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Nikon Z5IIC im Test: Mutige Evolution oder schmerzhafter Verzicht ohne Sucher?

Nikon wagt mit der Z5IIC den radikalen Verzicht auf den Sucher und liefert eine ultrakompakte Vollformatkamera für Street- und Reisefotografen.

Nikon Z5IIC im Test Mutige Evolution oder schmerzhafter Verzicht ohne Sucher

Die Ankündigung der Nikon Z5IIC hat in der Fotografen-Community für reichlich Diskussionsstoff gesorgt. Während die einen in dem neuen, ultrakompakten Vollformat-Gehäuse die perfekte Immer-Dabei-Kamera für Street- und Reisefotografie sehen, reagieren traditionelle Verfechter der klassischen Fotografie mit Unverständnis auf den radikalen Verzicht: Das Fehlen eines elektronischen Suchers (EVF) spaltet die Gemüter. Doch wie schlägt sich das neue Konzept in der harten Praxis auf den Straßen von Wien oder bei wechselhaften Lichtverhältnissen in den Alpen?

Nikon geht mit der Z5IIC einen Weg, den Sony mit der Alpha-C-Serie bereits erfolgreich etabliert hat. Das Gehäuse wurde maximal geschrumpft, um ein echtes „Vollformat für die Jackentasche“ zu ermöglichen. Wer die Kamera das erste Mal in die Hand nimmt, spürt sofort den Unterschied zu den robusteren Schwestermodellen wie der Nikon Z6 II oder der klassischen Z5. Mit einem Gewicht von unter 500 Gramm und extrem flachen Abmessungen lädt die Z5IIC förmlich dazu ein, den schweren Fotorucksack zu Hause zu lassen und stattdessen mit einer leichten Festbrennweite wie dem Nikkor Z 26mm f/2.8 auf Streifzug zu gehen. Für Street-Fotografen bietet dieses unauffällige Design enorme Vorteile. Man wird im öffentlichen Raum kaum als professioneller Fotograf wahrgenommen, was authentische, ungestellte Porträts und Momentaufnahmen erheblich erleichtert.

Die Kehrseite der Medaille ist das komplett weggelassene Suchergehäuse. In der Praxis erweist sich diese Entscheidung als zweischneidiges Schwert. Bei bewölktem Himmel oder in Innenräumen lässt sich das hervorragende, schwenk- und drehbare Touchscreen-Display problemlos nutzen. Sobald man jedoch unter der gleißenden Mittagssonne auf den Bergen Tirols steht, stößt das Display an seine physikalischen Grenzen. Trotz maximaler Helligkeitseinstellung wird die Bildkomposition und die präzise Beurteilung der Schärfe ohne Sucher zu einer echten Herausforderung. Hier vermisst man den klassischen EVF schmerzlich. Wer primär bei schwierigen Lichtverhältnissen im Freien arbeitet, sollte diesen Aspekt vor dem Kauf genauestens abwägen.

Unter der Haube hat Nikon glücklicherweise nicht gespart. Die Integration des schnellen Expeed 7 Bildprozessors katapultiert die Autofokus-Leistung der Z5IIC in eine völlig neue Liga im Vergleich zur ursprünglichen Z5. Die Motiverkennung arbeitet extrem zuverlässig: Menschen, Tiere und Fahrzeuge werden blitzschnell erfasst und präzise verfolgt. Selbst bei Offenblende von f/1.8 sitzt der Fokus auf dem Auge des Motivs nahezu fehlerfrei. Der 24-Megapixel-Vollformatsensor liefert gewohnt erstklassige Ergebnisse. Das Rauschverhalten bei hohen ISO-Werten ist hervorragend, was die Kamera zusammen mit dem internen 5-Achsen-Bildstabilisator (IBIS) zu einer exzellenten Wahl für die Available-Light-Fotografie macht. Ob in schwach beleuchteten Kirchen bei einer Hochzeitsreportage oder bei nächtlichen Street-Sessions in Berlin – die Bildqualität bleibt bis ISO 6400 extrem sauber und detailreich.

