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Olympus PEN-F vs. OM System PEN im Test: Gebrauchte Design-Ikone oder moderne MFT-Technik?

Gebrauchter Design-Klassiker oder modernes MFT-Arbeitstier? Der Duell-Test zeigt, ob sich die legendäre Olympus PEN-F oder die OM System PEN für 1.000 Euro mehr lohnt.

Olympus PEN-F vs OM System PEN im Test Gebrauchte Design-Ikone oder moderne MFT-Technik

In der Welt der Systemkameras nimmt die Micro-Four-Thirds-Klasse (MFT) seit jeher eine Sonderstellung ein. Niemand versteht den Spagat zwischen extrem komponentenstarker Kompaktheit und emotionalem Produktdesign so gut wie die Ingenieure hinter der legendären PEN-Reihe. Wer heutzutage im Budgetbereich von etwa 1.000 Euro nach einer stilvollen, haptisch ansprechenden und hochfunktionalen Kamera für Street- und Reisefotografie sucht, stößt unvermeidlich auf eine spannende Grundsatzfrage: Greift man zu einem gebrauchten Klassiker wie der zeitlosen Olympus PEN-F oder entscheidet man sich für das moderne Nachfolgemodell unter dem Banner von OM System?

Die 2016 erschienene Olympus PEN-F gilt unter Kennern als eines der schönsten Kameragehäuse, die je das Licht der Welt erblickt haben. Entworfen von einem ambitionierten Designteam rund um Nohara Takeshi und Shirota Eiji, sollte die PEN-F kein kurzlebiger Alltagsgegenstand sein, sondern ein zeitloses Instrument, das neben einer edlen Armbanduhr oder einer hochwertigen Ledertasche eine ebenbürtige Figur macht. Aus massivem Aluminium und Magnesium gefräst, völlig ohne sichtbare Gehäuseschrauben gefertigt und mit perfekt gerändelten, stramm rastenden Einstellrädern versehen, vermittelt dieses Modell bis heute ein Anfassgefühl, das im modernen Kamerabau seinesgleichen sucht. Besonders das prägnante Rad auf der Vorderseite, mit dem sich blitzschnell zwischen individuell konfigurierbaren Monochrom- und Farbprofilen umschalten lässt, war seiner Zeit weit voraus. Was damals von manchen Analysten als Spielerei abgetan wurde, greifen Hersteller wie Fujifilm oder Panasonic heute als essenzielles Feature für direkte Out-of-Camera-JPEGs auf.

Im direkten Vergleich zeigt die neuere OM System PEN jedoch deutlich, wie viel technischer Fortschritt im MFT-Segment in den letzten Jahren stattgefunden hat – insbesondere im Bereich der Rechenfotografie (Computational Photography) und des Autofokusses. Während die originale PEN-F bei dynamischen Motiven, schwachem Umgebungslicht oder hektischen Street-Szenen spürbar an ihre Grenzen stößt und beim Motiv-Tracking gelegentlich nachführt, spielt die OM System PEN die Trümpfe moderner Algorithmen aus. Die KI-gestützte Motiverkennung arbeitet wesentlich treffsicherer, und der integrierte 5-Achsen-Bildstabilisator fängt Wackler noch effektiver ab. Funktionen wie Handheld High-Res-Shot für extrem hochauflösende Landschaftsaufnahmen ohne Stativ oder integrierte Live-ND-Filter erweitern den kreativen Spielraum in der Praxis enorm.

Für Fotografen im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich und der Schweiz) zeichnet sich auf dem Gebrauchtmarkt ein faszinierendes Phänomen ab: Die Olympus PEN-F ist extrem wertbeständig. Bei einschlägigen Händlern wie MPB, Calumet oder auf Plattformen wie Willhaben wechselt ein gut erhaltenes PEN-F-Gehäuse nach wie vor für knapp 900 bis 1.000 Euro den Besitzer. Für exakt denselben Betrag erhält man im Fachhandel bereits die neue OM System PEN als Neugerät inklusive voller Garantie.

Wer jedoch beide Gehäuse nebeneinander in die Hand nimmt, spürt sofort den Unterschied in der Fertigungsphilosophie. Um den attraktiven Preispunkt von ca. 1.000 Euro im heutigen Marktumfeld zu realisieren, musste OM System bei der Materialauswahl Kompromisse eingehen. Das Gehäuse der neueren Variante besteht stellenweise aus hochwertigem Kunststoff statt aus Vollmetall, und an der Unterseite finden sich wieder sichtbare Schraubenköpfe. In der fotografischen Praxis – etwa bei ausgedehnten Städtereisen durch Wien oder Reportagen im verregneten Hamburg – fällt dieser haptische Unterschied zwar kaum ins Gewicht, emotional spricht das Metallgehäuse der alten PEN-F jedoch eine ganz andere Sprache.

