Thypoch Voyager 24-50mm f/2.8: Das erste AF-Zoom der Chinesen überzeugt mit Kompaktheit und Preis – dafür sind Fokus-Tempo und 50mm-Qualität bei Offenblende die Schwachstellen.

Thypoch Voyager 24-50mm f/2.8 im Test: Das erste AF-Zoom der Chinesen – Schnäppchen oder Kompromiss?

Thypoch hat sich lange Zeit einen Namen als Spezialist für hochwertige manuelle M-Mount-Objektive gemacht. Jetzt wagt das chinesische Unternehmen einen überraschenden Schritt: Mit der Voyager 24-50mm f/2.8 präsentiert Thypoch nicht nur sein erstes Autofokus-Objektiv, sondern gleich sein erstes Zoomobjektiv überhaupt. Das allein verdient Aufmerksamkeit – denn während andere chinesische Hersteller wie Sirui und Viltrox bereits hochwertige AF-Objektive im Programm haben, waren es bislang meist Festbrennweiten. Ein Zoom von einem Spezialisten für manuelle Optik ist etwas grundlegend anderes.

Die Voyager erscheint zum Preis von knapp 650 Euro – und das ist der erste große Unterschied zur etablierten Konkurrenz. Sonys eigenes FE 24-50mm f/2.8 G kostet das Doppelte, kostet also nahezu 1.300 Euro. Das ist eine gewaltige Preisdifferenz, die man nicht ignorieren kann. Für Sony-E-Mount-Nutzer, die auf der Suche nach einem kompakten, lichtstarken Reisezoom sind, stellt sich damit sofort die Frage: Lohnt sich die Investition in die günstigere Alternative von Thypoch wirklich, oder zahlt man bei Sony einfach für größere optische Perfektion?

Was beim ersten Auspacken überrascht, ist die kompakte Bauweise und das hochwertige Handling. Mit nur 450 Gramm und einer Länge, die deutlich unter typischen 24-50mm-Zooms liegt, fühlt sich die Voyager tatsächlich wie eine Reiseoptik an – leicht genug für lange Wanderungen, robust genug für anspruchsvolle Bedingungen. Das Gehäuse wirkt wertig verarbeitet, die Zoom- und Blendenringe haben jene feinen Texturen, die man von Laowa-Objektiven kennt. Die goldene Gravur auf dem Bajonett verleiht der Voyager zudem einen Hauch Exklusivität, der bei dieser Preisklasse durchaus überrascht.

Das innenliegende Zoomsystem trägt nicht nur zur kompakten Bauweise bei – es schützt auch vor Staub und Verschmutzung, was vor allem Vielreisende und Outdoorfotografen schätzen werden. Der USB-C-Anschluss im Bajonett ermöglicht Firmware-Updates und weitere Anpassungen, was Thypoch zeigt, dass man langfristig an diesem Produkt arbeiten will. Die Wetterdichtung ist ebenfalls beachtlich für diese Preisklasse – Spritzwasser und leichte Verschmutzung sollten kein Problem darstellen.

Im Praxiseinsatz zeigt sich allerdings: Die Voyager ist eher für entspannte Fotografie konzipiert, nicht für Schnellschüsse. Das Autofokus-System arbeitet mit einem Schrittmotor und ist damit zwar geräuschlos und sanft, aber deutlich langsamer als bei Premium-Objektiven von Sony oder Tamron. Wer plant, damit Hochzeitsfotografie zu betreiben oder schnelle Action festzuhalten, sollte sich das gut überlegen. Für Reisefotografie, Dokumentation, Videodreh oder entspannte Landschaftsfotografie ist die Fokusgeschwindigkeit jedoch völlig ausreichend.

Die optische Qualität entwickelt sich dabei differenziert nach Brennweite und Blende. Bei 24mm und Offenblende zeigt die Voyager bereits beeindruckende Schärfe in der Bildmitte – hier liefert sie wirklich hochwertige Ergebnisse. Die Ecken sind mit etwas Abbau zu rechnen, was typisch ist für große Zoom-Bereiche. Stoppt man auf f/5.6 ab, verschwindet der Qualitätsverlust in den Ecken praktisch vollständig.

