Kamera

Sigma FP2 im Test: Ultrakompakte Vollformat-Kinokamera im L-Mount-System

Die Sigma FP2 überzeugt im Test als ultrakompakte, modulare Vollformat-Kinokamera mit 6K Open Gate, Partially-Stacked-Sensor und erstklassigen Rigging-Optionen.

Blendo

Sieben Jahre nach der Vorstellung der ursprünglichen Sigma fp und fünf Jahre nach der fp L bringt Sigma mit der FP2 eine konsequente Weiterentwicklung seines extrem kompakten, modularen Vollformatkonzepts auf den Markt. Mit Gehäuseabmessungen von gerade einmal 113 x 70 x 42 mm und einem Gewicht von 460 Gramm inklusive Akku untermauert das Modell seinen Anspruch, eine der kleinsten – wenn nicht die kleinste – Vollformat-Kinokameras auf dem Markt zu sein. Angesiedelt bei einem Einstiegspreis von rund 2.200 Euro für das reine Gehäuse sowie etwa 2.700 Euro in Kit-Varianten mit dem 50mm f/2 DG-Objektiv oder dem optionalen Klapp-Sucher (EVF), richtet sich die Kamera gezielt an professionelle Videografen, Filmemacher und professionelle Content-Creator im L-Mount-Ökosystem.

Herzstück der Sigma FP2 ist ein neuer 24,5-Megapixel-Vollformatsensor in Partially-Stacked-Bauweise. Diese Sensorarchitektur sorgt für deutlich schnellere Auslesezeiten, was Rolling-Shutter-Effekte und Bildverzerrungen bei schnellen Schwenks oder Action-Aufnahmen im Vergleich zum Vorgänger massiv reduziert. In Kombination mit einem neuentwickelten Phasen-Autofokus (PDAF), der nun auch moderne Motiverkennung für Menschen und Tiere (inklusive Vögel) mitbringt, zieht Sigma mit aktuellen Standards der Konkurrenz gleich. Bei den Videoformaten lässt die FP2 kaum Wünsche offen: 6K Open Gate im 3:2-Format steht mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde bereit, während 6K im 16:9-Format mit bis zu 60p aufgezeichnet werden kann. Überraschend flexibel zeigt sich auch der 4K-Modus, der ungedrosselt bis 60p läuft und bei Nutzung eines Super35-Crops (1,57-fach) sogar 120 Bilder pro Sekunde erlaubt. Wer maximale Bildqualität für die Nachbearbeitung sucht, kann über den schnellen USB-C-Anschluss ProRes RAW und RAW HQ direkt auf externe SSDs streamen.

Im Praxiseinsatz zeigt sich schnell die besondere Philosophie des Gehäusedesigns. Die FP2 verzichtet zugunsten der extrem kompakten Abmessungen und des Wärmemanagements bewusst auf einen internen optischen Bildstabilisator (IBIS) sowie einen mechanischen Verschluss. Stattdessen setzt Sigma auf eine robuste Bauweise mit ausgeprägtem Wetterschutz und zahlreichen Gewindeanschlüssen (1/4 Zoll an den Seiten und der Unterseite), die das direkte Rigging in Gimbals, Cages oder an Film-Setups spürbar erleichtern. Für ein besseres Handling beim Dreh wurde das Display nun neigbar konstruiert: Es lässt sich um 90 Grad nach oben und etwa 45 Grad nach unten schwenken, wodurch ein integrierter passiver Kühlkörper frei liegt. Selbst bei knapp einstündigen Daueraufnahmen in 4K bei 25p erwärmt sich die Kamera nur minimal und hält ohne aktive Lüftergeräusche stabil durch.