Ein weiterer praxisrelevanter Aspekt ist der Wetterschutz: Während Olympus bei der ursprünglichen PEN-F unverständlicherweise auf eine Abdichtung gegen Staub und Spritzwasser verzichtet hat, ist das neuere OM System Gehäuse deutlich besser auf widrige Witterungsbedingungen vorbereitet. Wer gerne bei Nieselregen oder im winterlichen Gebirge unterwegs ist, findet in der modernen Variante das verlässlichere Werkzeug.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die alte Olympus PEN-F ist eine Kamera fürs Herz. Sie inspiriert durch ihr makelloses Finish, das geniale monochrome Farbprofil-Wahlrad und ein unvergleichliches Schussgefühl bei Street-Walks. Die OM System PEN hingegen ist das rational überlegene Werkzeug: Sie bietet modernen Autofokus, überlegene Rechenfunktionen, bessere Stabilisierung und volle Garantie zum gleichen Preis. Wer maximale Leistung im kompakten MFT-Format sucht, greift zum Neugerät; wer das pure, ästhetische Kameraerlebnis sucht, wird den Kauf einer gebrauchten PEN-F niemals bereuen.

📷 Kamera

📋 Technische Spezifikationen

📸 Hauptkamera
20,3 MP Live MOS Micro Four Thirds Sensor (ohne Tiefpassfilter)
🌄 Ultraweitwinkel
Nicht zutreffend (Wechselobjektivsystem für MFT-Bajonett)
🔭 Teleobjektiv
Nicht zutreffend (Wechselobjektivsystem für MFT-Bajonett)
🤳 Frontkamera
Nicht zutreffend
🎥 Video
Full HD / 4K Videoaufnahme je nach Modellvariante, Stereomikrofon-Eingang
⚙️ Weitere Details
Integrierter 2,36-Mio.-Punkte-EVF, 5-Achsen-Bildstabilisator (IBIS bis zu 5 Stop-Stufen), mechanischer Verschluss bis 1/8000s, Gehäusegewicht ca. 427g

✅ Vorteile (Pros)

  • ✓Ikonisches, zeitloses Retro-Design aus massivem Aluminium und Magnesium ohne sichtbare Gehäuseschrauben (PEN-F)
  • ✓Herausragendes physisches Wahlrad an der Front für direkten Zugriff auf erweiterte Farb- und Schwarzweiß-Profile
  • ✓Überlegene Rechenfotografie-Funktionen wie Handheld High-Res und Live-ND bei der modernen OM System PEN
  • ✓Spürbar verbesserter Autofokus mit moderner KI-Motiverkennung für verlässliches Tracking bei dynamischen Motiven
  • ✓Hervorragende 5-Achsen-Bildstabilisierung für gestochen scharfe Freihandaufnahmen selbst bei langen Belichtungszeiten
  • ✓Riesiges Ökosystem an extrem kompakten und optisch brillanten MFT-Festbrennweiten (z.B. 17mm f/1.8, 25mm f/1.8, 45mm f/1.8)
  • ✓Gutes Handling und kompakte Abmessungen – ideal für Street-Photography und ausgedehnte Städtereisen
  • ✓Extrem hohe Wertbeständigkeit der Olympus PEN-F auf dem Gebrauchtmarkt im DACH-Raum

❌ Nachteile (Cons)

  • ✗Fehlender Spritzwasser- und Staubschutz bei der originalen Olympus PEN-F schränkt die Nutzung bei Schlechtwetter ein
  • ✗Die neuere OM System PEN setzt auf Kunststoffkomponenten und wirkt haptisch spürbar weniger edel als das Original
  • ✗Der 2,36-Millionen-Punkte-Sucher ist zwar ordentlich, entspricht aber nicht mehr dem aktuellsten Stand der Technik
  • ✗Älterer Kontrast-Autofokus der PEN-F gerät bei wenig Licht oder schnellen Objekten schnell an seine Grenzen
  • ✗Fehlendes Belichtungskorrekturrad und fehlendes Auslöser-Gewinde bei manchen moderneren Modellvarianten
  • ✗Keine dedizierte AF-ON-Taste für Back-Button-Focus ohne Belegung einer Custom-Taste
  • ✗Micro-Four-Thirds-typische physikalische Grenzen beim Freistellpotenzial und High-ISO-Rauschen im Vergleich zu Vollformat

Titelbild: Foto von motomoto sc auf Unsplash

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