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OM System PEN im Test: Die perfekte kompakte Reisekamera mit Sucher und IBIS?

Die neue OM System PEN vereint die Leistung der OM-5 II mit einem kompakten Messsucher-Design samt Sucher, starkem IBIS und IPX1-Spritzwasserschutz.

OM System PEN im Test Die perfekte kompakte Reisekamera mit Sucher und IBIS

Lange mussten Fans des Micro-Four-Thirds-Systems auf ein Lebenszeichen der legendären PEN-Reihe warten. Seit der Vorstellung der E-P7 im Jahr 2021 blieb es in diesem Segment ruhig. Nun schickt OM System die neue 'OM System PEN' ins Rennen – ganz ohne Nummerierung oder Namenszusätze. Die Erwartungen in der Community waren riesig: Viele wünschten sich einen echten Nachfolger der edlen PEN-F. Die neue PEN schlägt jedoch einen etwas anderen, pragmatischeren Weg ein. Sie positioniert sich als leistungsstarke, aber bezahlbare Mittelklasse-Kamera für alle, die sich fotografisch von ihrem Smartphone emanzipieren wollen, oder als ultrakompakte Zweitkamera für anspruchsvolle Fotografen.

Was beim ersten Auspacken sofort auffällt, ist das klassische Messsucher-Design mit flacher Oberseite und dem Sucher in der linken Ecke. Im direkten Vergleich zu Konkurrenzmodellen wie der Fujifilm X100-Serie oder der extrem kompakten Lumix S9 besetzt die OM System PEN eine spannende Nische. Während die Lumix S9 komplett auf einen mechanischen Verschluss und einen Sucher verzichtet, bringt die PEN trotz ihrer kompakten Maße von 124 x 72 x 39 mm und einem Gewicht von nur 398 Gramm einen elektronischen OLED-Sucher mit. Das ist ein unschätzbarer Vorteil bei der Street-Photography an sonnigen Nachmittagen in Wien oder bei Bergtouren in den Alpen.

In Sachen Gehäusematerialien muss man im Vergleich zur historischen PEN-F allerdings Abstriche machen. Statt einer edlen Magnesiumlegierung dominiert hier hochwertiger Kunststoff. Das mindert die gefühlte Wertigkeit zwar ein wenig, sorgt aber für ein angenehm leichtes Gepäck. Ein echter Paukenschlag ist jedoch die Robustheit: OM System spendiert der Kamera eine offizielle IPX1-Zertifizierung für Spritzwasserschutz. Wer schon einmal bei plötzlichem Regen in Salzburg oder Hamburg fotografieren musste, wird diesen Schutz in Kombination mit einem entsprechend abgedichteten Objektiv schnell zu schätzen wissen.

Im Inneren der Kamera schlägt das Herz der bewährten OM-5 Mark II. Das bedeutet, dass der bekannte 20-Megapixel-Sensor im Four-Thirds-Format zum Einsatz kommt. Auch wenn dieser Sensor im Vergleich zu APS-C- oder Vollformatsensoren baubedingt Nachteile beim Rauschverhalten bei hohen ISO-Werten und bei der maximalen Dynamik hat, bietet das System entscheidende Vorteile: Die Objektive können extrem kompakt gebaut werden. Zudem profitiert die Kamera von der hervorragenden Phasen-Autofokus-Technologie (PDAF). Es ist die erste PEN-Kamera, die dieses präzise Fokussystem spendiert bekommt, was die Ausschussrate bei bewegten Motiven oder spontanen Schnappschüssen drastisch senkt.

Ein absolutes Highlight in der Praxis ist die sensorbasierte Bildstabilisierung (IBIS). In unseren Testreihen zeigte sich das System extrem leistungsfähig. Während man ohne Stabilisierung bei einer Brennweite von 14 mm (28 mm im Kleinbildäquivalent) kaum länger als 1/30 Sekunde verwacklungsfrei aus der Hand fotografieren kann, gelangen uns mit der OM System PEN scharfe Freihandaufnahmen bei Belichtungszeiten von einer, zwei und in ruhigen Momenten sogar erstaunlichen vier Sekunden. Das ermöglicht faszinierende Lichtspuren bei Nachtaufnahmen oder seidiges Wasser bei Wasserfällen, ganz ohne ein schweres Stativ mitschleppen zu müssen.

Das im Kit angebotene, neue 14-42mm III Zoom-Objektiv ist zwar ebenfalls spritzwassergeschützt, besteht jedoch fast vollständig aus Kunststoff und bietet mit einer Lichtstärke von f/3.5-5.6 nur wenig Spielraum für kreative Hintergrundunschärfe. Wer das volle Potenzial der Kamera ausschöpfen möchte, sollte sie mit einer kompakten Festbrennweite kombinieren. Das bewährte Olympus 17mm f/1.8 oder das extrem scharfe 20mm f/1.4 PRO harmonieren optisch wie auch haptisch perfekt mit dem Gehäuse und machen die PEN zu einem unauffälligen Werkzeug für die Reportage- und Street-Photography.

