Sensation im Weitwinkel-Segment: Tamron bringt das 12-20mm F2.8 für Sony E und Nikon Z
Tamron hat offiziell ein neues, hochinteressantes Objektiv für spiegellose Systemkameras angekündigt: das Tamron 12-20mm F2.8. Mit dieser lichtstarken Ultraweitwinkel-Optik bedient der japanische Dritthersteller die Bajonette Sony E und Nikon Z. Das Objektiv zeichnet sich besonders dadurch aus, dass es im Vergleich zu direkten Konkurrenten auf dem Nikon-Z-System einen deutlich weitwinkligeren Bildwinkel bietet, während es im Sony-E-System durch seine extrem kompakten Abmessungen und sein geringes Gewicht besticht. Erste Praxistests vor der offiziellen Markteinführung zeigen bereits das enorme Potenzial dieses Weitwinkelzooms, das sich nahtlos in die Riege moderner, mobiler Optiken einreiht und sowohl Foto- als auch Videografen gleichermaßen ansprechen soll.
Die Evolution des APS-C-Weitwinkels: Ein historischer Kontext
Um die Bedeutung des Tamron 12-20mm F2.8 zu verstehen, muss man einen Blick auf die Entwicklung des APS-C- bzw. DX-Formats werfen. Jahrelang vernachlässigten die großen Kamerahersteller das Segment der lichtstarken Weitwinkel-Objektive für kleinere Sensoren. Wer eine durchgehende Blende von F2.8 suchte, musste oft auf schwere Vollformat-Objektive ausweichen oder klobige DSLR-Konstruktionen per Adapter nutzen. Sony bot zwar mit dem E 10-18mm F4 einen Klassiker an, dieser war jedoch mit einer Lichtstärke von F4 für viele Low-Light-Szenarien zu schwach. Erst in jüngster Zeit kam Bewegung in den Markt, unter anderem durch Sonys eigenes E 10-20mm F4 G PZ, das zwar ultrakompakt ist, aber ebenfalls nur Blende 4 bietet. Im Nikon-Z-System sah es für DX-Fotografen noch düsterer aus: Das Nikkor Z DX 12-28mm f/3.5-5.6 PZ VR ist zwar ein hervorragendes, leichtes Zoomobjektiv, scheitert aber bei anspruchsvollen Lichtverhältnissen komplett. Hier stößt das Tamron 12-20mm F2.8 in eine klaffende Marktlücke. Es kombiniert die professionelle Lichtstärke von F2.8 mit einem Brennweitenbereich, der umgerechnet auf das Kleinbildformat etwa 18-30mm entspricht – dem absoluten Sweetspot für Reportage und Weitwinkel-Fotografie.
Technische Finesse und optische Konstruktion
In puncto optischer Konstruktion setzt Tamron traditionell auf hochwertige Glaselemente wie LD (Low Dispersion) und GM (Glass Molded Aspherical), um chromatische Aberrationen und Verzeichnungen zu minimieren. Dies ist besonders bei der extremen Weitwinkelbrennweite von 12mm entscheidend, wo Weitwinkelobjektive oft mit Randunschärfen und unschönen Farbsäumen zu kämpfen haben. Zudem ist der moderne RXD-Schrittmotor (Rapid eXtra-silent stepping Drive) verbaut, der für eine nahezu lautlose und extrem schnelle Fokussierung sorgt. Für Videografen ist dies ein unschätzbarer Vorteil, da störende Autofokusgeräusche somit nicht auf der Tonspur landen. Auch das Thema Wetterschutz spielt im rauen Klima der DACH-Region eine große Rolle: Eine spritzwassergeschützte Konstruktion und eine schmutzabweisende Fluor-Vergütung der Frontlinse schützen das Objektiv zuverlässig bei Regen, Staub und Schneefall in den Bergen.
Praxisanalyse: Für wen eignet sich das Tamron 12-20mm F2.8?
Für welche Anwendungsbereiche ist dieses Objektiv in der fotografischen Praxis prädestiniert? Drei Kernzielgruppen lassen sich klar definieren:
- Landschafts- und Astrofotografen: Wer in den österreichischen Alpen oder im bayerischen Voralpenland nachts den Sternenhimmel einfangen möchte, benötigt zwingend eine offene Blende von F2.8, um die ISO-Werte im rauscharmen Bereich zu halten. Dank des geringen Gewichts ist das Tamron zudem der ideale Begleiter auf mehrtägigen Wandertouren, bei denen jedes Gramm im Rucksack zählt.
- Vlogger und Content Creators: Auf YouTube und TikTok ist das Filmen aus der freien Hand (Selfie-Perspektive) Standard. Ein Brennweitenbereich ab 12mm erlaubt es, sich selbst und genügend Hintergrund scharf abzubilden, ohne dass der Arm ermüdet. Die konstante Lichtstärke von F2.8 sorgt zudem für eine harmonische Hintergrundunschärfe (Bokeh) und macht unabhängig von wechselnden Lichtverhältnissen in Innenräumen.
- Immobilien- und Architekturfotografen: In engen europäischen Altbauwohnungen zählt jeder Millimeter Brennweite. Das Tamron bildet Räume natürlich und weitläufig ab, ohne die extremen Verzerrungen eines Fisheye-Objektivs aufzuweisen.
Marktanalyse DACH-Region: Preis, Verfügbarkeit und Relevanz
Für den deutschsprachigen Markt (Deutschland, Österreich und die Schweiz) ist dieses Objektiv ein strategisch kluger Schachzug von Tamron. Der DACH-Markt gilt als extrem qualitätsbewusst, aber auch als preissensibel im Consumer-Bereich. Viele ambitionierte Amateure greifen bewusst zu APS-C-Kameras wie der Sony Alpha 6700 oder der Nikon Z50, um Gewicht und Kosten zu sparen. Das Tamron 12-20mm F2.8 schließt hier die qualitative Lücke zum Vollformat. Erwartet wird ein Einführungspreis im Bereich von 700 bis 850 Euro, was das Objektiv im Vergleich zu nativen Vollformat-Alternativen äußerst attraktiv macht. Große Fotofachhändler im deutschsprachigen Raum wie Calumet Photographic, Foto Koch, Foto Erhardt oder in Österreich Foto Sobotka und United Camera dürften das Objektiv direkt zum Verkaufsstart listen. Da Tamron in Deutschland und Österreich einen exzellenten Ruf für seinen Kundenservice und die optionale 5-Jahres-Garantie genießt, steht einem Markterfolg kaum etwas im Wege. Es ist davon auszugehen, dass dieses Zoomobjektiv schnell zu einem Standard-Werkzeug für reisende Fotografen in der DACH-Region avancieren wird.
Informationen für diesen Artikel basieren auf Berichten von www.dpreview.com.

