Der Paukenschlag im Ultraweitwinkel-Segment: Tamron 12-20mm F2.8
Tamron hat ein neues Flaggschiff für anspruchsvolle Landschafts-, Astro- und Architekturfotografen angekündigt: das Tamron 12-20mm F2.8 (Model A084). Verfügbar für Sony E-Mount ab dem 30. Juli und für Nikon Z-Mount ab dem 27. August, läutet dieses Objektiv nicht nur optisch, sondern auch visuell eine neue Ära für den japanischen Hersteller ein. Mit dem neuen Designkonzept ‘Toned Profile Next’ verabschiedet sich Tamron von kryptischen Namenszusätzen wie ‘Di III’ oder ‘VXD’ direkt im Produktnamen und setzt stattdessen auf ein minimalistisches Gehäuse, verbesserte Ergonomie und modernste Linearmotortechnologie. Das Objektiv wiegt trotz seiner enormen Lichtstärke von F2.8 nur 570 Gramm (Sony-Version) bzw. 585 Gramm (Nikon-Version) und ist damit eine Kampfansage an die oft bleischweren Ultraweitwinkel-Zooms der Konkurrenz.
Historischer Kontext: Der Befreiungsschlag aus der Nische
Um die Bedeutung dieses Objektivs zu verstehen, muss man einen Blick auf die Historie werfen. Bisher mussten sich Fotografen im spiegellosen Vollformat-Segment oft zwischen extremen, aber lichtschwachen Ultraweitwinkeln oder extrem teuren und schweren Profi-Objektiven entscheiden. Das legendäre Tamron 17-28mm F2.8 Di III RXD war zwar ein absoluter Bestseller, für echte Astro- und Architekturfotografen waren 17mm am kurzen Ende jedoch oft nicht weitwinkelig genug. Wer echte 12mm bei einer durchgehenden Blende von F2.8 suchte, musste bisher zum Sony FE 12-24mm F2.8 GM greifen – einem optischen Meisterwerk, das jedoch mit fast 3.000 Euro zu Buche schlägt und knapp 850 Gramm auf die Waage bringt.
Tamron geht hier einen cleveren Kompromiss ein: Durch die Begrenzung des Zoom-Bereichs auf 20mm statt der üblichen 24mm oder 28mm konnte das optische System drastisch verkleinert werden. Mit 17 Linsen in 12 Gruppen, darunter ein expandiertes blankgepresstes asphärisches Element (XGM) und drei weitere asphärische Linsen (GM), verspricht Tamron eine hervorragende Schärfe bis in die äußersten Bildecken. Dieser optische Aufbau eliminiert chromatische Aberrationen und vor allem die gefürchtete Koma (sagittal coma flare) fast vollständig, was dieses Objektiv auf ein Niveau mit Festbrennweiten hebt.
Praktische Anwendung: Ein Traum für Bergsteiger und Astrofotografen
In der fotografischen Praxis der DACH-Region – von den österreichischen Alpen bis zu den dunklen Sternenparks in Deutschland (wie dem Westhavelland oder der Rhön) – dürfte das Tamron 12-20mm F2.8 schnell zu einem Standardwerkzeug avancieren. Insbesondere drei Zielgruppen profitieren massiv von diesem Layout:
- Astrofotografen: Die Kombination aus 12mm Brennweite, Lichtstärke F2.8 und einem dedizierten manuellen Fokus-Lock-Schalter ist im Grunde das perfekte Rezept für die Milchstraßen-Fotografie. Der Fokus-Lock verhindert, dass sich die Schärfe bei nächtlicher Kälte oder versehentlicher Berührung verstellt.
- Landschafts- und Alpin-Fotografen: Wer stundenlang Höhenmeter im Karwendel- oder Dachsteingebirge zurücklegt, feilscht um jedes Gramm. Ein extrem weitwinkeliges F2.8-Zoom unter 600 Gramm im Rucksack zu wissen, ohne qualitative Abstriche machen zu müssen, ist ein echter Gamechanger.
- Architektur- und Immobilienfotografen: Die Naheinstellgrenze von nur 18 cm bei 12mm erlaubt dramatische Perspektiven im Innenraum. Dank der aufwendigen optischen Konstruktion ist die Verzeichnung minimal und lässt sich über Profile in Capture One oder Lightroom restlos korrigieren.
Marktanalyse und Verfügbarkeit in Deutschland und Österreich
Die Preisgestaltung zeigt deutlich, dass Tamron im Premium-Segment angreifen möchte. Mit einem US-Preis von 1.699 USD (Sony) bzw. 1.799 USD (Nikon) dürften sich die Straßenpreise im deutschsprachigen Raum inklusive Mehrwertsteuer bei ca. 1.849,- EUR für die E-Mount-Variante und knapp 1.949,- EUR für die Z-Mount-Variante einpendeln. Dass die Nikon-Version etwas teurer ist, begründet Tamron mit geringeren Produktionsvolumina und den mechanischen Spezifikationen des Z-Bajonetts – ein für Nikon-User leider gewohntes Bild im Dritthersteller-Markt.
Dennoch positioniert sich das Objektiv preislich hervorragend. Es unterbietet das Nikon Nikkor Z 14-24mm f/2.8 S (ca. 2.400,- EUR) und das Sony 12-24mm GM deutlich und bietet gleichzeitig am kurzen Ende mehr Weitwinkel als die Konkurrenz von Sigma (14-24mm F2.8 DG DN Art). Für den Fachhandel in Deutschland und Österreich – von Calumet über Foto Erhardt bis hin zu United Camera in Wien – wird das Tamron 12-20mm F2.8 zweifellos zu den heißesten Vorbestellungs-Kandidaten des Spätsommers gehören. Das neue ‘Toned Profile Next’-Design mit griffigeren Einstellringen und physischem Blendenring (mit De-Click-Funktion für Videografen) dürfte zudem die Haptik-Fetischisten unter den DACH-Fotografen vollends überzeugen.
Informationen für diesen Artikel basieren auf Berichten von www.dpreview.com.
Titelbild: Foto von Vignesh chandran auf Unsplash

