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Sigma FP2 im Test: Das modulare Kraftpaket mit Teil-Gestapeltem Sensor

Die Sigma FP2 begeistert mit neuem 24-MP-Teil-Sensor und Top-Autofokus im ultrakompakten Gehäuse – erfordert aber Modul-Kompromisse.

Sigma FP2 im Test Das modulare Kraftpaket mit Teil-Gestapeltem Sensor

Sigma ist im Objektivbereich seit Jahren für erstklassige Festbrennweiten und Lichtstarke Zooms der Art-Serie bekannt, doch bei eigenen Kameragehäusen ging der japanische Hersteller schon immer sehr eigene, teils unkonventionelle Wege. Mit der neuen Sigma FP2 bringt das Unternehmen nun den Nachfolger der extrem kompakten Vollformatkamera FP auf den Markt. Auf den ersten Blick wirkt das Gehäuse unverändert wie ein puristischer, schwarzer Aluminiumblock. Doch unter der nüchternen Fassade verbirgt sich moderne Technologie, die das Konzept einer modularen Hybridkamera auf ein neues Leistungsniveau hebt.

Das Herzstück der rund 2.200 Euro teuren Sigma FP2 ist ein teil-gestapelter (partially-stacked) Vollformatsensor mit 24 Megapixeln. Dieser ermöglicht spürbar schnellere Auslesezeiten als das Vorgängermodell. Da Sigma weiterhin vollständig auf einen mechanischen Verschluss verzichtet, war die Reduzierung des Rolling-Shutter-Effekts essenziell. In der Praxis zeigt sich, dass dynamische Motive und schnelle Mitzieher nun ohne störende Verzerrungen festgehalten werden können. Mit einer Seriengeschwindigkeit von bis zu 20 Bildern pro Sekunde und einem Pufferspeicher für rund 180 RAW-Dateien in Folge eignet sich die Kamera überraschend gut für actionreiche Szenen, auch wenn die Gehäuseergonomie nicht primär auf die Sport- oder Wildlifefotografie ausgelegt ist.

Für Street-Fotografen und Videografen im deutschsprachigen Raum, die ein extrem kompaktes Setup suchen, ist das geringe Gewicht von nur 470 Gramms inklusive Akku und Speicherkarte ein echtes Kaufargument. Sigma verwendet nun einen Akku vom Typ Panasonic BLK22, der die Ausdauer auf akzeptable 370 Aufnahmen nach CIPA-Standard steigert. Ein wesentliches ergonomisches Upgrade ist das neue 2,1-Millionen-Bildpunkte auflösende Display auf der Rückseite, das sich endlich vertikal klappen lässt. Aufnahmen aus der Froschperspektive oder unauffällige Hüftschüsse in der Straßenfotografie gelingen dadurch wesentlich komfortabler als beim starren Monitor des Vorgängers.

Ein echtes Highlight der FP2 ist die Autofokus-Performance. Das neue AF-System zur Motiverkennung und -verfolgung arbeitet außerordentlich präzise. Egal ob Personen, Augen, Vögel oder Tiere: Der Fokus krallt sich am Objekt fest und führt die Schärfe selbst bei Bewegung zuverlässig nach. In puncto Zuverlässigkeit rückt Sigma damit nah an Marktführer wie Sony oder Canon heran. Ergänzt wird das Funktionspaket durch erweiterte Farbprofile. Über eine dedizierte 'Color'-Taste lassen sich Looks wie 'Teal and Orange', 'Sunset Red' oder 'FOV Classic Yellow' direkt in der Kamera anpassen und feineinstellen, was Workflow-Vorteile für alle bringt, die fertige JPEGs oder Videos direkt nutzen möchten.

