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Nikon Z5 IIC im Test: Kompakte Vollformat-Schönheit ohne Sucher – Geniestreich oder Fehltritt?

Die Nikon Z5 IIC verzichtet mutig auf den Sucher und liefert dafür erstklassige Vollformat-Performance im ultrakompakten Retro-Gehäuse zum attraktiven Preis.

Nikon Z5 IIC im Test Kompakte Vollformat-Schönheit ohne Sucher Geniestreich oder Fehltritt

Der Markt für spiegellose Vollformatkameras hat in den letzten Jahren eine interessante Dynamik entwickelt. Während professionelle Gehäuse immer komplexer, schwerer und teurer werden, wächst auf der anderen Seite die Nachfrage nach kompakten, stilvollen und dennoch extrem leistungsfähigen Kameras für den Alltag, die Reise- und die Street-Fotografie. Nikon reagiert auf diesen Trend mit einer überraschenden Neuvorstellung: der Nikon Z5 IIC. Nach dem Erfolg der hervorragenden, aber preislich höher angesiedelten Z5 II bringt der japanische Hersteller nun ein Schwestermodell auf den Markt, das vor allem durch ein radikales Redesign und einen attraktiven Einstiegspreis auffällt. Für eine unverbindliche Preisempfehlung von rund 1.399 Euro im deutschen und österreichischen Fachhandel positioniert sich die Z5 IIC als besonders erschwinglicher Einstieg in die Vollformat-Welt. Doch das kompaktere Gehäuse und der günstigere Preis erfordern einen drastischen Verzicht: Nikon hat den elektronischen Sucher (EVF) komplett weggelassen.

Beim ersten Auspacken der Nikon Z5 IIC fällt sofort die veränderte Ästhetik ins Auge. Die flache Oberseite, die besonders in der silbernen Farbvariante an klassische analoge Messsucherkameras erinnert, verleiht der Kamera einen extrem modernen und eleganten Look. Mit einem Gewicht von nur 620 Gramm ist sie spürbar leichter als die reguläre Z5 II, die 700 Gramm auf die Waage bringt. Was im Praxistest besonders positiv auffällt: Trotz des kompakteren Designs hat Nikon den ausgeprägten Handgriff beibehalten. Im Gegensatz zu Konkurrenten wie der Panasonic Lumix S9, die sich ohne optionalen Zusatzgriff oft wie ein rutschiges Stück Seife anfühlt, liegt die Z5 IIC selbst mit schwereren Festbrennweiten wie dem Nikkor Z 50mm f/1.8 S sicher und ergonomisch in der Hand. Das ist ein riesiger Pluspunkt für Fotografen, die den ganzen Tag in den Straßen von Wien, Berlin oder München unterwegs sind und die Kamera schussbereit in der Hand tragen wollen.

Allerdings verlangt das schlanke Gehäuse auch ergonomische Kompromisse. Der praktische AF-Joystick auf der Rückseite wurde eingespart, ebenso wie eine dedizierte AF-ON-Taste. In der fotografischen Praxis erweist sich dies jedoch als weniger dramatisch als zunächst befürchtet. Die gut erreichbare AE-L/AF-L-Taste lässt sich im Menü problemlos als AF-ON-Taste konfigurieren. Wer den Autofokuspunkt manuell verschieben möchte, muss dies nun über das Steuerkreuz tun, was durch Drücken der OK-Taste (die den Fokuspunkt sofort wieder ins Zentrum setzt) und das exzellente 3D-Tracking der Kamera weitgehend kompensiert wird. Das 3D-Tracking klebt förmlich an den Motiven, sodass ein manuelles Verschieben des Fokusfelds im Alltag ohnehin seltener nötig ist.

