedigend
  • Interessanter Charakter mit Vintage-Nostalgie – der körnige 35mm-Look erinnert an analoge Filme vergangener Jahrzehnte und eignet sich ideal für dokumentarische und Street-Photography
  • Einfacher zu scannen als seine Vorgänger NC500 und NC400 – bei modernen Scannern wie der Noritsu S1800 deutlich weniger Aufwand in der Nachbearbeitung
  • Preiswert – kein Premium-Preis, bleibt aber dabei nicht billig; bietet Qualität im Standard-Segment
  • Breite Verfügbarkeit unter verschiedenen Namen – wer auf den richtigen Namen stößt, findet den Film bei mehreren Anbietern
  • Robuster Film für Anfänger und Experimentalisten gleichermaßen – nicht kompliziert in der Entwicklung, verzeiht manche Fehler
  • Punchy-Farben in guten Lichtverhältnissen – bei Sonnenschein und hellen Bedingungen entwickelt der Film seine beste Seite mit echtem Punch

❌ Nachteile (Cons)

  • 35mm zeigt deutlich sichtbare Körnung – wer Clean und Smooth bevorzugt, sollte zum 120er Format greifen oder einen anderen Film wählen
  • Begrenzte Belichtungstoleranz, vor allem bei Unterbelichtung – falsche Belichtung wird schnell sichtbar, eine Überbelichtungs-Versicherung ist ratsam
  • Dunkle, gedämpfte Farbgebung in 35mm bei weniger idealen Lichtverhältnissen – das "dusky"-Feeling wirkt nicht immer intentional, sondern manchmal einfach nur dunkel
  • Schwache Highlights im 35mm-Format – sauberes Weiß zu erreichen ist schwierig, Berge und Schnee wirken eher grau als leuchtend weiß
  • Cyan-Grün-Farbstich beim Scannen – Standard-Scan zeigt einen grünen Farbstich, der Post-Processing erforderlich macht; Ergebnis hängt vom Labor und Scanner ab
  • Inkonsistenz zwischen Formaten – 120er und 35mm verhalten sich wie unterschiedliche Filme, große Überraschungen bei Formatwechsel möglich
  • Variable Ergebnisse je nach Labor und Scan-Verfahren – zwei identische Rollen können völlig unterschiedlich aussehen, je nachdem wo entwickelt und gescannt wird
  • Schwieriger zu beurteilen als Standard-Filme – wer exakte Ergebnisse erwartet, wird frustriert; der Film braucht Experimentieren und Verständnis
  • 120er Format nur über Optik Oldschool erhältlich – weniger Flexibilität bei der Beschaffung, möglicherweise höhere Kosten
  • Rote und Grüne wirken gedämpfter als erwartet – trotz Erwartungen poppen diese Farben nicht besonders, enttäuscht auf den ersten Blick

Titelbild: Foto von Annie Spratt auf Unsplash