Viltrox EVO 75mm f18 und 90mm f22 im Test Zwei Porträt-Perlen für APS-C

Viltrox EVO 75mm f/1.8 und 90mm f/2.2 im Test: Zwei Porträt-Perlen für APS-C

Viltrox hat mit der EVO-Serie eine beeindruckende Reihe von preiswerten Festbrennweiten für APS-C-Sensoren geschaffen, und die neuesten beiden Ergänzungen – das 75mm f/1.8 und das 90mm f/2.2 – stellen eine besonders interessante Konstellation dar. Bei Preisen von rund 330€ für das 75er und 380€ für das 90er siedeln sich diese Objektive in einem Segment an, das für viele ambitionierte Fotografen im deutschsprachigen Raum endlich erreichbar ist – ohne dabei optische Kompromisse eingehen zu müssen.

Die beiden Linsen sind für Sony E-Mount, Nikon Z-Mount und Fujifilm X-Mount verfügbar, was sie besonders für das Fujifilm-Ökosystem interessant macht. Hier hat Viltrox tatsächlich eine spürbare Marktlücke gefüllt: Während Sony- und Nikon-Nutzer notgedrungen auf Vollformat-Objektive ausweichen können, waren Fujifilm-Fotografen lange Zeit auf die hauseigenen Optionen beschränkt. Das ändert sich nun deutlich zum Positiven.

Was beim ersten Auspacken auffällt: Beide Linsen wirken hochwertig verarbeitet, kompakt und handlich. Mit jeweils 320 Gramm und 58mm Filtergewinde sind sie praktische Begleiter, die sich auch nach mehrstündigen Shootings nicht belastend anfühlen. Die Wetterschutzdichtungen mit Gummidichtungen und der USB-C-Port für Firmware-Updates deuten darauf hin, dass Viltrox hier keine Kompromisse bei der Langzeitverlässlichkeit machen wollte. Das ist gerade in der DACH-Region, wo viele Fotografen auch bei weniger idealem Wetter arbeiten, ein wichtiges Merkmal.

Für Porträtfotografen ist die Kombination aus kompakter Bauweise und hellem Anfangsblende besonders reizvoll. Das 75mm bietet auf APS-C eine perspektivisch angenehme Brennweite für Kopfporträts und engere Bildausschnitte, während das 90mm eine stärkere Kompression mit sich bringt – ideal für jene, die ihre Motive lieber mit mehr Distanz arbeiten und dabei dennoch eng ausschneiden möchten.

Im Vergleich zur Konkurrenz fallen diese Preise auf: Fujifilms eigenes XF 90mm f/2 kostet etwa 50% mehr und wiegt deutlich schwerer. Für Canon EF-M gibt es praktisch kein Angebot in dieser Kategorie mehr, und im Sony-Bereich müssen ambitionierte APS-C-Fotografen traditionell zu deutlich teureren Tamron- oder Sony-Lösungen greifen. Die Viltrox-Objektive bieten hier ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das schwer zu ignorieren ist.

Zwei Dinge verdienen bereits vorweg Erwähnung: Die Blendenringe beider Linsen haben ein sehr angenehmes Klickverhalten, es gibt aber keine Option für einen entkuppelten, kontinuierlichen Modus – für Videofilmer eine spürbare Einschränkung. Zudem fehlt bei den Fujifilm-Versionen der Autofokus/Manuell-Fokus-Schalter und ein konfigurierbarer Button, den die Sony- und Nikon-Versionen bieten. Das ist schade, mindert aber nicht die Gesamtqualität dieser Objektive erheblich.

Die zentrale Frage lautet: Braucht ein Fotograf beide, oder reicht eine? Und wenn nur eine – welche? Nach intensivem Praxiseinsatz zeigt sich: Die optische Performance ist so ähnlich, dass die Entscheidung tatsächlich primär vom bevorzugten Bildausschnitt abhängt. Das ist gute Nachricht für Käufer, denn es bedeutet, dass man mit beiden Varianten richtig liegt.

📷 Objektiv

📋 Technische Spezifikationen

✅ Vorteile (Pros)

  • Außergewöhnliche Schärfe bereits bei Offenblende – selbst in den Bildecken zeigt sich beeindruckende Zeichnungsqualität, ideal für Available-Light-Porträts in Kirchen oder bei natürlichem Licht
  • Kompakte Bauweise und geringes Gewicht ermöglichen Alltags- und Hochzeitsfotografie über viele Stunden ohne Ermüdung – deutlich angenehmer als größere Konkurrenzmodelle
  • Hervorragende Bokeh-Qualität mit glattem, angenehmem Übergang zum Unschärfebereich – besonders beeindruckend das Verhalten bei Sonne im Rücken und der angenehme Katzenauge-Effekt bei offener Blende
  • Minimale longitudinale chromatische Aberration – ein Problem bei vielen schnellen Festbrennweiten, hier aber praktisch nicht vorhanden
  • Sehr gutes Flare- und Ghosting-Verhalten auch bei direkter Sonneneinstrahlung – moderne Multicoatings beweisen ihre Qualität
  • Außergewöhnliches Preis-Leistungs-Verhältnis: Für unter 400€ bekommt man Optiken, die qualitativ mit deutlich teureren Konkurrenzprodukten mithalten können
  • Wetterschutz mit Gummidichtungen und USB-C-Port für zukünftige Firmware-Updates zeigt Langfrist-Denken des Herstellers
  • Sanfter, präziser Autofokus mit Gesichts- und Augenerkennung – auch bei Videoaufnahmen unauffällig im Betrieb
  • Beide Brennweiten mit positiven Klickstops am Blendendring – präzise manuellen Belichtungseinstellungen und durchdachte Haptik
  • Fujifilm-Community profitiert endlich von echten modernen APS-C-Porträtobjektiven nach Jahren der Unterversorgung in diesem Segment

❌ Nachteile (Cons)

  • Keine Option für entkuppelten, kontinuierlich stufenlosen Blendendrin – für Videofilmer und Filmmacher ein spürbarer Nachteil bei der Belichtungssteuerung
  • Fujifilm-Versionen fehlt Autofokus/Manuell-Schalter und konfigurierbarer Button – Sony- und Nikon-Nutzer sind hier besser ausgestattet
  • Minimale Nahfokussierungsdistanz von 0,74m und Abbildungsmaßstab von nur 0,12x-0,14x – echte Makrofotografie ist ausgeschlossen, selbst Augenfüllende Close-ups sind nicht möglich
  • Der Unterschied zwischen 75mm und 90mm ist brennweitentechnisch marginal – wer den längeren Brennpunkt nicht zwingend braucht, zahlt 50€ mehr für geringfügig weniger Lichtstärke
  • Das 90mm f/2.2 hat bei f/4 einen etwas abgeschnittenen Look bei den Highlight-Bokeh-Bällen – minimal, aber erkennbar im Vergleich zum 75er mit runder Aperturform
  • Kunststoff-Objektivschirme wirken etwas günstig verarbeitet und könnten bei regelmäßiger Nutzung leichter beschädigt werden als Metall-Alternativen
  • Autofokusmotor neigt gelegentlich zu hörbarem Chirpen – bei Stille-Szenen oder Video durchaus wahrnehmbar, wenn auch nicht laut
  • Beide Objektive haben identische optische Charakteristiken – die Wahl fällt dementsprechend schwer und hängt fast ausschließlich von Geschmack ab
  • Verfügbarkeit im deutschen und österreichischen Einzelhandel könnte limitiert sein – Online-Bestellung ist wahrscheinlich nötig

Titelbild: Foto von Jakub Żerdzicki auf Unsplash