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OM System PEN im Test: Die perfekte Street- und Reisekamera für Ästheten?

Die neue OM System PEN vereint zeitloses Retro-Design mit moderner MFT-Technik. Erfahren Sie im Test, ob die schicke Reisekamera die Erwartungen erfüllt.

OM System PEN im Test Die perfekte Street- und Reisekamera für Ästheten

Die Idee hinter der ursprünglichen Olympus-PEN-Serie hatte etwas zutiefst Poetisches. Wie ein echter Füllfederhalter (engl. 'pen') sollte die Kamera ein ständiger Begleiter sein, den man überallhin mitnehmen kann. Ein Werkzeug, das im Alltag nützlich ist, aber auch jederzeit als kreatives Instrument dient, um flüchtige Momente, Skizzen oder Gedichte des Lebens festzuhalten. Doch die klassische PEN hatte noch eine weitere Facette: Sie war nicht nur ein Gebrauchsgegenstand, sondern auch ein stilvolles Accessoire – ein Stück funktionaler Schmuck, das elegant aus der Sakkotasche oder einer Designertasche hervorragte. Mit der neuen OM System PEN bringt der Hersteller nun das erste Modell unter dem neuen Markennamen heraus, das diese traditionsreiche Linie fortführen soll. Für Fotografen in Deutschland und Österreich, die nach einer kompakten, aber leistungsstarken Begleiterin für die Street- und Reisefotografie suchen, stellt sich die Frage: Ist die neue PEN für knapp 1.000 Euro eine echte Bereicherung oder nur eine auf hübsch getrimmte OM-5 II im Retro-Gewand?

Im direkten Vergleich zur legendären Olympus PEN-F, die von vielen Enthusiasten noch immer wie ein Heiligtum verehrt wird, schlägt die neue OM System PEN einen etwas pragmatischeren Weg ein. Während die PEN-F mit einer Fülle an mechanischen Rädchen, feinster Metallverarbeitung und einem stolzen Preis aufwartete, präsentiert sich das neue Modell minimalistischer, aufgeräumter und vor allem einsteigerfreundlicher. Das Gehäuse ist extrem flach und glatt gestaltet. Keine hervorstehenden Hebel oder kantigen Einstellräder stören den Fluss, wenn man die Kamera schnell aus einer Manteltasche oder einer eleganten Umhängetasche zieht. Mit einem Gewicht von rund 500 Gramm inklusive Akku fällt sie im Gepäck kaum auf. Die Verarbeitung der silbernen Variante wirkt durch die präzise gefrästen Metallräder sehr hochwertig, auch wenn das haptische Feedback nicht ganz an die mechanische Perfektion der alten PEN-F heranreicht.

Ein großer Pluspunkt für den Einsatz im wechselhaften mitteleuropäischen Klima ist der Staub- und Spritzwasserschutz. Wer schon einmal im herbstlichen Wien oder bei einem plötzlichen Schauer in den Alpen fotografiert hat, weiß dieses Feature schnell zu schätzen. In Kombination mit den ebenfalls wettergeschützten M.Zuiko-Objektiven bildet die PEN ein extrem robustes Gespann. Allerdings bringt das minimalistische Design auch ergonomische Kompromisse mit sich. Der Handgriff auf der Vorderseite ist extrem flach gehalten. Wer die Kamera mit größeren Händen führt oder ein etwas schwereres Objektiv montiert, wird schnell merken, dass man die Finger stark anwinkeln muss, um einen sicheren Halt zu gewährleisten. Hier wird für viele Anwender der Zukauf eines optionalen Zusatzgriffs unumgänglich sein, um ermüdungsfrei durch den Tag zu kommen.

Ein echtes Highlight, das viele beim Vorgängermodell E-P7 schmerzlich vermisst haben, ist der integrierte elektronische Sucher (EVF). Mit 2,36 Millionen Bildpunkten bietet er zwar keine Rekordwerte, liefert aber ein ausreichend scharfes und helles Bild, um auch bei direkter Sonneneinstrahlung – etwa beim Schlendern über den Münchner Viktualienmarkt – den Bildausschnitt präzise zu beurteilen. Das rückseitige, schwenk- und klappbare Display löst mit 1 Million Bildpunkten auf und eignet sich hervorragend für ungewöhnliche Perspektiven aus der Frosch- oder Vogelperspektive. Die Bedienung erfolgt flüssig, auch wenn die Menüstruktur von OM System nach wie vor eine gewisse Einarbeitungszeit erfordert.

Unter der Haube verrichtet der bewährte 20-Megapixel-Sensor im Micro-Four-Thirds-Format seine Arbeit, der auch in der OM-5 II zum Einsatz kommt. In Kombination mit dem TruePic-Bildprozessor liefert die Kamera knackige, farbintensive Bilder mit dem typischen, gefälligen Olympus-Look. Besonders spannend für Street-Fotografen ist das kreative Wählrad an der Vorderseite. Es ermöglicht den blitzschnellen Wechsel zwischen Standard-Farbprofilen und bis zu vier benutzerdefinierten Farb- und Schwarzweiß-Rezepten. So lässt sich beispielsweise ein kontrastreicher Monochrom-Look im Stil klassischer Tri-X-Filme konfigurieren, den man mit nur einem Dreh aktivieren kann. Dies lädt zum Experimentieren ein und liefert direkt einsatzbereite JPEGs aus der Kamera, ohne dass eine stundenlange Nachbearbeitung am Computer nötig ist.

