Tamron 35-100mm f28 Di III im Test Das perfekte Portrait-Zoom für Nikon Z und Sony
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Tamron 35-100mm f/2.8 Di III im Test: Das perfekte Portrait-Zoom für Nikon Z und Sony?

Das Tamron 35-100mm f/2.8 Di III VXD ist eine interessante Antwort auf eine Frage, die sich viele Fotografen stellen: Brauche ich wirklich ein klassisches 24-70er oder 28-75er Zoom, oder reicht mir ein spezialisiertes Porträt-Zoom, das gezielt im mittleren bis kurzen Telebereich arbeitet? Tamron positioniert dieses Objektiv bewusst als Porträt-Spezialist, lässt es aber auch in Bereichen wie Hochzeitsfotografie, Kunstfotografie und Travel-Reportage einsetzbar sein.

Was beim ersten Auspacken überrascht: Die Kompaktheit. Mit nur 571 Gramm und Abmessungen von 81 x 122mm (ohne Gegenlichtblende) ist dieses f/2.8 Zoom deutlich handlicher als viele Alternativen. Zum Vergleich: Das ältere Tamron 35-150mm f/2-2.8 Di III wiegt 710 Gramm und ist größer, kostet aber auch etwa 1.300 Euro. Das neue 35-100er Modell schlägt mit knapp 930 Euro zu Buche und ist damit nur marginal teurer als das beliebte Tamron 28-75mm f/2.8 G2 (rund 700 Euro). Diese Positionierung macht es interessant für fotografische Profis, die zielgerichtet arbeiten möchten, ohne auf die Lichtstärke verzichten zu wollen.

Die Verarbeitung wirkt hochwertig. Das Objektiv ist vollständig wetterfest mit Gummiabdichtung am Bajonett und durchdachtem Sealing in der gesamten Konstruktion – nur die Fluorverbeschichtung auf der Frontlinse fehlt, die teurere Konkurrenzmodelle bieten. Dafür erhält man VXD-Autofokus (Voice-Coil-Antrieb), einen dedizierten Fokusring an der Vorderseite, eine konfigurierbare Funktionsschaltfläche und -schalter mit drei Positionen. Diese Funktionalität lässt sich über Tamrons Lens Utility (TLU) und die USB-C-Schnittstelle des Objektivs anpassen – ein modernes Feature, das insbesondere Video-Fotografen schätzen werden.

Im direkten Vergleich zum klassischen 28-75mm Zoom zeigt sich der Unterschied sehr deutlich: Das 35-100er verzichtet auf die extra 7mm Weitwinkelabdeckung, konzentriert sich dafür auf den 100mm-Telebereich. Das ist bewusste Spezialisierung statt Kompromisssuche. Wer häufig im Studio oder bei Portraitsessions arbeitet, wird diese Gewichtung lieben. Landschaftsfotografen oder Architekturfotografen könnten sich dagegen nach dem breiteren Blickfeld des 28-75ers sehnen.

Die Lichtstärke von durchgehend f/2.8 über den gesamten Zoombereich ist in dieser Größenklasse ein echter Vorteil. Für verfallende Kirchen, schwach beleuchtete Museen oder Hochzeitsreportagen in gedecktem Licht macht sich dieser volle Blendenstufen-Vorteil gegenüber f/4-Zooms wie dem Nikon Z 24-120mm sofort bemerkbar. Die Schärfe bei Offenblende ist dabei ein entscheidender Faktor – und hier liefert das Tamron besonders im 35mm-Bereich sehr gute Ergebnisse, selbst bei hochauflösenden Sensoren wie der Nikon Z8 mit ihren 45 Megapixeln.

Auf dem deutschsprachigen Markt positioniert sich das Objektiv interessant. Während Tamron in Österreich und Deutschland traditionell gut verankert ist, konkurriert es hier mit etablierten Optionen wie dem Nikon Z 24-120mm f/4 S (etwa 1.000 Euro, allerdings lichtschwächer) oder dem Sony FE 24-105mm f/4 G (ebenfalls f/4, rund 1.200 Euro). Für Profis, die ein zweites oder drittes Zoom suchen und gezielt investieren möchten, stellt sich die Frage: Ist das spezialisierte 35-100er sinnvoller als das universellere 28-75mm? Die Antwort hängt vom eigenen Workflow ab.

In der Praxis zeigt sich das Handling insgesamt vorteilhaft. Der Zoomring ist ausreichend straff und verfügt über eine griffige 20mm breite Gummifläche. Der 64-Grad-Zoomwurf ermöglicht schnelle Brennweitenwechsel, ohne dabei zu lockern (minimal Zoomcreep ist vorhanden, aber unkritisch). Der fokusring an der Vorderseite mit variabler Getriebeabstufung ermöglicht sehr präzises manuelles Fokussieren – praktisch, wenn der AF einmal unsicher sein sollte.

Die AF-Geschwindigkeit ist solide: Von Unendlich auf 1,11m Entfernung bei 100mm benötigt das Objektiv etwa 0,3 Sekunden auf der Nikon Z8. Das ist schnell genug, wirkt aber nicht überragend schnell im Vergleich zu den besten VXD-Exemplaren. Interessant ist die Nahschärfeleistung: 0,21m Mindestfokussabstand bei 35mm mit 1:3,1 Abbildungsmaßstab, bei 100mm erreicht man 1:10 bei 1,11m Entfernung. Das ermöglicht kreative Close-up-Effekte, besonders bei Portraitsessions mit Details wie Trauringen oder Schmuck.

