Objektiv

Zeiss ZM Weitwinkel-Trio im Praxistest: Die legendären Biogon-Klassiker an der Leica M11

Die Zeiss ZM Biogon Weitwinkel-Serie überzeugt im Test an hochauflösenden M-Gehäusen mit perfekter Schärfe, feinstem Mikrokontrast und herausragender Mechanik.

Zeiss ZM Weitwinkel-Trio im Praxistest Die legendären Biogon-Klassiker an der Leica M11

Messsucher-Fotografen im deutschsprachigen Raum stehen bei der Wahl passender Weitwinkelobjektive oft vor einer richtungsweisenden Entscheidung: Greift man zu den kostspieligen Originalen aus Wetzlar oder sucht man nach leistungsstarken Alternativen, die den Mythos analoger Präzision mit digitaler Höchstleistung verbinden? Die Zeiss ZM-Serie, entwickelt vom optischen Traditionsunternehmen Carl Zeiss und ursprünglich 2004 für das analoge Ikon-System vorgestellt, genießt unter M-Mount-Enthusiasten in Deutschland und Österreich seit jeher einen hervorragenden Ruf. Im intensiven Praxis-Check wurden die drei weitwinkligen Festbrennweiten – das Zeiss Biogon T* 21mm f/2.8 ZM, das Biogon T* 25mm f/2.8 ZM sowie das Biogon T* 28mm f/2.8 ZM – an modernen hochauflösenden Vollformat-Sensoren wie der Leica M11 auf Herz und Nieren geprüft.

Was beim ersten Auspacken und Ansetzen der Objektive sofort auffällt, ist die erstklassige mechanische Fertigungsqualität. Die Ganzmetallgehäuse sind präzise gefräst, die Blendenringe rasten satt in Drittelschritten ein und die Fokusringe laufen butterweich mit genau dem richtigen Widerstand. Ein durchdachtes Detail des gesamten Trios ist der einheitliche Filterdurchmesser von 46 mm. Für Landschafts- und Architekturfotografen, die regelmäßig mit Graufiltern (ND) oder Polfiltern arbeiten, ist dies im Praxisalltag ein enormer Vorteil, da nicht für jede Brennweite ein separater Satz Anschraubfilter angeschafft werden muss.

Das Zeiss Biogon 21mm f/2.8 ZM bildet die extremste Weitwinkeloption in diesem Trio. Mit einem Gewicht von rund 300 Gramm liegt es spürbar solide in der Hand, ohne an einer kompakten M-Kamera kopflastig zu wirken. Da das optische Sucherfenster der meisten M-Gehäuse keine Rahmenlinien für 21 mm bietet, erfordert die Bildkomposition entweder einen externen Aufstecksucher oder den Einsatz des elektronischen Suchers bzw. des LCD-Monitors. In der Praxis überzeugt das 21er Biogon durch eine beeindruckende Bildschärfe bis in die Randbereiche, exzellente Kontrastwiedergabe und eine extrem hohe Flare-Resistenz bei Gegenlicht. Landschaftsaufnahmen in den Alpen profitieren zudem von sehr ausgeprägten, scharfen Sonnensternen beim Abblenden.

Das Zeiss Biogon 25mm f/2.8 ZM gilt unter Kennern als der vielseitigste Allrounder im Weitwinkelbereich. Der Bildwinkel von 25 mm bietet eine spannende Dynamik, die etwas mehr Raum greift als die klassischen 28 mm, ohne dabei die extremen optischen Verzerrungen eines 21-mm-Ultraweitwinkels mit sich zu bringen. Mit nur 260 Gramm ist das Objektiv spürbar leichter als das 21er-Modell. An einer Leica M lässt sich der gesamte äußere Rand des optischen Suchers hervorragend als grobe Orientierung nutzen. Besonders beeindruckend ist die Verzeichnungskorrektur: Wie für das Biogon-Design typisch, bleiben gerade Linien selbst an den Bildrändern absolut geradlinig. Für Architekturfotografen und Städtetrips in Wien, Berlin oder München ist diese Eigenschaft von unschätzbarem Wert.