Die gravierendste Änderung betrifft zweifellos den Wegfall des elektronischen Suchers. Für traditionelle Fotografen, die das Bildkomponieren durch den Sucher gelernt haben, ist dies eine spürbare Umstellung. Es zeigt sich im Alltag, dass man die Kamera instinktiv immer wieder ans Auge führen möchte – nur um dann enttäuscht gegen die flache Metallplatte zu blicken. Hinzu kommt, dass Nikon beim verbleibenden 3,2-Zoll-Display leider den Rotstift angesetzt hat. Statt des hochauflösenden 2,1-Millionen-Bildpunkte-Displays der Z5 II kommt in der Z5 IIC ein Panel mit lediglich 1,04 Millionen Bildpunkten zum Einsatz. Bei strahlendem Sonnenschein, beispielsweise bei Landschaftsaufnahmen in den Alpen, macht sich diese reduzierte Auflösung negativ bemerkbar. Die Beurteilung der kritischen Schärfe oder das manuelle Fokussieren erfordern hier deutlich mehr Konzentration und häufiges Hineinzoomen ins Bild.

Unter der Haube verrichtet jedoch bewährte und extrem leistungsstarke Technik ihren Dienst. Der verbaute 24-Megapixel-Vollformatsensor ist ein Klassiker, der für seine hervorragende Bildqualität, exzellente Dynamik und ein sehr sauberes Rauschverhalten bei hohen ISO-Werten bekannt ist. Gerade Landschaftsfotografen werden die enormen Reserven in den Tiefen zu schätzen wissen. Wer kontrastreiche Szenen zur blauen Stunde fotografiert, kann unterbelichtete Schattenbereiche in der Nachbearbeitung erstaunlich weit aufhellen, ohne dass störendes Bildrauschen das Foto unbrauchbar macht. Auch die Farbwiedergabe überzeugt auf ganzer Linie. Nikon-typisch sind die Hauttöne natürlich und warm. Die direkt in der Kamera anwählbaren Picture Controls – wie das hervorragende 'Rich Tone Monochrome' für kontrastreiche Schwarz-Weiß-Aufnahmen – laden dazu ein, exzellente JPEGs direkt aus der Kamera über die SnapBridge-App auf das Smartphone zu übertragen.

Ein absolutes Highlight der Z5 IIC ist der integrierte Bildstabilisator (IBIS). Mit einer Kompensation von bis zu 7,5 Blendenstufen im Zentrum liefert das System eine beeindruckende Performance ab. Bei nächtlichen Street-Aufnahmen ließen sich problemlos scharfe Freihandaufnahmen mit Belichtungszeiten von 1/4 Sekunde erzielen. Das spart in vielen Situationen das Mitschleppen eines schweren Stativs. Ergänzt wird dies durch den Autofokus, der direkt aus den teureren Profimodellen übernommen wurde. Die Motiverkennung arbeitet blitzschnell und erkennt Menschen, Tiere sowie Fahrzeuge zuverlässig. Sogar ein spezieller Modus zur Erkennung von Fischen ist an Bord – ein nettes Feature für Aquariums-Besucher, wenn auch im Fotoalltag eher eine Randnotiz.

Für wen ist die Nikon Z5 IIC also die richtige Wahl? Wer hauptsächlich mit dem Display arbeitet, Videos aufnimmt oder eine möglichst unauffällige, leichte Vollformatkamera für die Reise sucht, bekommt hier ein fantastisches Werkzeug zu einem extrem fairen Preis. Die Ersparnis von rund 450 Euro gegenüber der Z5 II lässt sich hervorragend in ein hochwertiges Objektiv wie das ultra-kompakte Nikkor Z 40mm f/2 investieren. Wer hingegen den Sucher als essenzielles Werkzeug für die Bildgestaltung und die Stabilität beim Halten der Kamera ansieht, sollte den Aufpreis zur Z5 II definitiv in Kauf nehmen. Auch Hochzeits- und Eventfotografen, die auf die Sicherheit von zwei Speicherkartenslots angewiesen sind, werden mit dem einzelnen UHS-II-Slot der Z5 IIC an ihre Grenzen stoßen. Dennoch zeigt Nikon mit der Z5 IIC, dass Vollformat nicht schwer und unbezahlbar sein muss.

