Sony RX10 V im Test Die ultimative All-in-One-Kamera für Wildlife Reise und Sport
Foto von Maciej Karoń auf Unsplash

Sony RX10 V im Test: Die ultimative All-in-One-Kamera für Wildlife, Reise und Sport?

Fast ein Jahrzehnt ist vergangen, seit Sony mit der RX10 IV die Messlatte für Bridgekameras extrem hochgelegt hat. Viele Branchenbeobachter dachten bereits, dieses Segment sei durch die rasante Entwicklung von Smartphones und kompakten Systemkameras endgültig ausgestorben. Doch mit der Sony RX10 V bringt der japanische Hersteller ein echtes Kraftpaket auf den Markt, das modernste Alpha-Technologie in ein bewährtes, robustes Gehäuse packt. Für Fotografen in Deutschland und Österreich, die oft in den Alpen wandern, im Wattenmeer Vögel beobachten oder einfach eine extrem vielseitige Kamera für den Urlaub suchen, war die RX10-Serie schon immer ein treuer Begleiter. Die fünfte Generation verspricht nun, die Schwachstellen des Vorgängers – insbesondere den Autofokus und die Videofunktionen – auf ein absolut zeitgemäßes Niveau zu heben.

Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von rund 2.300 US-Dollar, was sich im deutschsprachigen Raum inklusive Mehrwertsteuer auf etwa 2.400 bis 2.500 Euro belaufen dürfte, ist die RX10 V definitiv kein Schnäppchen. Vergleicht man diesen Preis jedoch mit der Inflation der letzten neun Jahre seit der RX10 IV, relativiert sich die Investition schnell. Wer heute eine Vollformatkamera wie die Sony Alpha 7 V mit einem vergleichbaren Brennweitenbereich von 24 bis 600 mm ausstatten möchte, müsste nicht nur ein kleines Vermögen ausgeben, sondern auch ein enormes Gewicht mit sich herumschleppen. Insofern bleibt die RX10 V eine preislich und physisch hochattraktive Alternative für anspruchsvolle Hobbyfotografen und Profis, die ein kompromissloses All-in-One-System suchen.

Beim ersten In-die-Hand-Nehmen in der Praxis zeigt sich: Die RX10 V ist eine substanzielle Kamera. Mit ihrem robusten Gehäuse aus hochwertigem Polycarbonat liegt sie jedoch hervorragend in der Hand. Der Griff wurde im Vergleich zum Vorgängermodell spürbar optimiert und bietet auch bei feuchten Wetterbedingungen im alpinen Gelände exzellenten Halt. Auf der Rückseite findet man die gewohnte Tastenbelegung, allerdings mit einer ergonomischen Besonderheit: Es gibt kein vorderes Einstellrad. Da der Zeigefinger meist auf der Zoomwippe liegt, müssen beide primären Einstellräder auf der Rückseite mit dem Daumen bedient werden. Das erfordert anfangs etwas Umgewöhnung, geht im fotografischen Alltag jedoch schnell in Fleisch und Blut über. Ein echtes Highlight für die Konnektivität ist der neue USB-C-Anschluss mit 10 Gbps Übertragungsrate, der das alte Micro-USB-Terminal für Zubehör sinnvoll ergänzt.

Das Herzstück der Kamera bleibt das fest verbaute Zeiss-Vario-Sonnar-Objektiv. Obwohl Sony aufgrund neuer CIPA-Standards nun leicht veränderte physikalische Brennweiten angibt (9,1–210 mm statt zuvor 8,8–220 mm), bleibt der effektive Bildwinkel identisch mit einem KB-Äquivalent von 24 bis 600 mm. Die Lichtstärke von f/2.4 im Weitwinkel bis f/4.0 im extremen Telebereich ist in Kombination mit dem 1-Zoll-Sensor (Type 1) nach wie vor unerreicht. In der Praxis ermöglicht dieser enorme Bereich einen nahtlosen Wechsel von weiten Landschaftsaufnahmen im österreichischen Gesäuse bis hin zu detailreichen Nahaufnahmen von scheuen Wildtieren. Die optische Bildstabilisierung arbeitet dabei hocheffektiv und ermöglicht selbst bei 600 mm scharfe Aufnahmen aus der Hand, was gerade bei Wanderungen ohne Stativ Gold wert ist.

Der größte technologische Sprung zeigt sich jedoch beim Autofokus. Sony hat der RX10 V den Bionz XR Prozessor und die dedizierte „AI Processing Unit“ spendiert, die man aus den aktuellen Alpha-Systemkameras kennt. Dies führt zu einer revolutionären Motiverkennung: Menschen, Tiere, Vögel, Fahrzeuge und sogar Insekten werden blitzschnell erkannt und präzise verfolgt. Besonders beeindruckend ist die „Human Pose Estimation“, die Personen selbst dann im Fokus behält, wenn sie sich wegdrehen oder das Gesicht verdeckt ist. Für Sport- und Wildlife-Fotografen bedeutet dies eine extrem niedrige Ausschussquote. Gepaart mit einer Serienbildgeschwindigkeit von bis zu 30 Bildern pro Sekunde ohne Sucher-Blackout wird die Kamera zum verlässlichen Werkzeug für schnelle Action.