Für Videografen dürfte interessant sein, dass AF und Zoom bei interner Mikrofonaufnahme bemerkenswert leise arbeiten. Das ist besonders bei Interview-Situationen ein echter Vorteil. Focus Breathing (Vergrößerungsverstärkung beim Fokuspull) ist minimal – nur 2,3% bei 100mm, praktisch unmerklich bei 35mm.

Samuel Weiland hat dieses Objektiv intensiv auf einer Nikon Z8 getestet, dabei sogar Pixel-Shift-Aufnahmen gemacht, die die Schärfe auf 180 Megapixel Äquivalent prüfen. Die Ergebnisse sind beeindruckend bei 35mm, zeigen aber auch die typischen Schwachstellen eines zoom-Kompromisses. Wer ein hochspezialisiertes, kompaktes f/2.8 Zoom sucht und dabei bewusst auf die extra Weitwinkelabdeckung verzichtet, findet hier ein ernsthaftes Werkzeug.

📷 Objektiv

📋 Technische Spezifikationen

📸 Hauptkamera
Brennweite: 35-100mm, Lichtstärke: durchgehend f/2.8, Optik: 15 Elemente in 13 Gruppen (3 ED-Elemente, 3 asphärische Elemente)
🌄 Ultraweitwinkel
N/A
🔭 Teleobjektiv
100mm Telebereich mit 1:10 Abbildungsmaßstab bei 1,11m Mindestfokussabstand
🤳 Frontkamera
N/A
🎥 Video
VXD-Autofokus mit niedriger Betriebslautstärke, stufenlos verstellbare Fokusring-Getriebeabstufung, konfigurierbare Funktionstasten über TLU
⚙️ Weitere Details
Gewicht: 571g (+ 35g Gegenlichtblende), Filtergewinde: 67mm, Vollständige Wetterfestung mit Gummiabdichtung, USB-C für Firmware-Updates und Konfiguration, Fokusring an der Vorderseite (19mm breit), Zoomwurf: 64 Grad, Zoombuchse auf 18mm bei 100mm, Nikon Z-Mount und Sony E-Mount Versionen, Naheinstellgrenze: 0,21m bei 35mm (1:3,1), 0,62m bei 100mm (1:5,1)

✅ Vorteile (Pros)

  • Herausragende Schärfe im 35mm-Bereich selbst bei Offenblende – auch bei 180MP Pixel-Shift-Aufnahmen bleibt die Abbildungsqualität sehr gut, ideal für scharfe Portraitaufnahmen
  • Durchgehend f/2.8 über den gesamten Zoombereich bietet signifikante Lichtstärke-Vorteile gegenüber f/4-Zooms, gerade bei Available-Light-Fotografie in Kirchen oder schwach beleuchteten Innenräumen
  • Kompakte und leichte Konstruktion mit nur 571g macht das Objektiv ideal für mehrstündige Hochzeitsshootings oder Travel-Fotografie, wo jedes Gramm zählt
  • Dedizierter Fokusring an der Vorderseite mit variabler Getriebeabstufung ermöglicht sehr präzises manuelles Fokussieren bei grellem Gegenlicht oder kritischen Fokussituationen
  • Vollständige Wetterfestung mit robustem Sealing macht es zurecht als Allwetter-Objektiv einsatzbar, auch beim Arbeiten unter schwierigen Bedingungen
  • Spezialisierte Brennweitenwahl (35-100mm) erlaubt bewusste fotografische Arbeit ohne Ablenkung, wer diese Range braucht, bekommt genau das, was er möchte
  • Konfigurierbare Funktionstasten und USB-C-Schnittstelle mit TLU-Software bieten moderne Flexibilität für individuelle Workflows, besonders wertvoll für Video-Fotografen
  • Minimales Focus Breathing (2,3% bei 100mm) macht das Objektiv auch für professionelle Videoproduktion interessant, ohne Zittern bei Fokuspulls
  • Neuer VXD-Autofokus arbeitet geräuschlos und schnell genug (ca. 0,3 Sek. Unendlich-Nahbereich), dabei stabil und verlässlich bei Portraitarbeit

❌ Nachteile (Cons)

  • Inkonsistente Autofokus-Präzision beim Zoom-Ende (93,3% Wiederholgenauigkeit) führt zu gelegentlichen Fokusabweichungen bei langen Teleaufnahmen – bei kritischen Shootings ärgerlich
  • Merkbare longitudinale Chromatische Aberration bei f/2.8 Offenblende könnte in der Nachbearbeitung zu zusätzlicher Arbeit führen, besonders bei hochauflösenden Sensoren sichtbar
  • Weiches Rendering bei Nahaufnahmen im 35mm-Bereich außerhalb der Bildmitte – wer viel Close-ups mit offenen Blenden macht, wird Abstriche bemerken
  • Fehlende Fluorverbeschichtung auf der Frontlinse ist im Vergleich zu Premium-Konkurrenz ein Nachteil für Wassertropfen-Abperlbarkeit und einfachere Reinigung
  • Brennweitenbereich von 35-100mm ist spezialisiert und nicht für alle fotografischen Aufgaben geeignet – wer häufig breiter arbeitet, wird sich das 28-75mm wünschen
  • Preis von knapp 930 Euro positioniert sich im Premium-Segment, für Universal-Zoomer könnte das Tamron 28-75mm f/2.8 G2 mit 700 Euro besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bieten
  • Minimales Zoom-Creep ist vorhanden – bei Schulterstützen oder beim Tragen ohne Gegenlichtblende kann sich der Zoom leicht verstellen
  • Längere Fokusring-Entfernungen bei 35mm bedeuten, dass Fokuspulls beim Video langsamer wirken können als bei kürzeren Brennweiten

Titelbild: Foto von Patrick auf Unsplash