Tamron 17-70mm F28 Das Universalobjektiv für Z und RF

Tamron 17-70mm F2.8: Das Universalobjektiv für Z und RF

Tamrons neues Universalobjektiv erobert Canon RF und Nikon Z

Tamron hat offiziell angekündigt, dass sein bewährtes 17-70mm F2.8 Di III-A VC RXD nun auch für die APS-C Spiegellosen von Canon (RF-Mount) und Nikon (Z-Mount) verfügbar ist. Das Objektiv wird ab dem 2. Juli 2024 zu einem Preis von 749 USD respektive etwa 799 Euro im deutschsprachigen Raum erhältlich sein. Mit einer Brennweitenverlängerung von 26-105mm (Nikon Z) beziehungsweise 28-112mm (Canon RF) in Vollformat-Äquivalent bietet das Objektiv Fotografen ein beispielloses Preis-Leistungs-Verhältnis in dieser Kategorie.

Historischer Kontext: Wie Tamron die APS-C-Strategie neu definiert

Um die strategische Bedeutung dieser Ankündigung vollständig zu verstehen, muss man in die Entwicklung des APS-C-Marktes der letzten fünf Jahre schauen. Als Sony die E-Mount Version des 17-70mm F2.8 2020 einführte, füllte Tamron eine eklatante Marktlücke aus. Während Canon und Nikon mit ihren APS-C Systemen lange Zeit eher als "kleinere Schwester" der Vollformat-Kameras behandelt wurden, haben beide Hersteller inzwischen erkannt, dass APS-C-Nutzer professionelle Anforderungen haben.

Nikon selbst bot mit dem 16-50mm F2.8 eine solide Alternative, allerdings mit einem deutlich kleineren Zoombereich (26-75mm Äquivalent). Canon RF-Nutzer waren auf das Sigma 18-50mm F2.8 angewiesen – ein ausgezeichnetes Objektiv, aber wiederum nicht mit jenem erweiterten Zoombereich, der das Tamron auszeichnet. Die fehlende Option, die sowohl einen großen Zoombereich als auch eine konstante F2.8-Blende bot, führte zu komplizierten Kompromissen für Reisefotografen und Content Creator.

Der Markt hat sich seit 2020 dramatisch verändert. Die APS-C-Spiegellosen von Nikon (Z50-Serie) und Canon (M50 Mark II und neuer) sind nicht länger Budget-Alternativen – sie sind vollwertige professionelle Systeme, die von vielen Fotografen als primäre Kameras eingesetzt werden. Insbesondere der Aufstieg der Canon EOS R7 und R8 hat gezeigt, dass APS-C nicht nur für Hobbyisten relevant ist.

Technische Analyse: Wo das Tamron seine Stärken ausspielt

Das 17-70mm F2.8 verfügt über 16 Linsen in 12 Gruppen, inklusive einer asphärischen und zwei glas-gegossenen asphärischen Elementen. Die konstante F2.8-Blende über den gesamten Zoombereich ist technisch anspruchsvoll umzusetzen – dies erfordert ein sorgfältig ausgeklügeltes Linsendesign und erklärt das Gewicht von etwa 530 Gramm.

Ein kritischer Unterschied zwischen den Versionen liegt bei der Canon RF-Version: Sie bietet physikalische Schalter zum Aktivieren/Deaktivieren der Bildstabilisierung (VC) sowie zur Umschaltung zwischen Auto- und Manuellmodus. Dies ist eine Besonderheit, die bei der Sony- und Nikon-Version nicht vorhanden ist. Für professionelle Video-Producer bedeutet dies schnellere Anpassungen ohne Menü-Navigation.

Die Naheinstelldistanz von nur 19 Zentimetern im Weitwinkelbereich macht dieses Objektiv zu einer interessanten Option für Makro-Enthusiasten und Street-Fotografen, die Details aus nächster Nähe erfassen möchten. Die maximale Abbildungsleistung von 0,21x ist zwar nicht im klassischen Makro-Bereich, aber für ein Universalobjektiv beachtlich.

Praktische Anwendungsszenarien für deutschsprachige Fotografen

Travel- und Reisefotografie: Der Zoombereich von 17-70mm ist die klassische "Geh-überall-hin"-Brennweite. Für Fotografen, die Europa bereisen, bedeutet eine einzige Linse weniger Gewicht im Rucksack. Das Tamron wiegt mit seinen 530 Gramm nicht mehr als eine Festbrennweite mittlerer Länge – ein entscheidender Vorteil für mehrtägige Trips.

