Die Sensation aus Wetzlar: Leica stellt das Summicron-M 66mm f/2 vor
Leica Camera hat mit der Ankündigung des Summicron-M 66mm f/2 für eine handfeste Überraschung in der weltweiten Fotografie-Community gesorgt. Das neue Objektiv ist eine offizielle Neuinterpretation des legendären Elcan 66mm f/2, das Ende der 1960er Jahre von dem genialen Optikdesigner Dr. Walter Mandler bei Ernst Leitz Canada (ELCAN) entwickelt wurde. Ursprünglich für militärische Zwecke und Spionageanwendungen konzipiert, bringt Leica diesen historischen Schatz nun in das moderne M-System. Diese Ankündigung markiert einen weiteren Meilenstein in Leicas Strategie, historische Meilensteine der Optikgeschichte für die digitale Ära wiederzubeleben und anspruchsvollen Fotografen Werkzeuge mit unverwechselbarem Charakter an die Hand zu geben.
Vom Kalten Krieg ins 21. Jahrhundert: Der historische Kontext
Um die Tragweite dieser Veröffentlichung zu verstehen, muss man tief in die Geschichte des Kalten Krieges eintauchen. Ernst Leitz Canada in Midland, Ontario, war jahrzehntelang das Epizentrum für Spezialentwicklungen. Unter der Leitung von Dr. Walter Mandler entstanden dort Objektive, die oft die Grenzen des physikalisch Machbaren verschoben. Das originale Elcan 66mm f/2 wurde unter strenger Geheimhaltung für die US-Streitkräfte entwickelt. Es musste extremen Umweltbedingungen standhalten und gleichzeitig eine bis dahin unerreichte Auflösung in der Bildmitte liefern, um Luftbildaufnahmen und Spionagefotos präzise auswerten zu können. Im Gegensatz zu kommerziellen Objektiven der damaligen Zeit stand hier nicht die harmonische Hintergrundunschärfe (Bokeh) im Vordergrund, sondern die absolute Detailwiedergabe unter widrigsten Lichtverhältnissen. Mandler nutzte bahnbrechende mathematische Berechnungen, um Abbildungsfehler zu minimieren, lange bevor Computer-Aided Design (CAD) zum Standard wurde. Das neue Summicron-M 66mm f/2 übernimmt diese historische DNA, wird jedoch mit modernen Glassorten und modernsten Antireflexbeschichtungen (Multi-Coating) ausgestattet, um den Anforderungen moderner Digitalsensoren gerecht zu werden, ohne den klassischen, fast dreidimensionalen Bildcharakter des Originals zu verlieren.
Optische Charakteristik und die Magie der 66mm-Brennweite
Die Brennweite von 66mm nimmt eine faszinierende Sonderstellung ein. Im klassischen Messsucher-System von Leica sind Fotografen meist an die Brennweiten 28mm, 35mm, 50mm, 75mm und 90mm gewöhnt. Ein 66mm-Objektiv bricht mit diesen Sehgewohnheiten. Es ist länger als ein Standard-Normalobjektiv (50mm), aber kürzer als ein klassisches Porträtobjektiv (75mm oder 90mm). Diese goldene Mitte bietet eine einzigartige Perspektive. Für Porträtfotografen bedeutet dies, dass sie nah genug am Motiv arbeiten können, um eine intime Verbindung aufzubauen, während die Brennweite von 66mm bereits eine elegante optische Kompression bietet, die Gesichtszüge äußerst vorteilhaft und ohne die typischen Weitwinkelverzerrungen eines 50mm-Objektivs darstellt. Auch in der Reportage- und Streetfotografie eröffnet das Summicron-M 66mm f/2 neue kreative Spielräume. Es erlaubt es dem Fotografen, etwas weiter im Hintergrund zu bleiben und dennoch intime, hochauflösende Momente einzufangen. Die Lichtstärke von f/2 sorgt in Kombination mit der leicht längeren Brennweite für eine hervorragende Freistellung des Motivs vom Hintergrund, wobei das Bokeh durch die historische Linsenkonstruktion einen ganz eigenen, malerischen Charakter aufweisen dürfte – ein bewusster Kontrast zu den oft klinisch perfekt gerechneten modernen APO-Objektiven.
Die Herausforderung der Fokussierung am Messsucher
Ein kritischer Aspekt, den Fotografen bei der praktischen Arbeit mit dem Summicron-M 66mm f/2 berücksichtigen müssen, ist die Fokussierung und Bildkomposition über den optischen Messsucher einer Leica M. Da klassische Leica-M-Kameras keine nativen Einspiegelungsrahmen (Framelines) für die Brennweite 66mm besitzen, stellt dies eine interessante technische Herausforderung dar. In der Praxis wird das Objektiv vermutlich die Rahmen für 50mm oder 75mm aktivieren. Fotografen müssen sich also auf ihr visuelles Gespür verlassen oder auf moderne Hilfsmittel wie den elektronischen Aufstecksucher (Visoflex 2) oder das Live-View-Display von Kameras wie der Leica M11 oder M10 zurückgreifen. Diese Kombination aus historischer Optik und moderner digitaler Präzision ermöglicht eine extrem exakte Fokussierung, die gerade bei einer Offenblende von f/2 und der damit einhergehenden geringen Schärfentiefe unerlässlich ist. Die mechanische Haptik des Fokussierrings, die für Leica typische spielfreie Führung und der perfekt austarierte Drehwiderstand machen das manuelle Scharfstellen zu einem fast meditativen Erlebnis, das im krassen Gegensatz zum schnellen Autofokus-Alltag moderner spiegelloser Kamerasysteme steht.
Marktanalyse und Relevanz für den DACH-Raum
Für den Fotomarkt in Deutschland und Österreich ist diese Vorstellung von enormer Bedeutung. Die DACH-Region beherbergt eine der treuesten und kaufkräftigsten Leica-Communities weltweit. Sammler und aktive Fotografen in Städten wie Wien, München, Berlin und Frankfurt schätzen nicht nur die mechanische Präzision Made in Germany, sondern investieren auch gezielt in limitierte Editionen und historische Reissues. Das Summicron-M 66mm f/2 wird zweifellos als Premium-Produkt positioniert werden. Es ist davon auszugehen, dass die Stückzahlen limitiert sein werden, was die Begehrlichkeit im Fachhandel massiv steigern dürfte. Leica-Stores in Wien (wie der renommierte Store in der Inneren Stadt) oder der Leica-Hauptsitz im Leitz-Park in Wetzlar werden die primären Anlaufstellen für dieses optische Juwel sein. Aus Investitionssicht zeigen historische Leica-Reissues wie das Thambar 90mm f/2.2 oder das Summaron-M 28mm f/5.6 eine extreme Wertstabilität und oft sogar signifikante Wertsteigerungen auf dem Gebrauchtmarkt. Wer das Glück hat, eines der ersten Exemplare über den autorisierten DACH-Fachhandel zu ergattern, erwirbt nicht nur ein hochpräzises Werkzeug für die tägliche Praxis, sondern auch ein wertstabiles Sammlerobjekt, das die Brücke zwischen der analogen Pionierzeit und der hochauflösenden digitalen Gegenwart schlägt.
Informationen für diesen Artikel basieren auf Berichten von petapixel.com.
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