Der südkoreanische Objektivhersteller LK Samyang hat die Fachwelt mit einer weitreichenden Ankündigung überrascht: Für Februar 2027 ist die Veröffentlichung eines extrem ambitionierten Zoomobjektivs geplant – dem Samyang 28-135mm F2.8 für das Sony E-Mount-System. Bereits mehr als vier Monate vor dem offiziellen Marktstart streut der Hersteller gezielt detaillierte Spezifikationen und erste Nahaufnahmen des Gehäuses, um die Vorfreude im hart umkämpften Vollformatsegment anzuheizen. Die nackten Zahlen versprechen ein optisches Werkzeug, das die Grenzen des bisher Machbaren verschieben soll: Ein variabler Brennweitenbereich von Weitwinkel bis zum starken Tele, kombiniert mit einer durchgehenden Lichtstärke von f/2.8. Mit einer physischen Länge von 151 mm im weitwinkligen Zustand, die sich beim Zoomen auf bis zu 190 mm ausdehnt, und einem Gewicht von 854 Gramm ist dieses Objektiv jedoch kein Leichtgewicht. Ein Filtergewinde von 82 mm und der Einsatz eines modernen Voice Coil Motors (VCM) für einen lautlosen und präzisen Autofokus runden das technische Datenblatt ab. Erste Teaser-Bilder deuten zudem auf Steuerringe hin, die optisch stark an die prestigeträchtige Kooperation mit dem deutschen Traditionshersteller Schneider-Kreuznach erinnern.
Ein historischer Meilenstein im Vergleich zur Konkurrenz
Um die Tragweite dieser Neuentwicklung zu verstehen, muss man die Evolution der sogenannten ‘Immerdrauf’- beziehungsweise Transstandard-Zooms betrachten. Traditionell mussten sich Fotografen zwischen dem klassischen 24-70mm f/2.8 für Reportagen und einem 70-200mm f/2.8 für Porträts und Sport entscheiden. Der Wunsch, diese beiden Welten in einem einzigen Gehäuse zu vereinen, ohne dabei die Lichtstärke auf f/4 zu reduzieren, galt lange Zeit als optisch unmöglich oder schlicht unbezahlbar. Tamron wagte vor einigen Jahren mit dem hochgelobten 35-150mm f/2-2.8 einen ersten, sehr erfolgreichen Vorstoß in diese Nische. Doch Samyang geht nun einen entscheidenden Schritt weiter: Während Tamron am kurzen Ende bei 35 mm ansetzt – was vielen Landschafts- und Innenraumfotografen oft nicht weitwinklig genug ist – bietet das neue Samyang echte 28 mm. Dieser scheinbar kleine Unterschied von 7 mm im Weitwinkelbereich ist in der Praxis monumental und erweitert den Bildwinkel drastisch.
Allerdings fordert die Physik ihren Tribut. Vergleicht man das kommende Samyang 28-135mm mit dem extrem populären Tamron 28-75mm F2.8 G2, so ist der Neuling rund 30 Prozent länger und bringt fast 60 Prozent mehr Gewicht auf die Waage. Auch gegenüber kompakteren Spezialisten wie einem hypothetischen 35-100mm f/2.8 zeigt sich das Samyang deutlich massiver. Der Gewinn an Flexibilität wird hier ganz klar mit physischer Präsenz bezahlt. Dennoch: Im Vergleich zu Canons gigantischem RF 24-105mm F2.8 L IS USM Z, das stolze 1330 Gramm wiegt, wirkt Samyangs Konstruktion mit 854 Gramm geradezu grazil. Es ist LK Samyang offensichtlich gelungen, durch den gezielten Einsatz moderner Verbundwerkstoffe und hochbrechender Glaselemente ein hochperformantes Zoomobjektiv zu konstruieren, das trotz des enormen Brennweitenbereichs noch gut aus der Hand zu halten ist.
Praktische Anwendung: Wer profitiert von 28-135mm bei f/2.8?
Dieses Objektiv richtet sich an anspruchsvolle Fotografen und Videografen, die unter dynamischen Bedingungen arbeiten und keine Zeit für Objektivwechsel haben. Allen voran steht die Hochzeits- und Eventfotografie. In der DACH-Region sind Hochzeitslocations oft extrem vielseitig: von engen, schummrigen Standesämtern in historischen Rathäusern bis hin zu weitläufigen alpinen Kulissen bei der anschließenden Feier im Freien. Mit dem Samyang 28-135mm F2.8 kann ein Fotograf den emotionalen Moment des Ringwechsels im Weitwinkel einfangen und nur eine Sekunde später eine intime Nahaufnahme der Tränen der Brautmutter bei 135 mm machen – ohne das Gehäuse wechseln zu müssen. Die durchgehende Lichtstärke von f/2.8 sorgt dabei auch in dunklen Kirchen für ausreichend Reserven und ein wunderschönes, weiches Bokeh.
Auch für ambitionierte Dokumentarfilmer und Run-and-Gun-Videografen ist die Linse ein Segen. Der integrierte Voice Coil Motor (VCM) verspricht eine nahezu geräuschlose Fokussierung, was bei der Verwendung von On-Camera-Mikrofonen essenziell ist. Die präzisen Kontrollringe, die aus der Designschmiede von Schneider-Kreuznach stammen könnten, deuten zudem auf eine hervorragende Haptik hin, die auch eine manuelle Schärfenachführung (Follow Focus) im Videobetrieb erleichtert. Dank des 82-mm-Filtergewindes lassen sich zudem standardisierte ND-Filter problemlos nutzen, was für den Erhalt der Belichtungszeit beim Filmen im hellen Tageslicht unerlässlich ist.
Marktimpakt und Verfügbarkeit im DACH-Raum
Für den deutschen und österreichischen Fotomarkt stellt diese Ankündigung eine hochinteressante Option dar. LK Samyang hat sich in den letzten Jahren in Mitteleuropa vom reinen Budget-Anbieter zu einer ernstzunehmenden Premium-Alternative entwickelt. Die optische Qualität der neueren Autofokus-Objektive steht den native Sony G-Master-Linsen oft in nichts nach, während der Preis meist deutlich verbraucherfreundlicher kalkuliert wird. Obwohl noch kein offizieller Preis für das 28-135mm F2.8 genannt wurde, spekuliert die Branche im DACH-Raum mit einem Einführungspreis von circa 1.200 bis 1.500 Euro. Damit würde sich das Objektiv perfekt unterhalb der etablierten Premium-Konkurrenz positionieren.
Der Vertrieb wird im deutschsprachigen Raum über die etablierten Fachhändler wie Calumet Photo, Foto Erhardt, Foto Koch in Deutschland sowie United Camera und Foto Leutner in Österreich abgewickelt werden. Durch die enge Kooperation mit europäischen Servicepartnern ist auch der Support im Falle von Justierungen oder Reparaturen mittlerweile auf einem sehr hohen Niveau. Wer also für das Frühjahr 2027 plant, sein Setup zu konsolidieren und das klassische ‘Zwei-Kamera-System’ gegen eine hocheffiziente Ein-Kamera-Lösung einzutauschen, sollte das Samyang 28-135mm F2.8 definitiv ganz oben auf seine Beobachtungsliste setzen. Es könnte das Objektiv werden, das den Begriff des Standard-Zooms im DACH-Markt völlig neu definiert.
Informationen für diesen Artikel basieren auf Berichten von www.dpreview.com.
Titelbild: Foto von Seungmin Yoon auf Unsplash