Urban Photography und Street: Die 17mm Weitwinkel kombiniert mit der näher werdenden Fokussierungsmöglichkeit macht es zu einem idealen Begleiter für Straßenfotografen in Berlin, Wien oder Zürich. Die konstante F2.8-Blende sichert auch bei bewölktem Wetter ausreichend Lichtstärke.

Content Creation und Video: YouTuber und Social-Media-Creator, die mit Nikon Z oder Canon RF arbeiten, profitieren von der unterdrückten Fokussieratmung und dem ruhigen Autofokus-System. Für TikTok und Reel-Produktion ist das Objektiv praktisch ideal dimensioniert.

Hybrid-Fotografie: Viele Profis verwenden mittlerweile APS-C-Kameras als Sekundärsystem. Das Tamron ermöglicht es ihnen, mit minimalem Gear-Overhead flexibel zu arbeiten – sei es als Backup beim kommerziellen Shooting oder als eigenständiges Travel-Kit.

Optische Charakteristiken und dokumentierte Schwächen

Die ursprüngliche DPReview-Bewertung der Sony E-Mount Version vermerkte drei Problembereiche: leichte Verzeichnung, Zwiebel-förmiges Bokeh und longitudinale chromatische Aberration. Diese sind bei digitaler Nachbearbeitung teilweise korrigierbar, beeinträchtigen aber die "Out-of-Camera"-Qualität.

Die Verzeichnung ist typisch für Ultrazoom-Objektive und wird durch professionelle RAW-Verarbeitung in Lightroom oder Capture One kompensiert. Das Zwiebel-Bokeh – jenes charakteristische konzentrische Muster in Unschärfe-Bereichen – tritt primär bei mittleren Fokus-Distanzen auf und ist für viele Nutzer völlig akzeptabel. Die chromatische Aberration ist heutzutage das am einfachsten zu korrigierende Problem durch Software-Profile.

Marktpositionierung im DACH-Raum

Deutschland, Österreich und die Schweiz haben eine starke Fotografie-Community mit hohen Qualitätsansprüchen. Das Tamron positioniert sich als Premium-Budget-Lösung – es kostet etwa 150 Euro weniger als spezialisierte Zoom-Objektive, bietet aber die Vielseitigkeit, die Enthusiasten und Semi-Profis suchen.

Die Verfügbarkeit in Deutschland sollte über etablierte Kanäle wie Calumet, Fotografie-Versender und die B&H Photo (mit europaweitem Versand) erfolgen. Lokale Fachhändler in Berlin, München und Wien werden das Objektiv voraussichtlich im Juli 2024 im Sortiment aufnehmen.

Die Preispositionierung von etwa 799 Euro ist strategisch klug: Sie liegt unter dem Nikon Z 16-50mm F2.8 (wenn es je als optionales Nicht-Kit-Linse verkauft wird) und bietet deutlich mehr Zoombereich als Canons native RF-Optionen in dieser Preisklasse.

Zukunftsaussichten und Implikationen

Diese Ankündigung signalisiert mehrere wichtige Markttrends: Erstens erkennen Dritthersteller, dass APS-C kein Nischen-Format mehr ist. Zweitens bevorzugen Nutzer der modernen spiegellosen APS-C-Systeme Vielseitigkeit vor Spezialisierung. Drittens wird der klassische Kit-Lens-Ansatz zunehmend durch enthusiasten-freundliche, fast-Professional-grade-Objektive ersetzt.

Für Nikon Z und Canon RF System-Nutzer markiert dieses Objektiv einen Wendepunkt: Sie haben nun eine echte Alternative zu Sony-Lösungen und müssen sich nicht länger als Systemkunden zweiter Klasse fühlen. Das Tamron 17-70mm F2.8 ist das Bekenntnis eines großen Optik-Herstellers zu diesen wachsenden Plattformen.

Das Objektiv wird voraussichtlich schnell zur Bestseller-Linse für Nikon Z und Canon RF APS-C-Systeme. Für Fotografen im deutschsprachigen Raum, die nach einem zuverlässigen Universalobjektiv suchen, ist es definitiv eine Evaluation wert – der Preis-Leistungs-Quotient ist überzeugend, und die technischen Kompromisse sind minimal.


Informationen für diesen Artikel basieren auf Berichten von www.dpreview.com.