Auch die computergestützten Fotofunktionen (Computational Photography), für die OM System bekannt ist, sind wieder mit an Bord. Über eine dedizierte CP-Taste gelangt man direkt zu Features wie Live ND (bis zu 4 Blendenstufen), mit dem sich fließendes Wasser auch ohne physischen Graufilter seidig weich darstellen lässt. Der integrierte 5-Achsen-Bildstabilisator (IBIS) kompensiert bis zu 5,5 Blendenstufen und sorgt selbst bei Freihandaufnahmen in der Dämmerung für gestochen scharfe Ergebnisse. Der Autofokus arbeitet in den meisten Alltagssituationen schnell und präzise. Die Motiverkennung konzentriert sich primär auf Personen (Gesichts- und Augenerkennung) sowie Haustiere, was für eine Street- und Familienkamera absolut ausreichend ist. Ambitionierte Sport- oder Wildlife-Fotografen werden jedoch die hochentwickelten Tracking-Algorithmen der OM-1-Serie vermissen.

In puncto Video liefert die PEN solide Kost, ohne jedoch neue Maßstäbe zu setzen. Sie bietet zwar 4K-Aufnahmen und das flache OM-Log-Profil, allerdings ist die Aufzeichnung auf 8-Bit limitiert, was den Spielraum beim Color Grading einschränkt. Zudem wirken die Aufnahmen im direkten Vergleich zu dedizierten Videokameras etwas weich. Für kurze Social-Media-Clips oder Urlaubserinnerungen reicht die Qualität jedoch vollkommen aus. Ein echter Segen für Reisende ist hingegen der neue BLS-7 Akku. Er sorgt für eine spürbar längere Laufzeit als der ältere BLS-50 und ermöglicht problemlos mehrere Tage intensiven Fotografierens ohne Zwischenstopp an der Steckdose.

Auf dem deutschsprachigen Markt positioniert sich die OM System PEN in einem hart umkämpften Segment. Sie tritt gegen die beliebte Fujifilm X100VI an, die zwar einen größeren APS-C-Sensor besitzt, aber auch deutlich teurer und seit Monaten kaum lieferbar ist. Eine weitere Alternative ist die Nikon Zfc, die ebenfalls im Retro-Design glänzt, jedoch über ein deutlich spärlicheres Angebot an kompakten APS-C-Objektiven verfügt. Hier spielt das Micro-Four-Thirds-System seine größte Stärke aus: Die Auswahl an ultrakompakten Festbrennweiten (wie dem M.Zuiko 17mm f/1.8 oder 45mm f/1.8) ist riesig, optisch hervorragend und passt perfekt zum kompakten Konzept der PEN. Für rund 1.000 Euro bietet OM System hier ein stimmiges Gesamtpaket, das vor allem jene anspricht, die Wert auf Stil, Kompakt- und Wetterfestigkeit legen und eine unkomplizierte Kamera für den täglichen Einsatz suchen.

📷 Kamera

📋 Technische Spezifikationen

📸 Hauptkamera
20 Megapixel Live MOS Sensor (Micro Four Thirds Format)
🎥 Video
4K Video, OM-Log (limitiert auf 8-Bit-Aufzeichnung)
⚙️ Weitere Details
5-Achsen-Bildstabilisierung (bis zu 5,5 Blendenstufen), 2,36 Mio. Punkte EVF, 1,04 Mio. Punkte voll schwenkbares LCD, neuer BLS-7 Akku, wetterfestes Gehäuse, Gewicht: ca. 500g (inkl. Akku)

✅ Vorteile (Pros)

  • Integrierter elektronischer Sucher (EVF) mit 2,36 Mio. Bildpunkten erleichtert das Arbeiten bei hellem Sonnenlicht enorm.
  • Hervorragender 5-Achsen-Bildstabilisator (IBIS) ermöglicht knackscharfe Freihandaufnahmen bei schlechten Lichtverhältnissen.
  • Kreatives Wählrad an der Front erlaubt den blitzschnellen Wechsel zu individuellen Farb- und Schwarzweiß-Rezepten.
  • Robuster Staub- und Spritzwasserschutz prädestiniert die Kamera als zuverlässigen Reisebegleiter bei jedem Wetter.
  • Nützliche computergestützte Fotofunktionen wie Live-ND und Pro-Capture erweitern die kreativen Möglichkeiten ohne Extrazubehör.
  • Deutlich verbesserte Akkulaufzeit dank des neuen BLS-7 Akkus – ideal für ausgedehnte Fototouren ohne ständiges Laden.
  • Sehr kompaktes und elegantes Retro-Design, das sich unauffällig in jeder Tasche verstauen lässt.
  • Vollständig schwenk- und klappbares Display für flexible Aufnahmewinkel und einfache Selfies.

❌ Nachteile (Cons)

  • Sehr flacher Handgriff bietet mit größeren Händen oder schwereren Objektiven zu wenig Halt.
  • Kein physischer Autofokus-Joystick vorhanden – die AF-Feld-Auswahl muss über das Touch-Display erfolgen.
  • Eingeschränkte Video-Spezifikationen mit weichen 8-Bit-Aufnahmen im OM-Log-Modus.
  • Ergonomisch unglücklich platzierte AF-ON-Taste führt in der Praxis anfangs häufig zu Fehlbedienungen.
  • Technologisch kaum Neuerungen im Vergleich zur bereits bekannten OM-5 II-Plattform.
  • Objektiv-Bildstabilisierung (Sync-IS) wird bei längeren Telebrennweiten nicht unterstützt.
  • Motiverkennung ist im Vergleich zu teureren Modellen auf Personen und Haustiere limitiert.
  • Mechanischer Verschluss ist auf maximal 1/4000 Sekunde begrenzt.

Titelbild: Foto von Griffin Wooldridge auf Unsplash

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