In der Praxis ergeben sich direkte Vergleiche zum aktuellen L-Mount-Markt in Deutschland und Österreich. Auf der einen Seite steht die Panasonic Lumix S9, die zum halben Preis eine extrem zugängliche Alternative für Vlogger und Gelegenheitsfilmer darstellt. Während die S9 zwar IBIS und ein vollständig ausklappbares Selfie-Display bietet, punktet die Sigma FP2 bei professionellen Einsätzen mit ihrem deutlich robusteren Gehäuse, dem schnelleren Sensor ohne ausgeprägten Skewing-Effekt, besseren Rigging-Optionen sowie der Möglichkeit, den erstklassigen optionalen elektronischen Sucher (5,76 Mio. Bildpunkte, um 90 Grad neigbar) aufzustecken. Auf der anderen Seite steht die deutlich teurere Panasonic Lumix S1 II. Diese bietet zwar IBIS, integrierten Sucher, mechanischen Verschluss und interne ProRes-RAW-Aufzeichnung über CFexpress, ist jedoch spürbar schwerer und sperriger. Die Sigma FP2 füllt genau die Nische dazwischen: Ein kompromissloser, modularer Video-Baustein, der auf Rigs und Gimbals hervorragend austariert werden kann und durch das L-Mount-System Zugriff auf das umfangreiche Objektivportfolio von Sigma, Panasonic und Leica bietet.

📷 Kamera

📋 Technische Spezifikationen

📸 Hauptkamera
24,5 MP Vollformatsensor (Partially Stacked), L-Mount, elektronischer Verschluss
🎥 Video
6K Open Gate (3:2 bis 30p, 16:9 bis 60p), 4K bis 60p (Vollformat) / 120p (Super35 1,57x Crop), ProRes RAW & RAW HQ extern via SSD, L-Log, H.264/H.265
⚙️ Weitere Details
Kein IBIS, Phasen-Autofokus (PDAF) mit Motiverkennung, 70 GB interner Speicher, neigbares 3.0" Display (90° hoch, 45° runter), passives Kühlkonzept, optionale EVF-Erweiterung (5,76 Mio. Dots), 2x USB-C, Full-Size HDMI, 3.5mm Klinke, UHS-II SD-Slot, 113 x 70 x 42 mm, 460 g

✅ Vorteile (Pros)

  • ✓Hervorragende Bild- und Videoqualität dank 24,5 MP Partially-Stacked-Vollformatsensor mit minimalem Rolling-Shutter
  • ✓Extrem kompaktes, robustes und wettergeschütztes Aluminium-Gehäuse – perfekt für Rigs, Cages und Gimbals
  • ✓Umfangreiche Videospezifikationen inklusive 6K Open Gate und ProRes RAW-Ausgabe auf externe SSDs
  • ✓Zuverlässiger Phasen-Autofokus (PDAF) mit präziser Nachführung und automatischer Motiverkennung für Personen und Tiere
  • ✓Flexibles modulares Zubehörkonzept mit erstklassigem, neigbarem Aufsteck-EVF (5,76 Millionen Bildpunkte)
  • ✓Neigbares Display verbessert die Ergonomie bei bodennahen oder überkopf geführten Perspektiven
  • ✓Full-Size HDMI-Anschluss und zwei separate USB-C-Ports für simultanen Zubehör- und SSD-Betrieb
  • ✓Sehr gutes passives Wärmemanagement ohne störende Lüftergeräusche selbst bei langen 4K-Aufnahmen

❌ Nachteile (Cons)

  • ✗Keine integrierte Sensor-Bildstabilisierung (IBIS) – erfordert stabilisierte Objektive, Gimbals oder Nachbearbeitung via Gyro-Daten
  • ✗Ausschließlich elektronischer Verschluss begrenzt den Einsatzbereich bei reiner Stills-Fotografie mit Kunstlicht oder Blitz
  • ✗70 GB interner Speicher aufgrund reduzierter Schreibgeschwindigkeit nicht für ProRes RAW nutzbar und keine simultane Backup-Aufnahme möglich
  • ✗Starker Super35-Crop (1,57x) bei 4K-Aufnahmen mit 120 Bildern pro Sekunde
  • ✗Gesamtsystem wächst mit aufgesetztem EVF-Zubehör deutlich an Größe und nähert sich preislich traditionellen Systemkameras
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