Trotz aller Begeisterung gibt es in der Praxis auch Einschränkungen. Der mechanische Zentralverschluss der Kamera ist bauartbedingt bei Offenblende auf 1/1000 Sekunde limitiert. Bei gleißendem Sonnenlicht auf den Gletschern Österreichs gerät man hier schnell an die Grenzen. Zwar kann auf den elektronischen Verschluss ausgewichen werden, der mit einer Auslesezeit von 15,7 ms angenehm schnell arbeitet, allerdings zwingt die Kamera den Nutzer in diesem Modus zur Verwendung des verlustbehafteten, komprimierten RAW-Formats. Eine automatische Umschaltung zwischen mechanischem und elektronischem Verschluss fehlt leider völlig.

Ein massiver Kritikpunkt des Vorgängers wurde erfreulicherweise behoben: Der Akku. Die RX10 V nutzt nun den bewährten NP-FZ100-Akku der Alpha-Serie. Damit verdoppelt sich die Kapazität im Vergleich zum alten FW50-Akku nahezu. Auf ausgedehnten Fototouren muss man sich nun keine Sorgen mehr machen, dass der Kamera vorzeitig die Puste ausgeht. Auch der elektronische Sucher (EVF) wurde auf zeitgemäße 3,68 Millionen Bildpunkte aufgewertet und bietet ein klares, flüssiges Bild, das selbst bei kontinuierlichem Autofokus nicht an Auflösung verliert. Das rückseitige Display ist nun im sensor-nativen Format gehalten und löst mit 1,62 Millionen Bildpunkten scharf auf, lässt sich allerdings nach wie vor nur neigen und nicht seitlich ausklappen – schade für Hochkant- und Porträtfotografen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Sony RX10 V die ultimative „Immer-dabei-Kamera“ für anspruchsvolle Anwender ist, die keine Lust auf ständigen Objektivwechsel haben, aber keine Kompromisse bei der Bildqualität eingehen wollen. Sie schließt die Lücke zwischen kompakten Reisekameras und schweren Systemkamera-Ausrüstungen perfekt und rechtfertigt ihren hohen Preis durch eine Leistung, die in dieser Klasse ihresgleichen sucht.

📷 Kamera

📋 Technische Spezifikationen

📸 Hauptkamera
20 MP, 1-Zoll-Typ (13,2 x 8,8 mm) stacked Exmor RS CMOS-Sensor
🌄 Ultraweitwinkel
Nicht verfügbar (Fest verbautes Zoomobjektiv)
🔭 Teleobjektiv
Nicht verfügbar (Fest verbautes Zoomobjektiv)
🤳 Frontkamera
Nicht verfügbar
🎥 Video
4K bis zu 120p (mit Crop), 4K@60p (ohne Crop) in 10-Bit 4:2:2, H.265-Unterstützung
⚙️ Weitere Details
Zeiss Vario-Sonnar T* 24-600mm f/2.4-4.0 (KB-Äquivalent), optischer Bildstabilisator, NP-FZ100 Akku, 3.68M-Dot EVF, 1.62M-Dot Tilt-LCD, UHS-II SD-Slot, Gewicht ca. 1095g

✅ Vorteile (Pros)

  • Enormer Brennweitenbereich von 24-600mm (äquivalent) bei hoher Lichtstärke (f/2.4-4.0) bietet maximale Flexibilität für Reisen und Wildlife.
  • Überragender Autofokus mit KI-gestützter Motiverkennung (Vögel, Tiere, Fahrzeuge, Menschen) direkt aus den professionellen Alpha-Kameras.
  • Deutlich verbesserte Akkulaufzeit dank des Wechsels auf den bewährten NP-FZ100-Akku – ideal für lange Outdoortouren.
  • Blackout-freie Serienbildaufnahmen mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde ermöglichen das präzise Einfangen schneller Action.
  • Professionelle Videofunktionen wie 10-Bit-Aufnahme, H.265 und 4K bis zu 120p machen die Kamera zum echten Hybrid-Werkzeug.
  • Hochwertiger elektronischer Sucher mit 3,68 Millionen Bildpunkten bietet eine scharfe und flüssige Motivkontrolle.
  • Schneller UHS-II-SD-Kartensteckplatz sorgt für zügiges Schreiben großer Datenmengen bei schnellen Serienbildern.

❌ Nachteile (Cons)

  • Mechanischer Verschluss bei Offenblende bauartbedingt auf 1/1000s limitiert, was bei hellem Licht den Einsatz von ND-Filtern erfordert.
  • Elektronischer Verschluss zwingt den Fotografen zur Nutzung des verlustbehafteten, komprimierten RAW-Formats.
  • Keine kamerainterne RAW-Konvertierung möglich – Anpassungen von Weißabgleich oder Belichtung müssen am PC oder Smartphone erfolgen.
  • Das Touchscreen-Menü im Standardmodus wirkt überladen und passt optisch nicht ganz zum modernen Alpha-Hauptmenü.
  • Das Display lässt sich nur neigen und ist für Aufnahmen im Hochformat oder für Vlogging unpraktisch.
  • Hoher Anschaffungspreis von über 2.300 Euro setzt eine bewusste Kaufentscheidung voraus.

Titelbild: Foto von Maciej Karoń auf Unsplash