📷 Kamera

📋 Technische Spezifikationen

📸 Hauptkamera
24 Megapixel Vollformat-CMOS-Sensor
🌄 Ultraweitwinkel
Nicht zutreffend (Wechselobjektiv-Anschluss)
🔭 Teleobjektiv
Nicht zutreffend (Wechselobjektiv-Anschluss)
🤳 Frontkamera
Nicht zutreffend
🎥 Video
4K bis 30p (oversampled, kein Crop), 4K@60p (mit 1.5x APS-C Crop), 10-Bit N-Log, N-RAW-Aufnahme direkt auf SD-Karte
⚙️ Weitere Details
5-Achsen-Bildstabilisierung (IBIS) bis zu 7,5 Blendenstufen, 1x UHS-II SD-Kartenslot, EN-EL15C Akku (ca. 350 CIPA-Bilder), Gewicht: 620g, kein EVF, 3,2-Zoll klapp- und schwenkbares LCD mit 1,04 Mio. Bildpunkten

✅ Vorteile (Pros)

  • ✓Hervorragende Bildqualität und enormer Dynamikumfang dank des bewährten 24-MP-Vollformatsensors.
  • ✓Hocheffektiver 5-Achsen-Bildstabilisator (IBIS) mit bis zu 7,5 Blendenstufen Kompensation für scharfe Freihandaufnahmen bei wenig Licht.
  • ✓Fortschrittlicher Autofokus mit präzisem 3D-Tracking und zuverlässiger Motiv- und Augenerkennung für Menschen und Tiere.
  • ✓Kompaktes, leichtes Gehäuse (620g) im eleganten Retro-Look mit flacher Oberseite – ideal für unauffällige Street-Fotografie.
  • ✓Sehr gute Ergonomie trotz kompakter Maße dank eines ausgeprägten, tiefen Handgriffs, der auch mit größeren Objektiven sicheren Halt bietet.
  • ✓Umfangreiche Videofunktionen inklusive 10-Bit N-Log und der Möglichkeit zur internen N-RAW-Aufnahme auf SD-Karte.
  • ✓Erstmalig integrierte Motivprogramme (Scene Modes) im Vollformatbereich, was Einsteigern den Wechsel erleichtert.
  • ✓Sehr gute Akkulaufzeit mit dem bewährten EN-EL15C Akku, der im realen Einsatz weit über die CIPA-Spezifikation hinausreicht.

❌ Nachteile (Cons)

  • ✗Kein elektronischer Sucher (EVF) vorhanden, was die Bildkomposition bei hellem Sonnenlicht spürbar erschwert.
  • ✗Deutlich reduzierte Display-Auflösung von nur 1,04 Mio. Bildpunkten im Vergleich zur Z5 II, was die Schärfebeurteilung mühsam macht.
  • ✗Nur ein einzelner UHS-II SD-Kartenslot vorhanden – für professionelle Einsätze mit Backup-Anspruch ungeeignet.
  • ✗Kein physischer AF-Joystick zur schnellen Auswahl des Fokusfeldes vorhanden.
  • ✗Spürbarer APS-C-Crop (1,5x) bei Videoaufnahmen in 4K mit 60p, was den Weitwinkeleffekt stark einschränkt.
  • ✗Keine dedizierte AF-ON-Taste auf der Rückseite vorhanden (muss über die AE-L/AF-L-Taste umprogrammiert werden).
  • ✗Geringe Sensorauslesegeschwindigkeit führt bei Nutzung des elektronischen Verschlusses zu sichtbarem Rolling-Shutter-Effekt.
  • ✗Interne N-RAW-Videofunktion liefert aufgrund der Komprimierungsmethode ein relativ verrauschtes und detailarmes Bild.

Titelbild: Foto von Stephen Scarboro auf Unsplash

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