Voigtländer 90mm f4 Ein ultrakompaktes Tele für M-Mount

Voigtländer 90mm f/4: Ein ultrakompaktes Tele für M-Mount

Cosina hat auf der CP+ 2026 in Yokohama die Fachwelt mit einer Reihe von Prototypen überrascht. Nun konkretisieren sich die Pläne für eines der spannendsten Projekte: Das Voigtländer APO-Lanthar 90mm f/4 Close Focus VM steht kurz vor seiner offiziellen Markteinführung im August. Dieses extrem schlanke Teleobjektiv verspricht, die traditionellen Stärken der Messsucher-Fotografie mit moderner optischer Höchstleistung zu verbinden. Mit seiner bewussten Entscheidung für eine moderate Lichtstärke von f/4 positioniert sich das Objektiv nicht als Werkzeug für extreme Low-Light-Szenarien, sondern als hochpräziser, extrem transportabler Begleiter für anspruchsvolle Fotografen.

Historischer Kontext: Das Erbe der kompakten Tele-Objektive

Um die Bedeutung dieser Neuvorstellung zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die Geschichte des Leica-M-Systems. Traditionell waren 90mm-Objektive an Messsucherkameras oft kompromissbehaftet. Lichtstarke Varianten wie das legendäre Summicron 90mm f/2 oder das Elmarit 90mm f/2.8 boten zwar eine hervorragende Freistellung, machten das Kamerasystem jedoch kopflastig und verdeckten einen Teil des optischen Suchers. Auf der anderen Seite stand das historische Leica Elmar-M 90mm f/4 – ein extrem kompaktes, teils kollabierbares Objektiv, das bis heute für seine Portabilität geschätzt wird.

Cosina greift dieses klassische Konzept nun auf und führt es mit dem Voigtländer APO-Lanthar 90mm f/4 in das digitale Zeitalter. Der Name ‘APO-Lanthar’ verpflichtet: Er steht im Voigtländer-Portfolio für die absolute Spitzenklasse der optischen Korrektur. Durch den Einsatz von Gläsern mit anomaler Teildispersion wird eine apochromatische Korrektur erreicht, die chromatische Aberrationen (Farbsäume) über das gesamte Bildfeld nahezu vollständig eliminiert. Während historische f/4-Objektive oft weich im Kontrast waren, liefert diese Neuentwicklung selbst an extrem hochauflösenden Sensoren wie dem der Leica M11 (60 Megapixel) eine exzellente Schärfe bis in die Bildecken.

Praktische Anwendung: Schärfe ohne Kompromisse im Nahbereich

Ein 90mm-Objektiv mit einer maximalen Blendenöffnung von f/4 mag im Zeitalter von f/1.2-Objektiven anachronistisch wirken. Doch in der Praxis bietet diese Lichtstärke entscheidende Vorteile. Das Objektiv ist so klein und leicht, dass es in jeder Manteltasche Platz findet. Dies macht es zu einem idealen Werkzeug für die Landschafts-, Reise- und Street-Fotografie. Wer in den österreichischen Alpen wandert oder die historischen Altstädte Deutschlands dokumentiert, wird das geringe Gewicht schnell zu schätzen wissen. Die plastische Wirkung der 90mm-Brennweite erlaubt es, Details präzise herauszuarbeiten, ohne dass das Gepäck zur Last wird.

Ein echter Geniestreich ist der Namenszusatz ‘Close Focus’. Klassische Messsucher-Objektive leiden konstruktionsbedingt unter einer Naheinstellgrenze von 0,7 oder 0,9 Metern, da die mechanische Kopplung des Messsuchers physikalische Grenzen setzt. Das neue APO-Lanthar durchbricht diese Barriere. Zwar entkoppelt sich der Messsucher im extremen Nahbereich, doch über den Live-View-Modus moderner digitaler M-Gehäuse oder bei der Verwendung an spiegellosen Systemkameras (wie Sony E, Nikon Z oder L-Mount mittels Adapter) lässt sich das Objektiv weitaus näher fokussieren. Dies eröffnet völlig neue kreative Möglichkeiten für Detailaufnahmen, Texturen und eng gefasste Porträts.

Marktanalyse: Relevanz im DACH-Raum

Für den deutschen, österreichischen und Schweizer Markt ist diese Ankündigung von hoher Relevanz. Die DACH-Region beherbergt eine der aktivsten und treuesten Leica- und Messsucher-Communities weltweit. Während originale Leica-Objektive oft im mittleren bis hohen vierstelligen Eurobereich angesiedelt sind, bietet Voigtländer (in Deutschland traditionell über die Ringfoto-Gruppe vertrieben) eine qualitativ herausragende Alternative zu einem Bruchteil des Preises.

Das APO-Lanthar 90mm f/4 schließt eine wichtige Marktlücke. Es richtet sich an Fotografen, die den charakteristischen Messsucher-Look schätzen, aber die astronomischen Preise eines Leica Apo-Summicron-M 90mm f/2 scheuen. Da das Objektiv dank seiner kompakten Bauweise auch an spiegellosen Kameras von Sony, Canon oder Nikon eine hervorragende Figur macht, dürfte die Nachfrage im deutschsprachigen Fachhandel ab August hoch sein. Fachhändler in Metropolen wie Wien, München, Berlin und Zürich werden hier eine attraktive Option für all jene anbieten können, die optische Perfektion im Taschenformat suchen.


Informationen für diesen Artikel basieren auf Berichten von petapixel.com.

Titelbild: Foto von Scottsdale Mint auf Unsplash