Kodak im Aufwind Wie das Analog-Comeback die DACH-Region erobert
Foto von Yuri Krupenin auf Unsplash

Kodak im Aufwind: Wie das Analog-Comeback die DACH-Region erobert

Die Renaissance des Analogen: Kodaks triumphale Rückkehr

Die Eastman Kodak Company hat im zweiten Quartal 2026 eine beeindruckende finanzielle Kehrtwende vollzogen, die in der modernen Technologie- und Wirtschaftsgeschichte ihresgleichen sucht. Mit einem ausgewiesenen Umsatz von 311 Millionen US-Dollar und einem Nettoüberschuss von 17 Millionen US-Dollar – im krassen Gegensatz zu dem schmerzhaften Verlust von 26 Millionen US-Dollar im gleichen Zeitraum des Vorjahres – verzeichnet das Traditionsunternehmen nun das vierte profitable Quartal in Folge. Der unbestrittene Motor hinter dieser bemerkenswerten Erholung ist die Sparte für Film und Spezialchemikalien, die ein phänomenales Wachstum von 40 Prozent hinlegte. Diese Zahlen verdeutlichen auf eindrucksvolle Weise, dass das totgesagte Medium Film längst den Status einer nostalgischen Nische verlassen hat. Es hat sich zu einem hochgradig profitablen, stabilen und zukunftsträchtigen Umsatzträger entwickelt, der die gesamte Fotografie-Branche nachhaltig beeinflusst.

Historischer Kontext: Vom Beinahe-Bankrott zur Marktbeherrschung

Um die historische Dimension dieser Entwicklung vollends zu erfassen, muss man fast anderthalb Jahrzehnte zurückblicken. Im Jahr 2012 schlitterte Kodak in die Insolvenz nach Chapter 11 – ein Ereignis, das von vielen Marktanalysten als der endgültige Todesstoß für die analoge Fotografie gewertet wurde. Während Mitbewerber wie Fujifilm sich in der Folgezeit radikal diversifizierten, in die Pharmaindustrie investierten und ihre Filmproduktion sukzessive zurückfuhren (was zur Einstellung legendärer Emulsionen wie dem Pro 400H führte), hielt Kodak an seinen riesigen Produktionsstraßen im Werk in Rochester, New York, fest. Diese Beharrlichkeit zahlt sich heute aus. Während Fujifilm-Filme im DACH-Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) oft monatelang vergriffen sind und astronomische Preise erzielen, hat Kodak seine Lieferketten stabilisiert. Die aktuelle Profitabilität zeigt, dass die Skaleneffekte in Rochester wieder greifen. Die Effizienz der Produktion wurde trotz massiv gestiegener Rohstoffpreise für Silber und Gelatine optimiert, was Kodak eine unangefochtene Vormachtstellung im weltweiten Analogmarkt sichert.

Praktische Anwendung: Wer profitiert vom neuen analogen Zeitalter?

Der anhaltende Boom des Kodak-Portfolios wird von einer diversifizierten Zielgruppe getragen, bei der professionelle Anwender zunehmend die Führung übernehmen. In der Hochzeits- und Porträtfotografie hat sich der analoge Look zu einem exklusiven Premium-Feature entwickelt. Fotografen in Deutschland und Österreich setzen verstärkt auf Kodak Portra 160 und Portra 400. Die unnachahmliche Wiedergabe von Hauttönen, der weiche Kontrast und der enorme Belichtungsspielraum dieser Filme bieten eine Ästhetik, die digital nur durch extrem zeitaufwendiges Post-Processing imitiert werden kann. Auch in der Street- und Dokumentarfotografie erlebt der Schwarz-Weiß-Klassiker Kodak Tri-X 400 eine Renaissance. Die bewusste Entschleunigung, die Limitierung auf 36 Aufnahmen pro Rolle und die physische Haptik mechanischer Kameras zwingen Fotografen dazu, bewusster zu komponieren. Für Fine-Art- und Landschaftsfotografen bleibt der Kodak Ektar 100 mit seiner ultrafeinen Körnung und extremen Farbsättigung die absolute Referenz für großformatige, detailreiche Abzüge.

Der DACH-Markt: Preise, Verfügbarkeit und die Labor-Infrastruktur

Für die Fotografie-Szene in Deutschland und Österreich hat dieser Aufwärtstrend ganz konkrete, spürbare Konsequenzen. Jahrelang litten Händler in Metropolen wie Berlin, Hamburg, Wien und Graz unter akuten Lieferengpässen. Spezialisierte Fachhändler wie Fotoimpex in Berlin oder das Wiener Traditionsunternehmen Lomography mussten Abgabebeschränkungen einführen, um Hamsterkäufe zu verhindern. Durch Kodaks gesteigerte Produktionskapazitäten entspannt sich die Liefersituation nun spürbar. Dennoch bleibt die Preisgestaltung ein sensibles Thema für viele Kreative. Die Inflation und die gestiegenen Silberpreise haben die Preise für eine Rolle Portra 400 im Fünferpack auf ein historisches Hoch getrieben. Wer heute in der DACH-Region analog fotografiert, muss präzise kalkulieren: Eine einzelne Aufnahme auf Kleinbild oder Mittelformat inklusive professioneller Entwicklung und hochauflösendem Scan kostet mittlerweile zwischen 1,50 und 2,50 Euro. Dieser Kostendruck hat jedoch zu einer qualitativen Aufwertung der Fotografie geführt: Es wird nicht mehr wahllos geknipst, sondern jedes Bild wird sorgfältig geplant. Parallel dazu boomt die Infrastruktur der Profilabore. Dienstleister wie MeinFilmLab in Deutschland oder Cyberlab in Wien investieren wieder in High-End-Scanner von Noritsu und Fujifilm, um das Maximum an Dynamikumfang aus den modernen Kodak-Emulsionen herauszuholen. Auch das Heimlabor erlebt durch die Verfügbarkeit von Kodak-Spezialchemikalien und Entwicklungsmaschinen von Herstellern wie JOBO eine massive Demokratisierung unter jüngeren Fotografen.

Fazit: Eine Zukunft auf Silberhalogenid-Basis

Die jüngsten Quartalszahlen von Kodak sind kein temporärer Hype, der durch Social-Media-Trends auf TikTok oder Instagram befeuert wird. Sie sind das Fundament eines konsolidierten, reifen und anspruchsvollen Marktes. Für Fotografen in Deutschland und Österreich bedeutet dieser Erfolg vor allem eines: Planungssicherheit. Das Schreckgespenst, dass ikonische Emulsionen wie der Tri-X oder der Portra über Nacht eingestellt werden könnten, ist auf Jahre hinaus gebannt. Kodak hat eindrucksvoll bewiesen, dass sich technologische Tradition und wirtschaftlicher Erfolg im digitalen Zeitalter nicht ausschließen müssen, sondern sich gegenseitig befruchten können.


Informationen für diesen Artikel basieren auf Berichten von fstoppers.com.

Titelbild: Foto von Yuri Krupenin auf Unsplash