Der Favorit für die Reportage- und Street-Fotografie ist zweifelsohne das Zeiss Biogon 28mm f/2.8 ZM. Es wiegt lediglich 230 Gramm, verdeckt den optischen Sucher praktisch überhaupt nicht und blendet im Sucher automatisch die korrekten 28mm-Leuchtrahmen ein. Wer eine unauffällige, kompakte Linse für spontane Alltagssituationen sucht, findet hier die perfekte Ergänzung. Bei Naheinstellungen bietet das 28mm-Objektiv zudem die Möglichkeit, das Hauptmotiv plastisch vom Hintergrund freizustellen – der berühmte 'Zeiss-3D-Pop' kommt hier durch das Zusammenspiel von hoher Schärfe und Sanftheit im Unschärfebereich besonders prägnant zur Geltung.

Ein praxisrelevanter Punkt für alle drei Objektive ist die Naheinstellgrenze von 0,5 Metern. Klassische Leica-M-Messsucher koppeln mechanisch erst ab 0,7 Metern. Wer an digitalen Messsucherkameras mit Live-View oder EVF fotografiert, kann diese zusätzlichen 20 Zentimeter Nahbereich problemlos nutzen, um völlig neue Perspektiven zu erschließen.

Im Vergleich zu den Mitbewerbern ordnen sich die Zeiss ZM Biogone preislich attraktiv ein: Sie liegen deutlich unter den Preisen moderner Leica Summicron- oder Elmarit-Objektive, bieten jedoch eine optische und mechanische Leistung, die selbst die hochauflösenden 60-Megapixel-Sensoren aktueller Kameras mühelos bedient. Wer im Vergleich zu Voigtländer-Alternativen den typischen hohen Mikrokontrast und die charakteristische Zeiss-Farbwiedergabe schätzt, erhält mit diesem Trio zeitlose Werkzeuge für höchste fotografische Ansprüche.

📷 Objektiv

📋 Technische Spezifikationen

📸 Hauptkamera
Zeiss Biogon T* 28mm f/2.8 ZM: 28mm, f/2.8-f/22, 8 Elemente in 6 Gruppen, 0.5m Naheinstellgrenze, 230g
🌄 Ultraweitwinkel
Zeiss Biogon T* 21mm f/2.8 ZM: 21mm, f/2.8-f/22, 9 Elemente in 7 Gruppen, 0.5m Naheinstellgrenze, 300g
🔭 Teleobjektiv
Nicht zutreffend (Weitwinkel-Trio Test)
🤳 Frontkamera
Nicht zutreffend
🎥 Video
Manuelle Fokussierung und mechanischer Blendenring (ideal für Cinema-Rigs mit M-Mount-Adaptern)
⚙️ Weitere Details
Zeiss T* Mehrschichtvergütung, Leica M-Bajonett (ZM), einheitliches 46mm Filtergewinde bei allen drei Linsen, Drittelsblenden-Rastung

✅ Vorteile (Pros)

  • ✓Herausragende Abbildungsleistung mit hohem Mikrokontrast und knackiger Schärfe bis an die Bildränder
  • ✓Vorbildliche Verzeichnungskorrektur dank klassischem Biogon-Linsendesign
  • ✓Ganzmetallkonstruktion mit erstklassiger Haptik und präzise rastendem Blendenring in 1/3-Stufen
  • ✓Einheitliches 46mm Filtergewinde bei allen drei Linsen erleichtert den Einsatz von ND- und Polfiltern
  • ✓Erweiterter Nahfokus bis 0.5m für kreative Nahaufnahmen über Live-View oder EVF
  • ✓Exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich zu Leica M-Originalobjektiven
  • ✓Sehr gute Flare-Resistenz bei Gegenlicht und wunderschöne Sonnenstern-Bildung beim Abblenden
  • ✓Kompakte Bauweise und geringes Gewicht – ideal für Reisen, Landschaft und Street-Fotografie

❌ Nachteile (Cons)

  • ✗Keine optische Bildstabilisierung (OIS) vorhanden
  • ✗Messsucher-Kopplung endet konstruktionsbedingt bei 0,7 Metern (Nahbereich zwischen 0,5m und 0,7m erfordert Live-View)
  • ✗Keine Gegenlichtblende im Lieferumfang enthalten (muss kostspielig separat erworben werden)
  • ✗21mm-Variante verdeckt ohne Aufstecksucher Teile des optischen Suchers und benötigt externe Rahmungshilfe
  • ✗Reine Handfokus-Objektive ohne elektronische Kontakte zur Übermittlung von EXIF-Daten

Titelbild: Foto von Jan-Niclas Aberle auf Unsplash

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