Ein neuer Herausforderer im Tele-Segment: Der LK Samyang AF 60-180mm F2.8
Mit der offiziellen Ankündigung und dem bevorstehenden Marktstart des LK Samyang AF 60-180mm F2.8 für das Sony E-Mount und das spiegellose L-Mount-System bewegt sich der südkoreanische Hersteller Samyang in ein heiß umkämpftes Marktsegment. Entwickelt in enger Kooperation mit dem traditionsreichen deutschen Optikpionier Schneider-Kreuznach, verspricht dieses Objektiv eine Symbiose aus budgetfreundlicher Preisgestaltung und beachtlicher optischer Performance. Mit einem rekordverdächtig geringen Gewicht von nur 730 Gramm positioniert sich das Zoom-Objektiv als die derzeit leichteste Option in seiner Klasse. Während E-Mount-Fotografen bereits erste Praxiserfahrungen sammeln konnten, steht der Release für das L-Mount-System unmittelbar bevor. Dies ist besonders für das L-Mount-Konsortium (Leica, Panasonic, Sigma) ein strategisch wichtiger Schritt, da es in diesem Ökosystem bislang an extrem leichten und bezahlbaren Tele-Zooms mit durchgehender Lichtstärke von F2.8 mangelte.
Historischer Kontext: Die Evolution der Budget-Klasse
Noch vor wenigen Jahren bedeutete der Kauf eines Drittanbieter-Objektivs im Tele-Bereich meist schmerzhafte Kompromisse bei der Autofokus-Geschwindigkeit und der Randschärfe. Die klassischen 70-200mm F2.8-Objektive der Kamerahersteller waren und sind optische Meisterwerke, reißen jedoch tiefe Löcher in das Budget von ambitionierten Amateuren und Semi-Profis. Samyang hat in den letzten Jahren eine beeindruckende Transformation durchlaufen: Von rein manuellen, mechanisch simplen Festbrennweiten hin zu hochmodernen Autofokus-Optiken. Die Zusammenarbeit mit Schneider-Kreuznach ist hierbei kein reiner Marketing-Gag. Sie signalisiert den Anspruch, bei der Linsenberechnung und der Vergütung mit den etablierten japanischen Riesen gleichzuziehen. Der direkteste Konkurrent des neuen Samyang-Objektivs ist das Tamron 70-180mm F2.8 Di III VC VXD G2. Während Tamron mit einem linearen VXD-Fokusmotor und integrierter optischer Bildstabilisierung (VC) punktet, setzt Samyang auf ein anderes Konzept: Das Objektiv startet bereits bei 60mm Brennweite, verzichtet auf einen optischen Stabilisator zugunsten des Gewichts und vertraut auf moderne Schrittmotoren (STM). Diese historische Verschiebung zeigt, dass Budget-Objektive heute keine Notlösungen mehr sind, sondern eigenständige, hochgradig spezialisierte Werkzeuge.
Praktische Anwendung: Für wen ist das 60-180mm F2.8 ideal?
Die Brennweitenabdeckung von 60 bis 180mm weicht bewusst vom klassischen 70-200mm-Standard ab. In der Praxis erweist sich dieser Schritt als äußerst clever. Die zusätzlichen 10mm am kurzen Ende (60mm statt 70mm) erweitern den Spielraum für Porträt- und Hochzeitsfotografen erheblich. Es ermöglicht einen etwas weiteren Bildwinkel, der sich hervorragend für Reportagen und Gruppenaufnahmen eignet, ohne dass sofort das Objektiv gewechselt werden muss. Am langen Ende sind 180mm im Vergleich zu 200mm in der realen Bildkomposition fast vernachlässigbar; der Unterschied lässt sich durch einen minimalen Crop in der Nachbearbeitung problemlos ausgleichen. Dank der hervorragenden Naheinstellgrenze von nur 0,35 Metern bei 60mm eignet sich das Objektiv zudem exzellent für detailreiche Nahaufnahmen, Produktfotografie und kreative Detailstudien bei Hochzeiten. Hochzeits- und Eventfotografen, die oft zehn bis zwölf Stunden am Stück arbeiten, werden das extrem niedrige Gewicht von 730g schnell zu schätzen wissen. Die Kombination aus einer modernen Vollformatkamera wie der Sony a7 IV oder der Panasonic Lumix S5II und dem Samyang-Objektiv bleibt auch nach Stunden ermüdungsfrei bedienbar. Einschränkungen müssen lediglich Sport- und Actionfotografen hinnehmen: Der verbaute Schrittmotor (STM) arbeitet zwar präzise und flüsterleise, erreicht jedoch nicht ganz die extreme Tracking-Geschwindigkeit linearer Motoren, wie sie in High-End-Sportoptiken verbaut sind.
Marktanalyse DACH: Positionierung in Deutschland und Österreich
Im deutschsprachigen Raum (DACH-Region), wo Fotografen traditionell ein sehr hohes Bewusstsein für mechanische Haptik, Langlebigkeit und Wertbeständigkeit haben, wird das Samyang AF 60-180mm F2.8 auf eine kritische, aber hochgradig interessierte Käuferschicht treffen. Der deutsche und österreichische Markt wird im Tele-Bereich stark von Premium-Produkten dominiert. Wer hierzulande ein F2.8-Tele kauft, greift oft tief in die Tasche. Genau in diese Lücke stößt Samyang. Während das Tamron 70-180mm G2 im DACH-Fachhandel (wie Foto Erhardt, Calumet Photographic oder United Camera in Wien) meist um die 1.200 Euro gehandelt wird, dürfte sich das Samyang-Objektiv preislich spürbar darunter einordnen. Das macht es besonders für Fotostudios, ambitionierte Amateure und Content Creator attraktiv, die ihr Budget kalkulieren müssen. Ein weiterer entscheidender Faktor ist die L-Mount-Version. In Deutschland und Österreich erfreut sich die Panasonic Lumix S-Serie, insbesondere die S5II und S5IIX, enormer Beliebtheit im Videobereich. Für diese Filmer stellt das Samyang AF 60-180mm F2.8 eine lang ersehnte, leichte Tele-Lösung dar, die sich dank des geringen Gewichts auch hervorragend auf gängigen Gimbals ausbalancieren lässt. Trotz kleinerer haptischer Kompromisse, wie dem etwas schwergängigen Zoomring und dem Kunststoffgehäuse, bietet das Objektiv dank der hervorragenden optischen Leistung eine Kampfansage an die etablierte Konkurrenz und wird den DACH-Markt nachhaltig beleben.
Informationen für diesen Artikel basieren auf Berichten von www.dpreview.com.

