Objektiv

NiSi 16mm f/2.8 ASPH G-Mount im Test: Das extremste Weitwinkel für Fujifilm GFX?

Das NiSi 16mm f/2.8 ASPH G-Mount überzeugt im Test als extremes Ultraweitwinkel für das Fujifilm GFX-System mit exzellenter Schärfe und robuster Metallbauweise.

Blendo

Das Fujifilm GFX-System hat das digitale Mittelformat revolutioniert und feiert im deutschsprachigen Raum seit fast einem Jahrzehnt große Erfolge. Professionelle Landschafts-, Architektur- und Studiofotografen in Deutschland und Österreich schätzen die enorme Auflösung und den herausragenden Dynamikumfang der GFX-Sensoren. Ein deutliches Zeichen für den anhaltenden Erfolg dieses Systems ist das wachsende Interesse von Drittanbietern, maßgeschneiderte Optiken zu liefern. NiSi, im DACH-Raum vor allem für erstklassige optische Filtersysteme und hochwertige Kinolinsen bekannt, tritt mit dem NiSi 16mm f/2.8 ASPH G-Mount an, um eine markante optische Lücke im GFX-Line-up zu schließen.

Mit einer Brennweite von 16mm an dem 44x33mm großen Mittelformatsensor ergibt sich ein Bildwinkel, der etwa 12,6mm im Kleinbildformat entspricht. Dies resultiert in einem extrem weiten diagonalen Blickwinkel von rund 118 Grad. Ein solches Ultraweitwinkel stellt Fotografen vor ganz besondere gestalterische Herausforderungen: Vordergründe müssen extrem nah gesucht werden, um Tiefe zu erzeugen, während der Hintergrund rasant an Größe verliert. Für dramatische Landschaftsaufnahmen in den Alpen, anspruchsvolle Innenraum-Architektur historischer Gebäude in Wien oder moderne Fassaden in Berlin ist dieser Bildwinkel jedoch ein mächtiges, gestalterisches Werkzeug, das völlig neue Perspektiven eröffnet.

Beim ersten Auspacken fällt sofort die kompromisslos massive Bauweise auf. Das Gehäuse besteht vollständig aus Metall, was dem Objektiv eine spürbare Wertigkeit und ein angenehmes Gewicht verleiht. Mit einer Länge von 108 Millimetern entspricht es in den Abmessungen fast exakt dem hauseigenen Fujinon GF 23mm f/4 R LM WR. Obwohl das Gewicht auf dem Papier ähnlich ist, wirkt das NiSi-Objektiv durch seine kompakte Metallkonstruktion subjektiv schwerer und robuster. Der Fokusring läuft mit einem wunderbar satten, präzisen Widerstand – ein entscheidender Faktor, da es sich um ein rein manuelles Objektiv handelt. Während moderne Autofokus-Objektive im manuellen Betrieb oft ein sehr schwammiges, elektronisch übersetztes Gefühl vermitteln, zeigt NiSi hier, wie sich ein echter mechanischer Schneckengang anfühlen muss. Der Blendenring rastet in ganzen Stufen von f/2.8 bis f/22 sauber ein, lässt sich aber auch dazwischen positionieren, wobei die Kamera diese Zwischenschritte mangels elektronischer Kontakte ohnehin nicht erfassen kann.

Ein wichtiges Detail betrifft das Filtergewinde. Das Objektiv verfügt über ein natives 82mm-Gewinde. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass herkömmliche 82mm-Schraubfilter bei diesem extremen Bildwinkel zu sichtbaren Vignettierungen in den äußersten Bildecken führen. NiSi legt dem Lieferumfang daher den hauseigenen JetMag Pro 95MAG Magnetfilteradapter bei, der die Verwendung von großzügigen 95mm-Filtern ermöglicht. Dies löst zwar das Problem der Randabschattung effektiv, erfordert jedoch die Investition in teurere 95mm-Filter, was beim Budgetieren im Hinterkopf behalten werden sollte. Das optische Design scheint stark an NiSis 16mm T2.9 Cinema-Objektiv für Großformat-Videokameras angelehnt zu sein, was die hervorragende mechanische Qualität und das Filterkonzept erklärt. Ein kleiner ästhetischer Kritikpunkt ist die neongelbe Dichtung am Bajonett, deren Farbton nicht ganz zu den übrigen gelben Beschriftungen auf dem Tubus passt. Im harten Praxiseinsatz ist dies freilich völlig irrelevant, da das Objektiv dank dieser Dichtung effektiv gegen Staub und Spritzwasser geschützt ist und sich im rauen Outdoor-Einsatz als absolut zuverlässig erweist.