Bei 50mm wird es kritischer. Hier zeigt sich bei Offenblende ein merklicher Kontrast- und Detailverlust besonders in den Bildecken – das ist die schwächste Stelle der Voyager. Zoomt man optisch zur Telebrennung, sollte man daher mit f/5.6 als Mindestblende rechnen, um maximale Bildqualität zu erhalten. Das ist nicht dramatisch, aber es ist eine wichtige Einschränkung für alle, die von einem lichstarken Zoom f/2.8 maximale Flexibilität erwarten.

Besonders interessant ist die Videoeignung dieser Voyager. Während Thypoch in der Vermarktung nicht großes Aufhebens darum macht, eignet sich die Optik hervorragend für Video: Das interne Zoomsystem sorgt für optimale Balance auf Gimbals, das Fokusatmen ist praktisch nicht vorhanden – die Brennweite ändert sich also nicht beim Fokussieren. Das ist für Videofilmer enorm wertvoll. Nur die fehlbare Blendenverstellung ist ein kleiner Nachteil für professionelle Videoproduktion.

Auf dem deutschsprachigen Markt ist die Voyager ein interessantes Angebot für alle, die ihre Sony-Systeme mit einem kompakten, universellen Zoom erweitern möchten – ob für Reisen, YouTube-Content, Hochzeiten oder Familie. Sie ist kein Hochleistungszoom wie die Sony GM-Serie, aber sie bietet ein unglaublich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis für die bescheidenen Ansprüche an Kompaktheit und Gewicht.

📷 Objektiv

📋 Technische Spezifikationen

✅ Vorteile (Pros)

  • Extraordinär kompakt und leicht für diese Brennweite und Lichtstärke – mit 450g auch über Stunden angenehm am Hals zu tragen, was bei Reisefotografie einen echten Unterschied macht
  • Preis-Leistungs-Verhältnis ohne Konkurrenz – gut 650€ statt 1.300€ für das Sony-Äquivalent ist ein bewusster Kompromiss wert
  • Hochwertige Verarbeitung und Haptik mit texturen Ringen, die präzise Kontrolle bieten und sich wertig anfühlen
  • Internes Zoomsystem schützt effektiv vor Staub und Umwelteinflüssen – ideal für anspruchsvolle Einsätze
  • Ausgezeichnet für Videowork: Praktisch kein Fokusatmen, exzellente Gimbal-Balance, leiser AF-Motor für saubere Tonaufnahmen
  • Sehr gute Kontrastleistung und Beschichtung mit minimaler Ghosting-Anfälligkeit – selbst bei Gegenlicht kontrollierte Lichteffekte
  • Bei 24mm beeindruckende Schärfe in der Bildmitte bereits bei Offenblende – hervorragend für Available-Light-Fotografie
  • USB-C-Anschluss für künftige Firmware-Updates zeigt Langzeitcommitment des Herstellers

❌ Nachteile (Cons)

  • Autofokus arbeitet spürbar langsamer als Premium-Konkurrenz – nicht geeignet für Action-, Sport- oder schnelle Hochzeitsfotografie
  • Bei 50mm und Offenblende deutlicher Qualitätsverlust in den Bildecken mit Kontrastabriss – für scharfe Tele-Aufnahmen mindestens f/5.6 erforderlich
  • Makro-Capabilities sind schwach mit nur 1:5-Vergrößerung – deutlich hinter dem Sony-Original zurück
  • Bokeh-Rendering wirkt stellenweise hart und etwas distanzierend statt smooth – Geschmackssache, aber merklicher Unterschied zu teureren Alternativen
  • Keine Blendenverstellung für Video möglich – Nachteil für professionelle Filmproduktion mit manueller Belichtungskontrolle
  • 24-50mm-Brennweite ist nicht ideal für alle Fotografen – zwischen Ultra-Weitwinkel und echtem Tele liegt eine Lücke