Aufgrund des flachen Gehäuses ohne ausgeprägten Handgriff verändert sich das Handling spürbar. Während die Kamera mit kompakten Festbrennweiten (den sogenannten „Pancake-Objektiven“) perfekt ausbalanciert ist, wird es beim Einsatz von professionellen S-Line-Zooms wie dem Nikkor Z 24-70mm f/2.8 S schnell kopflastig. Nach mehreren Stunden des Fotografierens ermüdet die Hand merklich, da der nötige Halt fehlt. Für den professionellen Studio- oder Reportageeinsatz mit schweren Linsen ist die Z5IIC daher nur bedingt zu empfehlen. Ein weiterer Kritikpunkt, der besonders Hochzeits- und Eventfotografen betreffen dürfte, ist das Vorhandensein von nur einem einzigen SD-Kartenslot. Ein redundantes Backup direkt bei der Aufnahme ist somit nicht möglich – für viele Profis ein K.o.-Kriterium.

Mit einem Einführungspreis von rund 1.400 Euro im deutschsprachigen Raum positioniert sich die Nikon Z5IIC in einem hart umkämpften Segment. Sie konkurriert direkt mit der Sony Alpha 7C und der Fujifilm X-T50. Während Fujifilm mit analogen Einstellrädern und einem Sucher punktet, bietet Nikon hier den echten Vollformatsensor im ultrakompakten Gehäuse. Wer bereits im Nikon-Z-System beheimatet ist und eine kompakte Zweitkamera sucht, findet in der Z5IIC eine hochmoderne Ergänzung. Wer jedoch eine universelle Erstkamera sucht und nicht zwingend die kompaktesten Maße benötigt, greift im DACH-Markt derzeit oft noch zur klassischen Nikon Z6 II, die im Abverkauf zu ähnlichen Preisen angeboten wird und einen hervorragenden Sucher sowie zwei Kartenslots bietet.

📷 Kamera

📋 Technische Spezifikationen

📸 Hauptkamera
24.2 MP Vollformat-CMOS-Sensor (35.9 x 23.9 mm)
🌄 Ultraweitwinkel
Nicht zutreffend (Wechselobjektiv-System)
🔭 Teleobjektiv
Nicht zutreffend (Wechselobjektiv-System)
🤳 Frontkamera
Nicht zutreffend
🎥 Video
4K bis zu 60p (mit leichtem Crop), 1080p bis zu 120p, N-Log Support über HDMI
⚙️ Weitere Details
Expeed 7 Prozessor, 5-Achsen-Bildstabilisator (IBIS), 3.2-Zoll klapp- und drehbarer Touchscreen (1.04 Mio. Bildpunkte), 1x SD-Kartenslot (UHS-II), Gewicht: ca. 460g mit Akku

✅ Vorteile (Pros)

  • ✓Herausragende Bildqualität dank des bewährten 24 MP Vollformatsensors mit enormem Dynamikumfang
  • ✓Extrem kompaktes und leichtes Gehäuse – ideal für unauffällige Street-Photography und Reisen
  • ✓Expeed 7 Prozessor sorgt für rasanten Autofokus und exzellente Motiverkennung von Menschen und Tieren
  • ✓In-Body Image Stabilization (IBIS) gleicht Erschütterungen bei Available-Light-Aufnahmen zuverlässig aus
  • ✓Vollständig schwenk- und drehbarer Touchscreen ermöglicht kreative Perspektiven und müheloses Vlogging
  • ✓Sehr gutes Rauschverhalten selbst bei hohen ISO-Werten wie ISO 6400 oder 12800
  • ✓USB-C-Anschluss mit Power-Delivery-Unterstützung für unkompliziertes Laden unterwegs per Powerbank

❌ Nachteile (Cons)

  • ✗Kein elektronischer Sucher (EVF) – das Fotografieren bei hellem Sonnenlicht im Freien wird stark erschwert
  • ✗Nur ein einzelner SD-Kartenslot vorhanden – für professionelle Backups bei Events ungeeignet
  • ✗Ergonomie leidet beim Einsatz von größeren, schweren S-Line-Objektiven spürbar (Kopflastigkeit)
  • ✗4K/60p-Videomodus nur mit zusätzlichem Crop-Faktor nutzbar, was Weitwinkelaufnahmen einschränkt
  • ✗Kein integrierter Blitz und wenig Platz für physische Custom-Tasten am kompakten Gehäuse
  • ✗Rolling-Shutter-Effekt bei schnellen Schwenks im Videomodus erkennbar

Titelbild: Foto von Sasha Matveeva auf Unsplash

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