Trotz aller technischer Fortschritte erfordert die modulare Philosophie von Sigma Kompromisse. Das Gehäuse verfügt über zahlreiche 1/4-Zoll-Gewinde, um Zubehör wie Handgriffe, Mikrofone oder Kamera-Cages zu montieren. Allerdings besitzt die Grundkamera weder einen integrierten elektronischen Sucher (EVF) noch einen Standard-Blitzschuh. Beides muss über externe Zubehörteile angeschraubt werden. Wer beispielsweise den optionalen 5,76-Millionen-Bildpunkte-Sucher EVF-21 nutzt, blockiert damit den seitlichen Blitzschuh-Adapter. Das macht das System im vollausgestatteten Zustand sperrig und erhöht die Gesamtkosten spürbar. Zudem fehlt ein integrierter Bildstabilisator (IBIS), was bei Freihandaufnahmen mit unstabilisierten Objektiven eine ruhige Hand erfordert.

In Summe ist die Sigma FP2 eine faszinierende Spezialistin. Als kompakte Vollformatkamera für Gimbal-Setups, hybride Video-Foto-Einsätze oder als Begleiterin für Reisen bietet sie eine herausragende Bildqualität und beeindruckende AF-Leistung. Für klassische Fotografen, die einen integrierten Sucher und perfekte Ergonomie ohne Zusatzmodule suchen, bleibt sie hingegen eine eigenwillige Wahl.

📷 Kamera

📋 Technische Spezifikationen

📸 Hauptkamera
24,6 MP Vollformat (Partially-Stacked CMOS), Kein mechanischer Verschluss
🌄 Ultraweitwinkel
N/A (Wechselobjektiv-System, L-Mount)
🔭 Teleobjektiv
N/A (Wechselobjektiv-System, L-Mount)
🤳 Frontkamera
N/A
🎥 Video
4K UHD bis 60fps, 12-Bit RAW über HDMI / USB-C SSD, CinemaDNG support
⚙️ Weitere Details
70 GB interner Speicher + 1x SD UHS-II Slot, 3″ Klapp-LCD (2.1 Mio. Punkte), 470g Gewicht, L-Mount

✅ Vorteile (Pros)

  • ✓Herausragender Autofokus mit präziser Objekt- und Augenerkennung auf Sony-Niveau
  • ✓Teil-gestapelter 24-MP-Vollformatsensor minimiert Rolling-Shutter-Effekte ohne mechanischen Verschluss
  • ✓Extrem kompaktes und robustes Gehäuse aus Aluminium – ideal für Gimbal- und Reise-Setups
  • ✓Praktischer interner 70-GB-Speicher als Ausfallsicherung oder Hauptspeicher neben dem SD-Slot
  • ✓Klappbares 2,1-Millionen-Punkte-Display erleichtert Perspektivwechsel bei Street- und Landschaftsaufnahmen
  • ✓Sehr hohe Serienbildgeschwindigkeit von bis zu 20 fps mit großzügigem RAW-Puffer
  • ✓Umfangreiche und gelungene Farbprofile (Color Modes) mit direkten Anpassungsmöglichkeiten
  • ✓Verbesserte Akkulaufzeit dank neuer Batterietechnologie (kompatibel mit Panasonic BLK22)

❌ Nachteile (Cons)

  • ✗Kein integrierter Bildstabilisator (IBIS) im Kameragehäuse vorhanden
  • ✗Kein eingebauter elektronischer Sucher und kein fester Blitzschuh am Gehäuse
  • ✗Aufschraubbare Zubehöre (EVF, Blitzschuh, Handgriffe) sind teuer und machen die Kamera unhandlich
  • ✗Neigung zu Überhitzung bei längeren Videoaufnahmen mit hohen Bildraten
  • ✗Fehlender AF-Joystick führt zu versehentlichem Verstellen des Fokuspunkts per Touchscreen
  • ✗Nur ein oberes Einstellrad vorhanden – erfordert Kompromisse bei der manuellen Belichtungssteuerung

Titelbild: Foto von dlxmedia.hu auf Unsplash

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