Panasonic kippt RED-Patent Befreiungsschlag für RAW-Video

Panasonic kippt RED-Patent: Befreiungsschlag für RAW-Video

Die Nachricht: Ein technologischer Paukenschlag aus Japan

Es ist eine Sensation in der Tech- und Kameraszene: Dem japanischen Elektronikriesen Panasonic ist gelungen, woran Branchengrößen wie Apple, Sony und selbst Nikon jahrelang gescheitert sind. Das japanische Patentamt (JPO) hat eines der wichtigsten Patente von RED Digital Cinema für ungültig erklärt. Das im Jahr 2008 eingereichte Patent beschreibt ein Verfahren zur Komprimierung von RAW-Videodaten direkt in der Kamera. Das Gericht urteilte nun nach einer Klage von Panasonic, dass die zugrundeliegenden Technologien für Fachleute der Branche zum damaligen Zeitpunkt naheliegend und somit nicht patentwürdig waren. Diese Entscheidung wirft ein völlig neues Licht auf die künftige Entwicklung von spiegellosen Hybridkameras und stellt insbesondere Nikon – den neuen Eigentümer von RED – vor eine skurrile Verteidigungsaufgabe.

Der historische Kontext: Die Festung RED und ihre Patentkriege

Um die Tragweite dieses Urteils zu verstehen, muss man die Geschichte der digitalen Kinokameras betrachten. RED Digital Cinema, gegründet von Oakley-Gründer Jim Jannard, revolutionierte die Branche mit der RED One. Doch der langfristige Erfolg des Unternehmens basierte nicht nur auf exzellenter Sensorik, sondern vor allem auf einer juristischen Festung: dem Patent auf kamerainterne, komprimierte RAW-Aufnahme. Wer hochauflösendes RAW-Video ohne massive Datenraten (wie bei unkomprimiertem RAW) intern aufzeichnen wollte, musste entweder astronomische Lizenzgebühren an RED zahlen oder riskierte teure Patentklagen.

Große Hersteller bissen sich an diesem Patent die Zähne aus:

  • Apple versuchte 2019 vergeblich, das Patent anzufechten, um ProRes RAW breiter etablieren zu können.
  • Sony geriet im Rahmen seiner F5- und F55-Kameras in rechtliche Auseinandersetzungen.
  • Nikon wurde nach der Einführung der Z9 und deren internem N-RAW-Format von RED verklagt. Die überraschende Wendung folgte Anfang 2024: Nikon kaufte RED kurzerhand auf, um den Rechtsstreit beizulegen und sich die begehrte Technologie exklusiv zu sichern.

Dass nun ausgerechnet Panasonic das Patent in Japan zu Fall bringt, stellt eine historische Zäsur dar. Es entlarvt die Monopolstellung, die RED über fast anderthalb Jahrzehnte hinweg verteidigt hat, als juristisch wackelig.

Praktischer Nutzen: Was bedeutet das für Fotografen und Filmer im DACH-Raum?

Für professionelle Fotografen, Hochzeitsfilmer und Content Creators in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) hat dieses Urteil potenziell bahnbrechende praktische Konsequenzen. Bisher standen Hybrid-Fotografen, die das Maximum an Dynamikumfang und Farbinformationen aus ihren Sensoren herausholen wollten, vor einem Dilemma. Wer intern filmen wollte, musste meist auf stark komprimierte 10-Bit-Codecs wie H.265 zurückgreifen. Echtes RAW-Video war oft nur über klobige und schwere externe Recorder wie den Atomos Ninja via HDMI möglich – ein Setup, das die Ergonomie kompakter DSLMs völlig zerstört und zusätzliche Fehlerquellen (Kabelbrüche, Akkuprobleme) schafft.

Mit dem Fall des Patents in Japan rückt die Integration von nativem, komprimiertem RAW direkt in die Kamera-Gehäuse in greifbare Nähe. Hochzeits- und Reportagefilmer profitieren enorm von kompakteren Rigs. Sie können in anspruchsvollen Mischlichtsituationen filmen und den Weißabgleich sowie die Belichtung nachträglich in der Postproduktion verlustfrei anpassen, ohne dass die Datenmengen die Speicherkarten sprengen oder die Kamera überhitzt.

Marktanalyse: Die Zukunft von ProRes RAW und die Rolle von Nikon

Die Auswirkungen auf den Fotomarkt in Deutschland und Österreich werden sich nicht über Nacht zeigen, aber sie sind unumkehrbar. Ein zentraler Aspekt ist die Zukunft von Apples ProRes RAW. Bisher scheiterte die breite Akzeptanz dieses Codecs auch daran, dass das extrem populäre Grading-Tool DaVinci Resolve (das in fast allen Postproduktionshäusern in Wien, Berlin und München Standard ist) ProRes RAW aufgrund von Lizenzstreitigkeiten nicht nativ unterstützt. Wenn die rechtliche Grundlage für REDs Monopol bröckelt, könnte dies den Weg für eine universelle Unterstützung von komprimierten RAW-Formaten in allen gängigen Schnittprogrammen ebnen.

Für Nikon ist die Situation pikant. Der Kauf von RED sollte Nikon eine technologische Vormachtstellung sichern. Dass Panasonic nun diesen Teilsieg errungen hat, schwächt Nikons strategisches Patentportfolio im asiatischen Raum erheblich. Es ist zu erwarten, dass Panasonic, Sony und Canon diesen Präzedenzfall nutzen werden, um auch in den USA und Europa rechtlich gegen die RED-Patente vorzugehen. Für den Endverbraucher in der DACH-Region bedeutet dies mittelfristig mehr Wettbewerb, bessere Video-Features in bezahlbaren Kamerabodies und potenziell sinkende Preise für RAW-fähiges Equipment bei Fachhändlern wie Calumet, Foto Leutner oder Foto Video Sauter.


Informationen für diesen Artikel basieren auf Berichten von www.dpreview.com.

Titelbild: Foto von Daniele Furlan auf Unsplash