Nikon schließt die Lücke: Das NIKKOR Z 28-135mm f/4 PZ im Fokus
Mit der Ankündigung und den ersten Praxistests des Nikon NIKKOR Z 28-135mm f/4 PZ untermauert der japanische Traditionshersteller seine Ambitionen im professionellen Videosegment. Dieses neue Power-Zoom-Objektiv wurde speziell für die Anforderungen von modernen Filmemachern, Dokumentarfilmern und anspruchsvollen Hybrid-Kreativen entwickelt. Es schließt eine signifikante Lücke im spiegellosen Z-System, das bisher zwar exzellente Foto-Optiken bot, im Bereich der dedizierten, motorisierten Video-Zooms jedoch das Nachsehen gegenüber der Konkurrenz hatte. Die Linse verspricht eine konstante Lichtstärke von f/4 über den gesamten Brennweitenbereich von 28 bis 135 mm und bringt damit eine enorme Flexibilität für Produktionen, bei denen es auf Geschwindigkeit und Präzision ankommt.
Historischer Kontext: Der späte, aber gewaltige Vorstoß gegen Sony und Canon
Um die Tragweite dieser Veröffentlichung zu verstehen, muss man fast ein Jahrzehnt zurückblicken. Sony dominierte den spiegellosen Videomarkt jahrelang fast unangefochten, nicht zuletzt dank des legendären FE PZ 28-135mm f/4 G OSS, das zum Standardwerkzeug für unzählige Dokumentarfilmer und Fernsehproduktionen auf Kameras wie der FS7 oder FX6 wurde. Canon zog später mit seinen Hybrid-Objektiven nach. Nikon-Nutzer hingegen mussten lange Zeit auf manuelle Foto-Objektive wie das an sich hervorragende Z 24-120mm f/4 S ausweichen. Diese Linsen sind jedoch für Video-Anwendungen nur bedingt geeignet, da ihnen ein echter Power-Zoom-Mechanismus fehlt und sie beim Zoomen die Schärfe nicht perfekt halten (parfokales Verhalten).
Mit dem NIKKOR Z 28-135mm f/4 PZ reagiert Nikon nun direkt auf diese Marktanforderungen. Dieser Schritt ist die logische Konsequenz aus den jüngsten Kamera-Entwicklungen des Herstellers: Seit der Einführung der Nikon Z9, Z8 und der jüngsten Z6 III, die allesamt mit beeindruckenden internen RAW-Video-Fähigkeiten glänzen, fehlte im nativen Z-Portfolio schlichtweg das passende ‘Arbeitspferd’ für den Cine-Alltag. Das neue PZ-Objektiv ist somit kein isoliertes Produkt, sondern das fehlende Puzzleteil in Nikons professioneller Video-Strategie.
Praktische Anwendung: Wer profitiert von der neuen Brennweite?
Die Brennweite von 28 bis 135 mm ist im Vollformat-Bereich ein echter Klassiker für Reportagen und kommerzielle Arbeiten. Während 28 mm weit genug sind, um Räume und Landschaften zu etablieren, erlauben die 135 mm am langen Ende eine intime Porträt-Perspektive mit einer ansprechenden Kompression des Hintergrunds. Für folgende Zielgruppen im DACH-Raum ist diese Optik besonders relevant:
- Dokumentarfilmer und Reportage-Journalisten: In unvorhersehbaren Situationen bleibt keine Zeit für Objektivwechsel. Die Möglichkeit, per Knopfdruck oder über den Zoom-Wippenschalter der Kamera sanft von einer Weitwinkel-Etablierung zu einer Nahaufnahme zu zoomen, ist unbezahlbar.
- Ein-Personen-Crews (One-Man-Bands): Wer gleichzeitig für Ton, Licht und Bild verantwortlich ist, schätzt Werkzeuge, die den Workflow vereinfachen. Dank des integrierten Power-Zooms lässt sich die Brennweite direkt über Gimbal-Fernsteuerungen oder die Nikon-App steuern, ohne dass ein externer Fokus- oder Zoom-Motor montiert werden muss.
- Industrie- und Werbefilmer: Bei kommerziellen Drehs in Fabrikhallen oder Büros in Frankfurt, Wien oder Zürich ermöglicht das Objektiv extrem effizientes Arbeiten. Der konstante Blendenwert von f/4 verhindert Belichtungssprünge beim Zoomen, was die Postproduktion erheblich beschleunigt.
Marktanalyse für Deutschland und Österreich: Preise, Verleih und Verfügbarkeit
Für den deutschsprachigen Markt (DACH) ist das NIKKOR Z 28-135mm f/4 PZ ein strategisch wichtiges Produkt. Traditionell ist der Markt in Deutschland und Österreich stark von etablierten Produktionshäusern geprägt, die hohe Ansprüche an die Langlebigkeit und den Service ihrer Ausrüstung stellen. Hier kann Nikon mit seinem dichten Netz an ‘Nikon Professional Services’ (NPS) punkten.
Preislich dürfte sich das Objektiv im gehobenen Segment bewegen, vermutlich im Bereich zwischen 3.000 und 3.800 Euro netto. Dies mag für reine Hobbyfotografen abschreckend wirken, ist jedoch für Produktionsfirmen, die das Objektiv als tägliches Werkzeug abschreiben, eine absolut kalkulierbare Investition. Für kleinere Agenturen und Freelancer im DACH-Raum wird zudem der Verleihmarkt eine entscheidende Rolle spielen. Große Rental-Häuser wie 711rent, Kameraverleih Wien oder Pille Filmgeraeteverleih werden diese Optik zweifellos in ihr Portfolio aufnehmen, da die Nachfrage nach Nikon-Video-Kits durch die Z8 und Z9 massiv gestiegen ist.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Das Nikon NIKKOR Z 28-135mm f/4 PZ ist kein Nischenprodukt, sondern eine Kampfansage. Es beweist, dass Nikon das Feedback der Video-Community ernst nimmt und bereit ist, die notwendige Hardware zu liefern, um im hart umkämpften Markt der spiegellosen Cine-Kameras eine führende Rolle einzunehmen. Wer im DACH-Raum professionell filmt und bereits im Nikon-Ökosystem investiert ist, kommt an diesem Objektiv kaum vorbei.
Informationen für diesen Artikel basieren auf Berichten von fstoppers.com.
Titelbild: Foto von Ana Nogrey auf Unsplash