In der fotografischen Praxis erfordert das NiSi 16mm f/2.8 ein bewusstes Umdenken. Da keinerlei elektronische Kontakte vorhanden sind, findet keine Kommunikation zwischen Objektiv und GFX-Kamera statt. Vor der ersten Aufnahme muss im Kameramenu zwingend die Option 'Aufnahme ohne Objektiv' aktiviert werden, da die Kamera andernfalls den Auslöser sperrt. Zudem fehlen jegliche EXIF-Daten bezüglich des verwendeten Blendenwerts; Lightroom und andere RAW-Konverter zeigen standardmäßig f/1.0 an. Wer seine Aufnahmen später präzise analysieren möchte, muss sich die Blendenwerte manuell notieren. Auch die Belichtungsmessung erfolgt rein über den Sensor (Arbeitsblendenmessung), was im Zusammenspiel mit dem elektronischen Sucher der GFX jedoch hervorragend und ohne Helligkeitssprünge funktioniert.

Das Fokussieren von Hand hängt stark vom verwendeten Kameramodell ab. An älteren Modellen wie der GFX 50S mit ihrem etwas trägen Sucher und der langsameren Lupe erfordert das exakte Scharfstellen Geduld und Präzision. An modernen Gehäusen wie der GFX 100 II mit hochauflösendem EVF und schnellem Prozessor geht das manuelle Fokussieren dank Fokus-Peaking deutlich flüssiger von der Hand. Aufgrund der enormen Schärfentiefe eines 16mm-Objektivs ist das exakte Fokussieren bei Landschaftsaufnahmen ab Blende f/5.6 ohnehin unkompliziert, da man sich schnell im Bereich der hyperfokalen Distanz bewegt und fast das gesamte Bildfeld scharf abgebildet wird.

Optisch liefert das NiSi-Objektiv eine beeindruckende Vorstellung ab. Bereits bei Offenblende f/2.8 ist die Schärfe im Bildzentrum hervorragend. Zu den Rändern hin lässt der Kontrast zwar etwas nach und es zeigen sich leichte chromatische Aberrationen, doch bereits ein moderates Abblenden auf f/4 oder f/5.6 hebt die Abbildungsleistung über das gesamte Bildfeld auf ein exzellentes Niveau. Mit 16 Linsenelementen in 12 Gruppen (darunter drei asphärische und vier ED-Linsen mit besonders geringer Dispersion) ist das Objektiv optisch hochkomplex korrigiert. Die Verzeichnung ist für ein solches Ultraweitwinkel erstaunlich gut unter Kontrolle, was Architekturfotografen sehr entgegenkommen dürfte. Ein weiteres Highlight ist die Blendenkonstruktion mit acht Lamellen, die bereits ab f/4 wunderschöne, scharf abgegrenzte Sonnensterne auf Lichtquellen zaubert.

Für Astrofotografen im DACH-Raum, die den Nachthimmel über den Alpen einfangen möchten, stellt das NiSi 16mm f/2.8 eine der wenigen echten Optionen im GFX-System dar. Fujifilms eigene Weitwinkel-Optionen sind oft lichtschwächer (f/4). Bei f/2.8 liefert das NiSi scharfe, punktförmige Sterne im Zentrum mit minimalem Koma in den Ecken. Das größte Problem bei der Astrofotografie ist jedoch die ausgeprägte Vignettierung bei Offenblende, die sich in der Nachbearbeitung nur mit Mühe und unter Inkaufnahme von erhöhtem Rauschen in den Bildecken korrigieren lässt. Dennoch bleibt das Objektiv mangels lichtstarker Alternativen die beste Wahl für GFX-Astrofotografen.