Kreative Fotografen werden sich über das dedizierte Profil-Wahlrad auf der Vorderseite freuen. Es erlaubt den schnellen Wechsel zwischen verschiedenen Farb- und Monochrom-Profilen, die sich individuell anpassen lassen. So entstehen hervorragende JPEG-Dateien direkt aus der Kamera, die kaum noch Nachbearbeitung erfordern. Auch die computergestützten Fotofunktionen (Computational Photography) wie 'Live ND' für digitale Graufilter-Effekte oder der hochauflösende 'High Res Shot' sind über eine eigene Taste direkt erreichbar.

Wo Licht ist, gibt es jedoch auch Schatten. Bei den Videofunktionen spürt man, dass OM System die Kamera eher für Fotografen konzipiert hat. Zwar ist 4K-Video an Bord, es fehlen jedoch moderne Features wie 10-Bit-Farbtiefe, 4K mit 60 Bildern pro Sekunde oder hochentwickelte Autofokus-Modi zur Motiverkennung für Tiere oder Fahrzeuge. Auch das Fehlen eines Fokus-Joysticks auf der Rückseite erschwert die schnelle manuelle Wahl des Fokuspunktes, wenngleich man das Display als Touchpad nutzen kann. Hier müssen Linksaugen-Fotografen jedoch aufpassen, dass sie den Fokuspunkt nicht versehentlich mit der Nase verschieben.

Mit einem Einführungspreis von rund 1.000 Euro für das Gehäuse im DACH-Raum (erhältlich bei Fachhändlern wie Calumet oder gebraucht bei MPB) ist die OM System PEN ein faires Angebot. Sie liefert die Leistung und den Wetterschutz der OM-5 II in einem deutlich kompakteren, stilvolleren Gehäuse und beweist, dass das Micro-Four-Thirds-System im Bereich der ultrakompakten Reisekameras nach wie vor eine extrem starke Alternative darstellt.

📷 Kamera

📋 Technische Spezifikationen

📸 Hauptkamera
20 Megapixel Live MOS Micro Four Thirds Sensor (17.4 x 13.0 mm)
🌄 Ultraweitwinkel
Nicht zutreffend (Wechselobjektiv-System)
🔭 Teleobjektiv
Nicht zutreffend (Wechselobjektiv-System)
🤳 Frontkamera
Nicht zutreffend (Wechselobjektiv-System)
🎥 Video
4K UHD & DCI bis zu 30p (8-Bit), Full HD bis zu 120p, Mikrofonanschluss (3,5 mm)
⚙️ Weitere Details
Phasen-Detektions-Autofokus (PDAF), 5-Achsen-Bildstabilisator (bis zu 5.5 Blendenstufen), IPX1-Spritzwasserschutz, OLED-Sucher mit 2.36 Mio. Bildpunkten, 3.0-Zoll schwenkbares Touch-Display, Gewicht: 398g (inkl. Akku BLS-7)

✅ Vorteile (Pros)

  • Integrierter elektronischer OLED-Sucher (2,36 Mio. Punkte) trotz kompakter Messsucher-Bauweise – ideal bei hellem Sonnenlicht.
  • Herausragender 5-Achsen-Bildstabilisator (IBIS), der in der Praxis scharfe Freihandaufnahmen von bis zu 4 Sekunden ermöglicht.
  • Erstmals Phasen-Autofokus (PDAF) in der PEN-Reihe für eine deutlich zuverlässigere Motivverfolgung im Vergleich zu reinen Kontrast-Systemen.
  • Robustes, nach IPX1-Standard zertifiziertes spritzwassergeschütztes Gehäuse für sorgenfreies Fotografieren bei schlechtem Wetter.
  • Dediziertes Kreativ-Wahlrad auf der Vorderseite für den schnellen Zugriff auf anpassbare Farb- und Monochrom-Profile.
  • Vollständig schwenk- und klappbares Touch-Display für maximale Flexibilität bei Selfies, Vlogs und ungewöhnlichen Perspektiven.
  • Zugang zum riesigen und extrem kompakten Micro-Four-Thirds-Objektivportfolio von OM System, Panasonic und Drittanbietern.
  • Leistungsstarke computergestützte Fotofunktionen wie Live ND und High-Res-Shot direkt per Knopfdruck abrufbar.

❌ Nachteile (Cons)

  • Gehäuse besteht überwiegend aus Kunststoff statt hochwertiger Magnesiumlegierung, was die Haptik etwas abwertet.
  • Eingeschränkte Videofunktionen ohne 4K/60p, 10-Bit-Farbtiefe oder flache Log-Profile für professionelle Postproduktion.
  • Der neue BLS-7 Akku bricht mit der Kompatibilität älterer PEN-Akkus, was für System-Umsteiger ärgerlich ist.
  • Kein physischer Fokus-Joystick vorhanden; die Fokuspunkt-Verschiebung über das Steuerkreuz ist relativ träge.
  • Gefahr von Fehlbedienungen durch 'Nasenkontakt' auf dem Touchscreen bei Fotografen, die mit dem linken Auge durch den Sucher blicken.
  • Das mitgelieferte 14-42mm III Kit-Objektiv besitzt ein Kunststoff-Bajonett und wirkt haptisch wenig überzeugend.
  • Der USB-C-Anschluss unterstützt kein schnelles Power Delivery (PD) zum Laden während des aktiven Kamera-Betriebs.

Titelbild: Foto von David G. Valor auf Unsplash

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