Nikon Z 24-105mm f4-71 im Test Das Einstiegs-Zoom das überraschend gut ist

Nikon Z 24-105mm f/4-7.1 im Test: Das Einstiegs-Zoom, das überraschend gut ist

Das Nikon Z-System benötigte schon lange ein vernünftiges Kit-Objektiv, das sowohl Anfängern als auch ambitionierten Hobbyfotografen gerecht wird. Während das 24-120mm f/4 zu den besten verfügbaren Zooms überhaupt zählt, bleibt es für viele Einsteiger preislich unerreichbar. Das 24-50mm bietet zwar eine konstante f/4 Blende, dafür aber einen viel zu kurzen Brennweitenbereich für vielseitige Fotografie. Die Alternativen wie das Nikon 24-200mm oder Tamron 25-200mm Super-Zoom sprechen eher ambitionierte Fotografen an, die bereit sind, deutlich mehr auszugeben. Mit dem Nikkor Z 24-105mm f/4-7.1 liefert Nikon endlich ein Kit-Objektiv, das den praktischen Anforderungen moderner Fotografen entspricht – zum überraschend attraktiven Preis.

Was beim ersten Eindruck skeptisch stimmt: Die variable Blende von f/4 bei 24mm bis f/7.1 bei 105mm ist auf dem Papier nicht gerade verlockend. Tatsächlich entspricht dieses Design aber dem aktuellen Trend bei modernen spiegellosen Systemen. Während frühere DSLR-Kit-Zooms oft f/5.6 am Tele-Ende aufwiesen, haben sich Hersteller bei Mirrorless-Lösungen bewusst für diesen Kompromiss entschieden – zugunsten von Gewicht, Größe und Preis. Und genau hier liegt die Stärke dieses Objektivs: Mit nur 340 Gramm ist es ein echtes Leichtgewicht, das sich problemlos den ganzen Tag über die Schulter hängen lässt.

In der Praxis zeigt sich schnell, dass Nikon bei diesem Kit-Zoom keine unakzeptablen Kompromisse eingegangen ist. Die Kunststoffbauweise ist bewusst gewählt und ermöglicht erst diese Gewichtseinsparung – wer hier Metallgehäuse erwartet, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen. Das Objektiv hat beim Zoomen eine merkliche Extension, arbeitet aber mit innerem Fokussier-Mechanismus, was beim mobilen Einsatz von Vorteil ist. Der Zoom-Ring erfüllt seine Aufgabe zwar nicht mit Premium-Haptik, bietet aber ausreichend Widerstand für präzise Brennweitenwahl. Besonders praktisch: Mit nur 340 Gramm ist es deutlich leichter als die meisten Alternativen.

Ein oft übersehener Vorteil dieser Brennweite liegt in den Makro-Möglichkeiten. Bei 105mm kann bis auf knapp 20 Zentimeter heran fokussiert werden, dabei erreicht das Objektiv eine 1:2 Life-Size Reproduktion. Das ist für ein Einstiegs-Zoom beachtlich und eröffnet völlig neue Möglichkeiten – von Produktfotografie bis zu Details bei Hochzeiten. Allerdings muss man sich der Limitierung durch die f/7.1 Blende bei dieser Arbeitsweise bewusst sein: ISO-Erhöhungen sind dann die Regel, nicht die Ausnahme.

Für österreichische und deutsche Käufer ist besonders relevant: Das Objektiv wird vor allem als Kit mit der Z5 II angeboten, und in dieser Kombination bietet es ein unglaublich attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis. Wer das Zoom einzeln kauft, zahlt etwa 500 Euro, doch wirklich interessant wird es beim Kauf mit einem Camera-Body. Im europäischen Markt konkurriert es mit ähnlichen Alternativen von Sigma und Tamron, schlägt diese aber bei der Integration und der praktischen Handhabung. Die Bildqualität ist für diese Preisklasse vorbildlich – wer hier ähnlich großartige Ergebnisse erwartet wie von einem 24-120mm f/4, wird enttäuscht, wer aber realistische Erwartungen hat, wird angenehm überrascht.

Die Frage stellt sich also: Wem ist dieses Objektiv gerecht? Definitiv Anfängern, die mit der Z5 II starten und ein vielseitiges Zoom für den Urlaub, Familienfotos und erste Portfolioarbeiten brauchen. Auch als Backup-Objektiv für erfahrenere Fotografen ist es wertvoll – klein genug für die Kameratasche, vielseitig genug um echte Shots zu liefern. Wer es als Einzelobjektiv kauft und es sein einziges Zoom sein soll, sollte sich die 24-200mm Optionen näher anschauen. Aber: Als Kit-Objektiv mit attraktivem Bundle-Preis ist das 24-105mm f/4-7.1 schlicht eine kluge Wahl.

📷 Objektiv

📋 Technische Spezifikationen

✅ Vorteile (Pros)

  • Brillante optische Schärfe über den gesamten Zoom-Bereich – besonders bei 24mm beeindruckend scharf, auch in den Bildecken ohne Stoppdown nötig
  • Unglaublich leicht und kompakt mit nur 340 Gramm – echtes All-Day-Objektiv auch für Wanderungen und längere Shootings
  • Überraschend gute Makro-Möglichkeiten bei 105mm mit bis zu 1:2 Life-Size Reproduktion für ein Budget-Zoom
  • Hervorragende Flare-Kontrolle und minimale Ghosting-Effekte – selbst bei direkter Gegenlicht-Fotografie bleiben Kontrast und Bildqualität erhalten
  • Hohe Praktikabilität mit internem Fokus-Mechanismus und sehr schnellem STM-Autofokus
  • Sensationelles Preis-Leistungs-Verhältnis, besonders im Bundle mit der Z5 II – kaum teurer als ein Budget-Zoom, deutlich bessere Optik
  • Konsistente Schärfe vom Ultra-Weitwinkel bis zum Teleobjektiv-Bereich ohne optische Kompromisse
  • Angenehme Bokeh-Qualität bei 24mm mit glattem, unkritischem Hintergrund-Rendering

❌ Nachteile (Cons)

  • Variable Blende mit langsamem f/7.1 am Tele-Ende – problematisch bei schwachem Licht und macht ISO-Erhöhungen bei Makro-Aufnahmen notwendig
  • Deutliche Brennweiten-Extension beim Zoomen mit merklichem Tubus-Auszug – nicht ideal für Landschaftsfotografie bei Wind oder kritischen Situationen
  • Reine Kunststoffbauweise mit Polycarbonate-Bajonett wirkt weniger robust und premium – akzeptabel zum Preis, aber spürbar anders als hochwertigere Optionen
  • Keine Bildstabilisierung – vollständige Abhängigkeit vom Body-IBIS, was bei älteren oder kompakten Nikon-Modellen problematisch sein kann
  • Minimaler Wetterschutz – für Regen, Sand und Spritzwasser nicht geeignet, bei schlechten Bedingungen muss vorsichtig agiert werden
  • Der Zoom-Ring fühlt sich billig an und verlangt nach deutlich mehr Druck als bei Premium-Objektiven – für lange Sessions ermüdend
  • Sehr begrenzte Tiefenschärfe-Kontrolle bei 105mm durch die f/7.1 Blende – Hintergrund-Separation schwer zu erreichen
  • Längere Brennweite bedeutet weniger Lichtstärke – für Video und Filmemacher mit höheren Ansprüchen weniger geeignet

Titelbild: Foto von Marius Haakestad auf Unsplash