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Canon EOS R8 Mark II im Test: Mutiges Retro-Design trifft auf lang ersehnte Upgrades

Die Canon EOS R8 Mark II bringt lang ersehnte Features wie IBIS und einen AF-Joystick in ein kompaktes Gehäuse, dessen mutiges Retro-Design die Gemüter spalten wird.

Canon EOS R8 Mark II im Test Mutiges Retro-Design trifft auf lang ersehnte Upgrades

Als Canon Anfang 2023 die erste EOS R8 vorstellte, war die Marschrichtung klar: Die Kamera sollte den Einstieg in das Vollformat-Segment so attraktiv und erschwinglich wie möglich gestalten. Sie lieferte die hervorragende Bildqualität der teureren EOS R6 Mark II in einem kompakteren, leichteren Gehäuse. Doch dieser Kompromiss forderte Opfer: Es gab keinen Autofokus-Joystick, keine interne Bildstabilisierung (IBIS) und das Gehäuse fühlte sich für manche Hände fast schon zu zierlich an. Mit der Canon EOS R8 Mark II schickt der japanische Hersteller nun den Nachfolger ins Rennen, der im Jahr 2026 einiges anders – und vieles entscheidend besser – machen möchte. Was beim ersten Auspacken sofort ins Auge springt, ist die radikale optische Neuausrichtung. Canon bricht mit dem gewohnten, rundlichen Design der EOS R-Serie und präsentiert ein kantiges, fast schon futuristisches Gehäuse im Retro-Look. Dieses Design erinnert Kenner an die Canon T80 aus dem Jahr 1985 oder die legendäre EOS 650 von 1987. Während diese Ästhetik in den sozialen Netzwerken bereits heftig diskutiert wird und die Meinungen spaltet, lässt sich in der Praxis schnell feststellen: Unter der Haube schlummert eine Kamera, die erwachsener geworden ist und die größten Kritikpunkte des Vorgängers konsequent ausmerzt. Für Fotografen in Deutschland und Österreich, die nach einem vielseitigen Werkzeug für die Reise-, Street- oder Hochzeitsfotografie suchen, stellt sich die Frage, ob der mutige Designschritt auch im harten Foto-Alltag überzeugt.

Ein Blick auf die Ergonomie offenbart sofort die wichtigste Neuerung für ambitionierte Anwender: Endlich ist ein dedizierter Autofokus-Joystick mit an Bord. Wer im Getümmel einer Wiener Hochzeit oder bei herbstlichen Street-Aufnahmen in Hamburg schnell das Fokusfeld verschieben muss, wird diese Ergänzung im Vergleich zum mühsamen Touch-and-Drag-Verfahren des Vorgängers lieben. Zudem hat Canon den SD-Kartenslot aus dem Akkufach am Kameraboden verbannt und an die Seite verlegt. Das erleichtert den Kartenwechsel ungemein, wenn die Kamera auf einem Stativ montiert ist. Ein weiteres Highlight für das Handling ist der optional erhältliche Handgriff für knapp 100 Euro. Er bietet zwar keine zusätzliche Akkukapazität, verlängert das Gehäuse jedoch so, dass auch Fotografen mit größeren Händen einen hervorragenden Halt finden, ohne dass die Kamera an Kompaktheit einbüßt. Das Gehäuse ist im Vergleich zum Vorgänger zwar um knapp 85 Gramm schwerer geworden und bringt nun fahrbereite 546 Gramm auf die Waage, doch dieses zusätzliche Gewicht ist bestens investiert. Der Grund dafür ist die lang ersehnte Integration eines kamerainternen Fünf-Achsen-Bildstabilisators (IBIS). Damit lassen sich nun auch mit nicht-stabilisierten Festbrennweiten wie dem beliebten RF 50mm f/1.8 STM oder dem RF 85mm f/2 Macro IS STM knackscharfe Freihandaufnahmen bei deutlich längeren Belichtungszeiten realisieren – ein unschätzbarer Vorteil bei Available-Light-Aufnahmen in schlecht beleuchteten Innenräumen oder zur blauen Stunde.

In Sachen Bildqualität setzt Canon auf Bewährtes: Der bewährte 24,2-Megapixel-Vollformatsensor, der bereits in der R8 und der R6 Mark II für Furore sorgte, kommt auch hier zum Einsatz. Zwar verzichtet Canon auf den neueren 33-Megapixel-Sensor, den man eventuell in einer R6 Mark III erwarten würde, doch im Alltag erweist sich die 24-Megapixel-Auflösung als goldener Mittelweg zwischen exzellenter Rauscharmut, hoher Verarbeitungsgeschwindigkeit und moderaten Dateigrößen. Die Bilddynamik ist hervorragend, und die RAW-Dateien bieten in Lightroom reichlich Spielraum, um Tiefen aufzuhellen oder Lichter zu retten. Da die Kamera über keinen rein mechanischen Verschluss verfügt, greift sie standardmäßig auf den elektronischen ersten Verschlussvorhang (EFCS) zurück. Dies eliminiert das Risiko von Verwacklungen durch den Verschluss (Shutter Shock) und schont die Dynamik, kann jedoch bei extrem kurzen Verschlusszeiten und weit geöffneter Blende zu einer leichten Asymmetrie der Bokeh-Kreise im Randbereich führen – ein Phänomen, das in der alltäglichen Praxis jedoch kaum ins Gewicht fällt. Wer völlig geräuschlos arbeiten möchte, kann auf den rein elektronischen Verschluss umschalten, der beeindruckende Serienbildraten von bis zu 40 Bildern pro Sekunde ermöglicht. Dank des optimierten Pufferspeichers hält die R8 Mark II diese extremen Geschwindigkeiten nun deutlich länger durch als ihr Vorgänger, was sie zusammen mit der neuen Pre-Burst-Funktion (Pre-Continuous Shooting) auch für die Sport- und Wildlife-Fotografie im DACH-Raum hochgradig interessant macht.

Der Autofokus ist über jeden Zweifel erhaben. Ausgestattet mit dem Dual Pixel CMOS AF II und modernsten Deep-Learning-Algorithmen klebt der Fokus regelrecht an den Augen von Menschen, Tieren oder den Silhouetten von Fahrzeugen. Selbst bei schnellen Richtungswechseln oder schlechten Kontrastverhältnissen arbeitet das System extrem zuverlässig. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt jedoch die Energieversorgung: Canon setzt weiterhin auf den kleinen LP-E17-Akku. Während dieser für reine Foto-Touren bei bewusster Arbeitsweise ausreicht, zwingt er ambitionierte Videografen schnell in die Knie. Wer hochauflösende 4K-Videos mit 60 Bildern pro Sekunde aufzeichnet, sollte stets zwei bis drei Ersatzakkus im Rucksack mitführen. Auch der elektronische Sucher mit 2,36 Millionen Bildpunkten ist im Jahr 2026 nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit, erfüllt aber seinen Zweck. Zusammenfassend ist die Canon EOS R8 Mark II ein hochmodernes Werkzeug, das den Spagat zwischen Einsteigerfreundlichkeit und professionellen Features meistert. Das kantige Äußere mag polarisieren, doch die inneren Werte – allen voran IBIS, der AF-Joystick und die gesteigerte Serienbild-Performance – machen sie zu einer der vielseitigsten Vollformatkameras in ihrer Preisklasse.

📷 Kamera

📋 Technische Spezifikationen

📸 Hauptkamera
24,2 Megapixel Vollformat CMOS-Sensor (35,9 x 23,9 mm)
🎥 Video
4K mit bis zu 60p (Oversampled von 6K), Full HD bis zu 180p, 10-Bit 4:2:2 Canon Log 3 / HDR PQ
⚙️ Weitere Details
In-Body Image Stabilization (IBIS), Dual Pixel CMOS AF II mit Deep Learning, bis zu 40 Bilder/Sek. mit elektronischem Verschluss, 1x UHS-II SD-Kartenslot (seitlich), 2,36 Mio. Bildpunkte EVF (0,7x Vergrößerung), 3,0 Zoll schwenk- und drehbares Touch-Display mit 1,62 Mio. Bildpunkten, Gewicht: 546g (inkl. Akku und Speicherkarte)

✅ Vorteile (Pros)

  • Integrierter 5-Achsen-Bildstabilisator (IBIS) ermöglicht scharfe Freihandaufnahmen selbst mit unstabilisierten Festbrennweiten.
  • Dedizierter Autofokus-Joystick erleichtert die schnelle und intuitive Auswahl des Fokusfelds im Praxisalltag erheblich.
  • Hervorragender Dual Pixel CMOS AF II mit präziser, KI-gestützter Motiverkennung für Menschen, Tiere und Fahrzeuge.
  • Enorme Serienbildgeschwindigkeit von bis zu 40 Bildern/Sekunde mit deutlich verbessertem Pufferspeicher im Vergleich zum Vorgänger.
  • Nützliche Pre-Continuous-Shooting-Funktion (Pre-Burst) verhindert das Verpassen des entscheidenden Moments bei Action-Aufnahmen.
  • Der UHS-II SD-Kartenslot befindet sich nun an der Gehäuseseite und ist auch auf Stativen problemlos zugänglich.
  • Hervorragende Bildqualität des bewährten 24,2-Megapixel-Sensors mit sehr gutem Rauschverhalten bis ISO 3200/6400.
  • Kompaktes und leichtes Gehäuse, das sich trotz der neuen Hardware-Features hervorragend für die Reisefotografie eignet.

❌ Nachteile (Cons)

  • Das neue, kantige Retro-Design polarisiert stark und entspricht nicht der klassischen, fließenden Canon-Ergonomie.
  • Die Akkulaufzeit mit dem kleinen LP-E17-Akku ist vor allem im Videomodus und bei hoher Serienbildrate enttäuschend kurz.
  • Weiterhin nur ein einzelner SD-Kartenslot vorhanden, was die Kamera für professionelle Hochzeits- und Event-Backups disqualifiziert.
  • Der elektronische Sucher (EVF) hinkt mit einer Auflösung von 2,36 Millionen Bildpunkten der Konkurrenz in dieser Preisklasse hinterher.
  • Das rückseitige Touch-Display könnte heller sein und stößt bei direkter Sonneneinstrahlung im Außenbereich an seine Grenzen.
  • Der elektronische erste Verschlussvorhang (EFCS) kann in seltenen Fällen bei extrem kurzen Belichtungszeiten das Bokeh beeinträchtigen.
  • Der optionale Extension Grip (EG-E1) verbessert zwar die Ergonomie spürbar, bietet für knapp 100 Euro aber keinen Platz für einen Zweitakku.

Titelbild: Foto von Chiara Monti auf Unsplash

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