Die Sensation im extremen Nahbereich: Venus Optics stellt die Aksen-Serie vor
Venus Optics hat mit der Ankündigung der Aksen Ultra Macro Serie die Fachwelt überrascht. Die beiden Neuzugänge – das Laowa Aksen 45mm f/2.8 und das Laowa Aksen 17.5mm f/1.7 – versprechen nicht weniger als eine technologische Revolution in der Extrem-Makrofotografie. Mit Abbildungsmaßstäben von 1-5x beziehungsweise 5-10x dringen diese Vollformat-Objektive in Bereiche vor, die bisher fast ausschließlich spezialisierten Lupenobjektiven oder Mikroskopen vorbehalten waren. Das absolute Highlight dieser Neuentwicklungen ist jedoch ihre parfokale Konstruktion: Einmal scharfgestellt, bleibt der Fokus über den gesamten Zoombereich hinweg konstant. Für Fotografen in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH), die in der wissenschaftlichen Dokumentation, der Forensik oder der High-End-Produktfotografie tätig sind, eröffnet dies völlig neue, hocheffiziente Arbeitsweisen.
Ein historischer Meilenstein: Parfokalität trifft auf extreme Vergrößerung
Um die Tragweite dieser Ankündigung zu verstehen, muss man einen Blick auf die Geschichte der Lupenobjektive werfen. Bisher galt das legendäre Canon MP-E 65mm f/2.8 1-5x Macro Photo als unangefochtener Goldstandard für extreme Vergrößerungen. Doch dieses Objektiv, so genial es auch war, litt unter einer gravierenden Einschränkung: Es war nicht parfokal. Änderte man den Abbildungsmaßstab, verschob sich die Fokusebene so massiv, dass das Motiv komplett aus dem Fokus geriet. Fotografen mussten zeitaufwendig mit präzisen Einstellschlitten hantieren, um den Fokuspunkt mühsam wiederzufinden. Auch Venus Optics selbst hatte mit dem beliebten Laowa 25mm f/2.8 2.5-5x Ultra Macro bereits ein extrem scharfes Lupenobjektiv im Portfolio, welches jedoch dieselbe mechanische Hürde aufwies.
Die Aksen-Serie eliminiert dieses Problem nun vollständig. Parfokale Zoom-Mechaniken sind mechanische Meisterwerke, die man sonst nur aus der High-End-Kinematografie kennt. Dass eine solche Präzision nun im mikroskopischen Bereich bei Abbildungsmaßstäben von bis zu 10:1 realisiert wird, unterstreicht die optische Ingenieurskunst von Venus Optics. Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Physik der Beugungsunschärfe. Bei extremen Vergrößerungen wird die effektive Blende nach der Formel Effektive Blende = Nominale Blende * (1 + Abbildungsmaßstab) berechnet. Bei einer 10-fachen Vergrößerung wird aus einer nominalen Blende von f/1.7 eine effektive Blende von knapp f/18.7. Hätte das Objektiv nur eine Lichtstärke von f/2.8, läge die effektive Blende bereits bei f/30.8 – ein Bereich, in dem die Beugungsunschärfe feine Details gnadenlos vernichtet. Die extrem hohe Lichtstärke des 17.5mm f/1.7 ist daher kein reines Marketing-Feature, sondern eine physikalische Notwendigkeit für maximale Bildschärfe.
Workflow-Revolution für Studio, Wissenschaft und Industrie
Die praktischen Vorteile im täglichen Studio-Workflow sind kaum zu überschätzen. Insbesondere bei der Erstellung von Fokus-Reihen (Focus Stacking) – einer im Extrem-Makrobereich unerlässlichen Technik, da die Schärfentiefe bei 10-facher Vergrößerung oft nur wenige Mikrometer beträgt – ist die Parfokalität ein echter Game-Changer. Fotografen können nun den gewünschten Bildausschnitt und den exakten Abbildungsmaßstab dynamisch anpassen, ohne den mühsam voreingestellten Fokuspunkt zu verlieren. Das spart im Studio wertvolle Zeit, besonders bei empfindlichen oder flüchtigen Motiven.
Neben der klassischen Naturfotografie (wie der Entomologie und Mineralogie) eröffnen sich vor allem in der DACH-Region enorme Potenziale in der industriellen Qualitätssicherung und Medizintechnik. In den High-Tech-Clustern wie ‘Silicon Saxony’ in Dresden oder den Medizintechnik-Zentren in Tuttlingen und Linz ist die präzise Dokumentation mikroskopischer Bauteile oder chirurgischer Instrumente geschäftskritisch. Die Aksen-Objektive erlauben es Qualitätsprüfern, nahtlos von einer Übersicht (1x) zu einer extremen Detailanalyse (5x oder 10x) zu zoomen, ohne das Kamerasystem physisch bewegen zu müssen. Das beschleunigt den Prüfprozess drastisch und minimiert Fehlerquellen.
Marktanalyse DACH: Verfügbarkeit, Vertrieb und Preisstruktur
Für den deutschen und österreichischen Markt stellt sich unmittelbar die Frage nach Vertrieb, Preisen und Service. Da Venus Optics traditionell über etablierte Distributoren wie die B.I.G. Brenner Import und Handels GmbH in Deutschland vertrieben wird, ist mit einer schnellen Verfügbarkeit im gehobenen Fotofachhandel zu rechnen. Spezialisierte Händler wie Foto Erhardt, Calumet Photographic oder Foto Kücher in Österreich werden diese Optiken voraussichtlich zeitnah nach dem offiziellen Release listen.
Preislich dürften sich die Aksen-Objektive aufgrund ihrer komplexen inneren Mechanik und der extremen Fertigungstoleranzen im Premium-Segment für manuelle Spezialobjektive bewegen. Dennoch werden sie im Vergleich zu industriellen Mikroskopsystemen oder hochspezialisierten Tubusobjektiven (wie den Mitutoyo-Plan-Apochromaten) eine hochattraktive, flexible und vor allem mobil einsetzbare Alternative darstellen. Für professionelle Studios amortisiert sich diese Investition schnell durch die drastische Zeitersparnis beim Set-Aufbau und beim anschließenden Stacking-Prozess in Programmen wie Helicon Focus oder Zerene Stacker. Venus Optics zementiert mit der Aksen-Serie einmal mehr seinen Ruf als innovativster Vorreiter im Makrosegment.
Informationen für diesen Artikel basieren auf Berichten von petapixel.com.
Titelbild: Foto von Cemrecan Yurtman auf Unsplash