Mit einem regulären Marktpreis von rund 1.399 Euro (oftmals im Angebot für ca. 1.190 Euro) im deutschen und österreichischen Fachhandel ist das NiSi im Vergleich zu den Originalobjektiven von Fujifilm ein echtes Schnäppchen. Das Fujinon GF 23mm f/4 R LM WR schlägt mit knapp 3.000 Euro zu Buche, bietet dafür aber Autofokus und EXIF-Datenübertragung. Das GF 20-35mm f/4 R WR Zoom ist ebenfalls hervorragend, kostet aber rund 2.900 Euro und ist eine Blende lichtschwächer. Wer also die extreme Brennweite sucht und mit den Einschränkungen eines rein manuellen Objektivs leben kann, erhält mit dem NiSi 16mm f/2.8 ASPH ein hervorragend verarbeitetes Werkzeug mit einem unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis.

📷 Objektiv

📋 Technische Spezifikationen

📸 Hauptkamera
Nicht zutreffend (Objektiv-Review)
🌄 Ultraweitwinkel
Nicht zutreffend (Objektiv-Review)
🔭 Teleobjektiv
Nicht zutreffend (Objektiv-Review)
🤳 Frontkamera
Nicht zutreffend (Objektiv-Review)
🎥 Video
Für Video optimiertes optisches Design (abgeleitet von der NiSi Cinema-Linie)
⚙️ Weitere Details
Brennweite: 16mm (ca. 12,6mm KB-Äquivalent), Lichtstärke: f/2.8 – f/22, optischer Aufbau: 16 Elemente in 12 Gruppen (3 ASPH, 4 ED), Naheinstellgrenze: 0,25 m, Filtergewinde: 82mm (inkl. 95mm Magnet-Adapter), Mount: Fujifilm G-Mount, Abmessungen: ca. 108mm Länge, Wetterschutz: Ja

✅ Vorteile (Pros)

  • ✓Hervorragende Schärfe im Bildzentrum bereits ab Offenblende f/2.8 – ideal für detailreiche Landschaftsaufnahmen.
  • ✓Exzellente Verarbeitungsqualität mit einem robusten Ganzmetallgehäuse, das harten Profi-Einsätzen problemlos standhält.
  • ✓Sehr präziser mechanischer Fokusring mit perfektem Drehwiderstand für exakte manuelle Fokussierung.
  • ✓Einzigartig weiter Bildwinkel (12,6mm KB-Äquivalent) im Fujifilm GFX-System für extreme Perspektiven.
  • ✓Hervorragende Naheinstellgrenze von nur 25 cm ermöglicht kreative Bildkompositionen mit betontem Vordergrund.
  • ✓Wunderschöne, scharf definierte Sonnensterne bereits ab Blende f/4 dank der durchdachten 8-Lamellen-Konstruktion.
  • ✓Effektiver Wetterschutz durch eine robuste Gummidichtung am Bajonett für den Einsatz bei Regen und Staub.
  • ✓Hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich zu den deutlich teureren Originalobjektiven von Fujifilm.

❌ Nachteile (Cons)

  • ✗Keinerlei elektronische Kontakte, wodurch keine EXIF-Daten (wie der Blendenwert) in die Bilddateien übertragen werden.
  • ✗Rein manueller Fokus schränkt die Einsatzgeschwindigkeit bei dynamischen Motiven oder Reportagen stark ein.
  • ✗Kamera muss manuell auf 'Aufnahme ohne Objektiv' umgestellt werden, was bei Einsteigern für Verwirrung sorgen kann.
  • ✗Sichtbare Vignettierung bei Verwendung von Standard-82mm-Schraubfiltern; erfordert den Einsatz teurerer 95mm-Magnetfilter.
  • ✗Ausgeprägte Randabschattung bei Offenblende f/2.8, die sich besonders in der Astrofotografie nur schwer korrigieren lässt.
  • ✗Die neongelbe Dichtung am Bajonett weicht farblich unschön vom Gelbton der restlichen Objektivbeschriftungen ab.
  • ✗Durch den extremen Bildwinkel ein sehr spezielles Nischenobjektiv, das im fotografischen Alltag nur selten benötigt wird.
Link copied to clipboard

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *