Kamera

Canon EOS R8 II im Test: IBIS und Joystick machen Canons Einsteiger-Vollformat erwachsen

Die Canon EOS R8 II korrigiert die Schwächen des Vorgängers: Mit IBIS, AF-Joystick und größerem Puffer wird die kompakte Vollformatkamera zum echten Allrounder.

Canon EOS R8 II im Test IBIS und Joystick machen Canons Einsteiger-Vollformat erwachsen

Mit der Vorstellung der Canon EOS R8 II geht der japanische Kamerahersteller die gravierendsten Kritikpunkte des Vorgängermodells gezielt an. Die ursprüngliche EOS R8 war für viele Fotografen ein attraktiver Einstieg in das Vollformatsystem von Canon, hinterließ jedoch durch den fehlenden internen Bildstabilisator (IBIS) und den Verzicht auf einen dedizierten AF-Joystick gemischte Gefühle. Die Mark II liefert genau an diesen neuralgischen Punkten ab und positioniert sich mit einem Einstiegspreis von rund 1.900 Euro spürbar höher am Markt – ohne das bisherige Modell komplett zu ersetzen, das weiterhin als preisgünstige Alternative im Portfolio verbleibt.

Schon beim ersten Blick auf das Gehäuse zeigt sich ein überarbeitetes Design. Canon beruft sich bei der optischen Gestaltung auf historische Anleihen der Analogerbe-Klassiker wie der T80 oder EOS 650. In der Hand erinnert das dezent-minimalistische Gehäuse mit seiner feingliedrigen Texturierung jedoch stark an moderne High-End-Kameras. Das Gehäuse bringt inklusive Akku und Speicherkarte lediglich 546 Gramm auf die Waage und bleibt damit extrem leicht. Für ausgedehnte Reportage-Touren durch europäische Metropolen oder lange Wanderungen in den Alpen ist das ein unbestreitbarer Vorteil. Fotografen mit größeren Händen werden allerdings – wie schon beim Vorgänger – feststellen, dass der kleine Finger ins Leere greift. Hier schafft die optional erhältliche Griffverlängerung Abhilfe.

Die wichtigste funktionale Neuerung liegt im Gehäuseinneren: Der bewährte 24,2-Megapixel-CMOS-Sensor wird nun von einem mechanischen 5-Achsen-Bildstabilisator unterstützt. In Kombination mit stabilisierten RF-Objektiven verspricht Canon eine Kompensation von bis zu 7,5 Belichtungsstufen im Bildzentrum. In der Praxis der Dämmerungs- und Available-Light-Fotografie bedeutet dies einen gewaltigen Sprung. Wo beim Vorgänger bei Verschlusszeiten von 1/15 Sekunde ohne Stativ Schluss war, gelingen mit der R8 II nun knackscharfe Freihandaufnahmen selbst bei Sekundenbruchteilen. Für Street- und Architekturfotografen eröffnet dies ganz neue Möglichkeiten ohne schweres Gepäck.

Auch beim Autofokus legt Canon nach. Die Algorithmen wurden überarbeitet und stammen in Teilen aus dem professionelleren Schwestermodell EOS R6 III. Neben der gewohnt zuverlässigen Motiverkennung für Menschen, Tiere und Fahrzeuge bietet die R8 II nun die Funktion 'Personenpriorität registrieren'. Damit lassen sich spezifische Gesichter im Speicher hinterlegen, auf die die Kamera bei unübersichtlichen Motivsituationen bevorzugt scharfstellt – ein unschätzbarer Vorteil bei Hochzeitsfeiern, Sportevents oder Familienfeiern. Auf der Gehäuserückseite befindet sich zudem endlich der vermisste AF-Joystick, der das schnelle und präzise Verschieben des Fokusfelds im Sucherbetrieb erheblich erleichtert.

In puncto Serienbildgeschwindigkeit bleibt die maximale Frequenz im elektronischen Verschluss bei rasanten 40 Bildern pro Sekunde (6 B/s mit mechanischem Verschluss). Entscheidend verbessert wurde jedoch die Pufferkapazität: Im Test hielt die Kamera bei RAW+JPEG-Aufnahmen fast 80 Bilder durch, bei reinen JPEGs sogar bis zu 175 Bilder am Stück. Das entspricht einer Puffer-Steigerung von über 50 Prozent. Hinzu kommt ein echter Pre-Capture-Modus von 0,5 Sekunden, der kontinuierlich Bilder in den Zwischenspeicher lädt, bevor der Auslöser durchgedrückt wird. Für die Ansitzjagd auf Vögel oder dynamische Sportaufnahmen ist diese Funktion ein absoluter Gamechanger.

Videografen profitieren von unbeschnittenem 4K-Material mit bis zu 60p, das per Oversampling aus einem 6K-Signal generiert wird. Canon spendiert der Kamera zudem C-Log3 und erweiterte Assistenten wie programmierbare Fokus-Verlagerungen auf Knopfdruck ('Defocus'-Funktion), was flüssige Schärfeverlagerungen ohne manuelles Eingreifen am Objektiv ermöglicht.

Trotz all der Neuerungen erfordert die Kamera Kompromisse: Der Akku vom Typ LP-E17 ist mit einer CIPA-Bewertung von nur etwa 270 Aufnahmen recht schwach dimensioniert. Ein Ersatzakku gehört in Deutschland und Österreich zwingend ins Fotogepäck. Zudem verharrt der elektronische Sucher bei bescheidenen 2,36 Millionen Bildpunkten mit 0,7-facher Vergrößerung. Wer auf Redundanz angewiesen ist, wird zudem das zweite Speicherkartenfach vermissen – die R8 II bietet weiterhin nur einen einzelnen UHS-II SD-Slot. Im Vergleich zur Nikon Z5 II oder Sony Alpha 7 IV zeigt sich die Canon EOS R8 II als extrem kompaktes, hochmodernes Werkzeug, das vor allem durch Bildstabilisierung, AF-Performance und Leichtigkeit punktet.

📷 Kamera

📋 Technische Spezifikationen

📸 Hauptkamera
24,2 MP Vollformat FSI CMOS-Sensor, IBIS bis zu 7,5 EV Kompensation
🌄 Ultraweitwinkel
Nicht zutreffend (Wechselobjektiv-System)
🔭 Teleobjektiv
Nicht zutreffend (Wechselobjektiv-System)
🤳 Frontkamera
Nicht zutreffend
🎥 Video
4K UHD bis 60p (unbeschnitten, Oversampling aus 6K), C-Log3, HDR PQ
⚙️ Weitere Details
AF-Joystick, 40 B/s E-Shutter / 6 B/s mech., 0,5s Pre-Capture, 2,36 Mio. Punkte EVF, 1x UHS-II SD, 546g Gewicht

✅ Vorteile (Pros)

  • ✓Hervorragender 5-Achsen-Bildstabilisator (IBIS) ermöglicht knackscharfe Freihandaufnahmen bei wenig Licht
  • ✓Ergonomischer AF-Joystick auf der Rückseite erleichtert die Positionierung des Fokuspunkts drastisch
  • ✓Spürbar erweiterter Pufferspeicher für lange Bildserien bei rasanten 40 Bildern pro Sekunde
  • ✓Praktische Pre-Capture-Funktion (0,5 Sek.) fängt entscheidende Momente vor dem eigentlichen Auslösen ein
  • ✓Erstklassige Motiverkennung inklusive neuer Personenprioritäts-Funktion aus der R6 III
  • ✓Sehr gute 4K60p-Videoqualität ohne Crop aus 6K-Oversampling mit C-Log3
  • ✓Extrem leichtes und kompaktes Gehäuse – ideal für Reisen, Street-Fotografie und lange Wanderungen

❌ Nachteile (Cons)

  • ✗Enttäuschende Akkulaufzeit (LP-E17) erfordert zwingend mehrere Ersatzakkus für Tagesausflüge
  • ✗Nur ein einzelner UHS-II SD-Kartenslot bietet keine Redundanz für professionelle Aufträge
  • ✗Der elektronische Sucher wirkt mit 2,36 Mio. Bildpunkten in dieser Preisklasse nicht mehr zeitgemäß
  • ✗Mechanischer Verschluss schafft lediglich 6 Bilder pro Sekunde
  • ✗Der neue dreistufige Ein-/Ausschalter führt gelegentlich zum versehentlichen Wechsel in den Videomodus
  • ✗Sehr kompaktes Gehäuse lässt den kleinen Finger bei größeren Händen abrutschen (Griffverlängerung nötig)

Titelbild: Foto von Yannis Papanastasopoulos auf Unsplash

Link copied to clipboard

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *