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GoPro Mission 1 Pro ILS im Test: Das Experiment mit dem MFT-Bajonett

Die GoPro Mission 1 Pro ILS bringt Wechselobjektive ins Action-Segment, scheitert in der Praxis jedoch an einem stromlosen MFT-Mount und schwieriger Fokussierung.

GoPro Mission 1 Pro ILS im Test Das Experiment mit dem MFT-Bajonett

Der Markt für Actionkameras schien lange Zeit klar aufgeteilt: Auf der einen Seite die ultrakompakten, robusten Weitwinkel-Kameras für Extremsportler, auf der anderen Seite professionelle Systemkameras für anspruchsvolle Videoproduktionen. Mit der Vorstellung der Mission-Serie unternahm GoPro den ambitionierten Versuch, diese beiden Welten zu verschmelzen. Nach den ersten Modellen mit fest verbautem Objektiv folgt nun die GoPro Mission 1 Pro ILS (Interchangeable Lens System) – eine Kamera, die mit einem Micro-Four-Thirds-Bajonett (MFT) und einem Typ-1-Sensor die Herzen von Filmemachern im DACH-Raum erobern soll. Doch beim genaueren Hinsehen entpuppt sich das rund 700 Euro teure Gerät als echtes Kuriosum, das im praktischen Einsatz sowohl Begeisterung als auch tiefe Frustration auslösen kann.

Was beim ersten Auspacken sofort auffällt, ist die verblüffende Ähnlichkeit zum Schwestermodell Mission 1 Pro. Trotz des neuen, mechanisch anspruchsvolleren Objektivanschlusses bringt das Gehäuse lediglich 207 Gramm auf die Waage. Wer bereits im GoPro-Kosmos zu Hause ist, wird sich sofort zurechtfinden: Die Steuerung über das rückseitige 2,6-Zoll-Touch-Display mit 806.000 Bildpunkten läuft flüssig, und auch das kleine 1,4-Zoll-Frontdisplay zur Bildkontrolle ist wieder mit an Bord. Die Kamera verfügt über die bekannten Befestigungsoptionen – vom klassischen GoPro-Gelenk über die praktischen Magnetdatenhalterungen bis hin zum standardmäßigen 1/4-Zoll-Stativgewinde. Ein wesentlicher Wermutstropfen für Outdoor-Enthusiasten vorweg: Durch das offene Bajonett ist die ILS im Gegensatz zu den gewohnten Hero-Modellen nicht mehr wasserdicht, wenngleich GoPro von einem grundlegenden Spritzwasserschutz spricht, sofern ein entsprechend abgedichtetes Objektiv montiert ist.

Die eigentliche Sensation – und gleichzeitig die größte Achillesferse der Kamera – ist das Micro-Four-Thirds-Bajonett. Auf dem Papier klingt die Entscheidung genial: Der MFT-Markt bietet eine riesige Auswahl an hervorragenden, kompakten Objektiven. Da der verbaute Typ-1-Sensor einen Crop-Faktor von etwa 2,7 aufweist, decken MFT-Linsen den Sensor problemlos ab. Der Haken an der Sache ist jedoch rein mechanischer Natur: Dem Bajonett fehlen jegliche elektronische Kontakte. Das bedeutet im Klartext, dass moderne, elektronisch gesteuerte MFT-Objektive von Panasonic oder Olympus an dieser Kamera nahezu nutzlos sind. Ohne Stromzufuhr lässt sich bei diesen Linsen weder der Autofokus nutzen noch die Blende verstellen. Filmemacher sind somit gezwungen, auf rein mechanische Optiken auszuweichen. Dazu zählen manuelle Festbrennweiten (wie das von GoPro für Tests bereitgestellte Laowa 7,5mm), spezielle MFT-Cine-Objektive von Herstellern wie Veydra, Kowa oder Zeiss sowie adaptierte Vintage-Foto-Objektive.

In der Praxis stellt dieser Umstand den Anwender vor völlig neue Herausforderungen. Während man bei einer herkömmlichen Action-Cam dank des extremen Weitwinkels und der enormen Schärfentiefe quasi nie fokussieren muss, erfordert die Mission 1 Pro ILS bei längeren Brennweiten und offener Blende präzise manuelle Arbeit. Zwar bietet die Kamera nützliche Hilfsmittel wie Fokus-Peaking und eine zweistufige Lupenfunktion, doch das Scharfstellen auf dem winzigen 2,6-Zoll-Bildschirm grenzt oft an ein Glücksspiel. Wer mobil und unauffällig filmen möchte, beispielsweise bei der Street-Videografie oder auf Reisen, wird schnell feststellen, dass ohne einen externen Monitor oder die Nutzung der neuen 'Mission Monitor App' auf dem Smartphone viele Aufnahmen unbemerkt unscharf geraten.

Schließt man das Smartphone via USB-C an und nutzt die App, verbessert sich die Usability drastisch. Man erhält Zugriff auf Zebra-Muster zur Belichtungskontrolle und kann eigene Preview-LUTs laden. Dennoch trüben eine minimale, aber spürbare Latenz bei der Schärfenachführung sowie die mäßige Auflösung des Live-Bildes in der App das Erlebnis. Zudem stellt sich die Frage der Verhältnismäßigkeit: Rüstet man die ILS mit dem absolut empfehlenswerten 'Media Mod Cage' (für ca. 150 Euro im Fachhandel in Deutschland und Österreich erhältlich) auf, um wichtige Anschlüsse wie 3,5-mm-Klinke, Micro-HDMI und zusätzliche Blitzschuh-Halterungen zu erhalten, und montiert dann noch ein Smartphone sowie ein hochwertiges Cine-Objektiv, schrumpft der Größenvorteil gegenüber einer vollwertigen Systemkamera wie der Panasonic Lumix GH7 oder einer Sony FX30 gegen null.

Bei der Bildqualität zeigt sich das gewohnte Bild der Mission-Reihe. Die Aufnahmen sind technisch hervorragend, allerdings sollte man die Erwartungen an die 8K-Auflösung zügeln. Wie schon beim Schwestermodell liefert der 4K-Modus in der Praxis oft die besseren, weil deutlich rauschärmeren Ergebnisse in den Schattenpartien. Wer also nicht zwingend die maximale Auflösung für nachträgliche Bildausschnitte benötigt, fährt mit 4K deutlich besser. Ein absolutes Highlight ist hingegen die Zeitlupenfunktion: Aufnahmen mit bis zu 240 Bildern pro Sekunde in 4K bieten eine Detailtreue, die in dieser Preisklasse ihresgleichen sucht. Der spektakuläre Modus mit 960 fps in Full HD ist zwar auf eine Aufnahmezeit von 10 Sekunden begrenzt und lässt etwas an Schärfe vermissen, liefert aber visuell beeindruckende Ergebnisse für Spezialeffekte.

Ein kritischer Punkt, der im professionellen Einsatz sauer aufstoßen kann, ist die Bildstabilisierung. GoPros 'Hypersmooth' genießt einen legendären Ruf, basiert jedoch auf digitaler Verschiebung und erfordert extrem kurze Verschlusszeiten, um Bewegungsunschärfe im Einzelbild zu verhindern. Bei typischen filmischen Einstellungen, wie etwa einer Belichtungszeit von 1/48 Sekunde bei 24 Bildern pro Sekunde, führt die Stabilisierung bei Kamerabewegungen zu einem sehr unnatürlichen, verschwommenen Bildeindruck. Da die Kamera weder über einen stabilisierten Sensor (IBIS) noch über die Unterstützung optischer Bildstabilisatoren im Objektiv verfügt, sollte man Hypersmooth bei klassischen Filmaufnahmen lieber deaktivieren und stattdessen auf ein Stativ oder ein kompaktes Gimbal zurückgreifen.

Für wen ist diese Kamera also gedacht? Eine besonders spannende Nische ergibt sich für Liebhaber von klassischen Super-16-Kinoobjektiven. Da die Sensorgröße des Typ-1-Sensors fast exakt dem historischen 16mm-Filmformat entspricht, lassen sich diese legendären Linsen ohne extremen Crop nutzen. Wo man früher auf klobige oder veraltete Kameras wie die originale Blackmagic Pocket Cinema Camera zurückgreifen musste, bietet die GoPro nun moderne Codecs, hohe Bildraten und bis zu 8K Auflösung. Auch für spezialisierte Naturfilmer oder Industrie-Tester, die extrem verlangsamte Bewegungsabläufe mit unterschiedlichen Brennweiten dokumentieren müssen, ist die ILS ein preiswertes Werkzeug.

Für den Massenmarkt oder als Rettungsanker für das wirtschaftlich angeschlagene Unternehmen GoPro dürfte die Mission 1 Pro ILS jedoch zu speziell sein. Der DACH-Markt bietet mit etablierten APS-C- und MFT-Kameras starke Alternativen, die im Alltag deutlich vielseitiger einsetzbar sind. Wer jedoch genau weiß, wie er die Eigenheiten dieser Kamera – insbesondere den rein manuellen Workflow und den Super-16-artigen Sensor – kreativ nutzen kann, erhält ein faszinierendes Werkzeug für ganz spezifische visuelle Projekte.

📷 Kamera

📋 Technische Spezifikationen

📸 Hauptkamera
Typ-1-Bildsensor (ca. 2,7-facher Crop-Faktor im Vergleich zu Vollformat)
🌄 Ultraweitwinkel
Nicht zutreffend (Wechselobjektivsystem)
🔭 Teleobjektiv
Nicht zutreffend (Wechselobjektivsystem)
🤳 Frontkamera
Nicht zutreffend
🎥 Video
8K-Aufzeichnung, 4K bis zu 240p, 1080p bis zu 960p (maximal 10 Sekunden)
⚙️ Weitere Details
Stromloses Micro-Four-Thirds-Bajonett (MFT); Gewicht: 207g; 2,6-Zoll Touch-LCD hinten (806k Bildpunkte); 1,4-Zoll Frontdisplay (172k Bildpunkte); wetterbeständig, aber nicht wasserdicht.

✅ Vorteile (Pros)

  • Hervorragende Zeitlupenfunktionen mit bis zu 960 fps in Full HD für spektakuläre High-Speed-Aufnahmen.
  • Solide Bildqualität im 4K-Modus mit erstaunlich sauberen Schatten und gutem Dynamikumfang.
  • Kompaktes und unauffälliges Gehäuse, das sich ideal für diskretes Filmen an belebten Orten eignet.
  • Kompatibilität mit legendären Super-16- und klassischen MFT-Kinoobjektiven dank des 2,7-fachen Crop-Faktors.
  • Nahtlose Integration in bestehende GoPro-Workflows durch identische Menüführung und Halterungssysteme.
  • Vielseitiges Zubehör-Ökosystem, insbesondere der optionale Media Mod Cage mit wichtigen Audio- und Videoanschlüssen.
  • Präzise Fokussierhilfen wie Fokus-Peaking und zweistufige Lupenfunktion direkt im System integriert.

❌ Nachteile (Cons)

  • Stromloser MFT-Objektivanschluss verhindert die Nutzung von Autofokus und elektronischer Blendensteuerung moderner Objektive.
  • Manuelle Scharfstellung auf dem kleinen 2,6-Zoll-Display erweist sich in der Praxis ohne externen Monitor als extrem fehleranfällig.
  • Digitale Bildstabilisierung (Hypersmooth) erzeugt bei kinotypischen Belichtungszeiten (z. B. 1/48s bei 24p) störende Unschärfen.
  • Kamera ist im Gegensatz zu klassischen GoPros nicht ohne spezielles Unterwassergehäuse wasserdicht.
  • Notwendige Zusatzfunktionen wie ein Histogramm erfordern den umständlichen Umweg über die GoPro Labs Firmware.
  • Sobald die Kamera mit Cage, Smartphone/Monitor und Objektiv einsatzbereit aufgebaut ist, verliert sie ihren Größenvorteil gegenüber vollwertigen DSLMs.
  • Sichtbares Rauschen und reduzierter Dynamikumfang im nativen 8K-Modus im Vergleich zur saubereren 4K-Ausgabe.

Titelbild: Foto von Samsung Memory auf Unsplash

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